Editorial

Ein Krieg, der alles verändert: Die US-Angriffe auf den Iran markieren einen Wendepunkt mit weltweiten Folgen

Donald Trump hat die USA in den Krieg gegen den Iran geführt – es könnte der finale Dolchstoß für die regelbasierte Weltordnung sein

Donald Trump hat die USA in den Krieg gegen den Iran geführt – es könnte der finale Dolchstoß für die regelbasierte Weltordnung sein Foto: AFP/Carlos Barria

Mit dem US-Angriff auf den Iran steht die regelbasierte Welt vor dem Kollaps – und Luxemburg vor neuen Risiken.

Donald Trump hat die USA in den Krieg gegen den Iran geführt. Es könnte der finale Dolchstoß für die regelbasierte Weltordnung sein, mit der wir uns seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, so gut es geht, vor Kriegen zu schützen suchen. Was jetzt kommt, kann niemand vorhersagen. Sicher ist nur: Für Europa ist die Welt nach diesem Wochenende noch einmal gefährlicher geworden, als sie es ohnehin schon war.

Mit der Operation „Midnight Hammer“ schlugen die Vereinigten Staaten in der Nacht auf Sonntag zu. Ziel des US-Angriffs waren die iranischen Atomanlagen von Isfahan, Natanz und vor allem Fordo mit seiner bis zu 90 Meter unter der Erde liegenden Anlage. Allein auf Letztere ließen die US-Tarnkappenbomber rund ein Dutzend ihrer bunkerbrechenden Bomben vom Himmel fallen. Die israelischen Streitkräfte hatten kurz zuvor erneut die iranische Luftverteidigung ins Visier genommen, wie sie es seit ihrem Überraschungsangriff vom 13. Juni beinahe täglich tun.

„Obliterated“, ausgelöscht, seien die „Nuklearambitionen“ Teherans, tönten umgehend Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth. Und wenn der Iran es wagen würde, zurückzuschlagen und amerikanische Stellungen in der Region anzugreifen, dann werde das „mit noch größerer Gewalt beantwortet“. Am Montagabend beschoss der Iran US-Militärstützpunkte in Katar. Medienberichten zufolge wurden auch Raketen auf den Irak abgefeuert. Aus Teheran hieß es, die Operation mit dem Namen „Verheißung des Sieges“ habe begonnen. Katar meldete wenig später, gewarnt worden zu sein. Alle Raketen seien abgefangen worden.

Trotzdem stellen sich jetzt vor allem Fragen. Gewissheiten gibt es kaum. Reagieren die USA, obwohl ihre Soldaten nicht getroffen wurden? Wollen die Israelis und die Amerikaner das iranische Regime stürzen? Wer nähme dann dessen Stelle ein? Kurzum: Welchen Plan verfolgen Trump und Benjamin Netanjahu? Haben sie überhaupt einen? Und lässt die Welt sie einfach machen?

Dass der Krieg, den Israel gegen den Iran begonnen hat, völkerrechtswidrig ist, sagen nahezu alle Experten. Der Einstieg der Vereinigten Staaten höhlt das Völkerrecht als Schutzschild gegen Kriege weiter aus. Russland dürfte sich in seinem Vorgehen gegen die Ukraine bestätigt sehen. London und Paris riefen zur Deeskalation auf, bis auch die USA zuschlugen. Sobald sich der Rauch der US-Bunkerbrecher über dem Iran verzogen hatte, klatschten Großbritannien und Frankreich Trump und den USA brav Beifall. Nimmt man Russland hinzu, das seit dreieinhalb Jahren die Ukraine angreift, stellen sich damit vier der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen hinter völkerrechtswidrige Kriege. Das fünfte Mitglied ist China. Für Taiwan wird die Luft zusehends dünner.

Trump hat mit seinem Angriff auf den Iran die regelbasierte Weltordnung mit getroffen. Sie ist ihm, dem starken Mann, mit ihren lästigen Regeln immer schon ein Dorn im Auge. Nun versetzt er ihr möglicherweise den letzten Schlag. Doch ohne diesen Kitt zwischen den Staaten herrscht nur noch ein Prinzip vor: das Recht des Stärkeren.

Dass Israel und die USA mit dem iranischen Terrorregime den richtigen Feind ins Visier genommen haben, macht diesen Krieg nicht richtig. Der Angriff der USA bedeutet vielmehr das Ende der Regeln. Und dass vor allem die USA kein klares Kriegsziel nennen, spricht eher für Trumps Lust auf einen lauten Knall als für einen durchdachten Plan.

Trump schrieb am späten Montagabend in den sozialen Netzwerken: „CONGRATULATIONS WORLD, IT’S TIME FOR PEACE!“ Die Welt ist den Launen eines sehr gefährlichen Mannes ausgeliefert. Auch das macht diesen Krieg so gefährlich.

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