Hohe Nachfrage, unterschiedliche Wege

Ein Blick auf Luxemburgischkurse in den Gemeinden

Am heutigen „Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch“ soll die luxemburgische Sprache in den Mittelpunkt gerückt werden. Doch wie sieht es mit den Luxemburgischkursen in den Gemeinden aus? Während Esch durch ein breites Angebot an Intensivkursen auffällt und keine Wartelisten kennt, kämpft Düdelingen trotz hoher Nachfrage mit Engpässen bei den Lehrkräften.

Am Sommeranfang bekommen die Absolventinnen und Absolventen der Sprach- und Informatikkurse feierlich ihr Zertifikat überreicht – wie hier beim Abschluss der Kurse 2024/2025 im Düdelingener Kulturzentrum „opderschmelz“

Am Sommeranfang bekommen die Absolventinnen und Absolventen der Sprach- und Informatikkurse feierlich ihr Zertifikat überreicht – wie hier beim Abschluss der Kurse 2024/2025 im Düdelingener Kulturzentrum „opderschmelz“ Foto: Gemeinde Düdelingen

Am 26. September wird erstmals der „Dag vun der Lëtzebuerger Sprooch“ gefeiert. Luxemburgischkurse sind dabei längst mehr als Sprachunterricht – sie sind zu einem wichtigen Instrument sozialer und beruflicher Integration geworden. Die Nachfrage wächst stetig: die Herausforderung bleibt, mit dem Angebot organisatorisch Schritt zu halten. Ein Blick nach Düdelingen, Esch und Differdingen zeigt Gemeinsamkeiten bei den Sprachkursen, aber auch unterschiedliche Schwerpunkte.

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER)

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER) ist ein europaweit einheitliches System, um Sprachkenntnisse vergleichbar zu machen. Er teilt das Lernen in sechs Stufen ein:
A1 und A2 für Anfänger, B1 und B2 für Fortgeschrittene sowie C1 und C2 für sehr gute bis muttersprachliche Kenntnisse.
– A1/A2: Man versteht einfache Sätze, kann sich im Alltag oder im Beruf grundlegend verständigen.
– B1/B2: Man kann Gespräche führen, Texte verstehen und sich differenzierter ausdrücken.
– C1/C2: Man beherrscht die Sprache fast vollständig, kann komplexe Texte verfassen und mühelos kommunizieren.
Dieses System wird europaweit genutzt – etwa für Sprachkurse, Zertifikate oder die Einbürgerung.

In Düdelingen reicht das Angebot an Luxemburgischkursen bis zum Niveau B1.2 nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER). Die Wurzeln reichen zurück bis 1994, als erste Abendkurse am „Lycée Nic Biever“ eingerichtet wurden. Seit 2010/2011 besteht eine Konvention mit dem „Service de la formation des adultes“ des Bildungsministeriums, organisiert werden die Kurse heute in Zusammenarbeit mit „Inter-Actions“.

Für die aktuelle Herbstsession 2025 stehen 14 Kurse im Bereich A1.1 bis A2.2 auf dem Programm – von Vormittags- bis Abendklassen, teils in Präsenz, teils im Blended-Learning-Format (eine Kombination aus klassischem Präsenzunterricht und digitalem Lernen). Die Gemeinde setzt bewusst darauf, Einsteigerkurse (A1.1) ausschließlich vor Ort anzubieten: „Wir bevorzugen einen persönlichen ersten Kontakt mit der Sprache vor Ort“, so die Stadt Düdelingen auf Anfrage des Tageblatt. Pro Kurs nehmen zwischen 15 und 20 Personen teil, der wöchentliche Umfang liegt bei vier bis sechs Stunden.

Engpässe bei Lehrkräften

   

    Grafik: Editpress/Louis Elsen

Die Nachfrage bleibt hoch: 2025 sind 211 Personen auf A1.1 eingeschrieben, weitere 149 auf A1.2, 117 auf A2.1 und 88 auf A2.2. Damit bleibt die Teilnehmerzahl in etwa auf dem Niveau der Vorjahre, trotz eines leichten Rückgangs. Verantwortlich dafür ist allerdings weniger mangelndes Interesse als vielmehr ein Engpass an qualifizierten Lehrkräften. Sechs geplante Kurse mussten zu Jahresbeginn kurzfristig abgesagt werden, weil Dozenten andere, besser bezahlte Angebote annahmen. Aktuell unterrichten sieben Lehrkräfte, die alle das Zertifikat „ZLLL – Zertifikat Lëtzebuergesch Léiere Léieren“ des Luxemburger Sprachinstituts INLL besitzen.

Ein weiteres Problem sind die Wartelisten, insbesondere auf Anfängerniveau. In den vergangenen Jahren warteten konstant rund zehn Personen auf einen Platz im A1.1-Kurs, doch während früher spontane Abmeldungen noch für freie Plätze sorgten, gibt es seit einem Jahr praktisch keine Nachrückmöglichkeiten mehr.

Die Motive der Kurs-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer sind vielfältig: Zugang oder Erhalt einer Arbeitsstelle, Vorbereitung auf den „Sproochentest“ des INLL für die luxemburgische Nationalität, der Wunsch von Eltern, sich mit ihren Kindern sprachlich auszutauschen, oder schlicht die soziale Komponente der Kurse. Ab A2.2 sinkt die Nachfrage spürbar, viele Lernende fühlen sich dann bereits ausreichend gerüstet für den Alltag. Als Lehrwerk nutzt die Gemeinde das INLL-Material „Schwätzt Dir Lëtzebuergesch?“, ergänzt durch eigene Unterlagen der Dozenten. Neben Luxemburgisch bietet Düdelingen auch Französisch-, Englisch-, Portugiesisch- sowie Informatikkurse an.

   

    Grafik: Editpress/Louis Elsen

Viele Intensivkurse

In Esch reicht die Tradition der Sprachkurse noch weiter zurück. Bereits seit 1960 bietet die Gemeinde Luxemburgischunterricht an. Heute stehen 19 Kurse im Programm, darunter zehn Intensivkurse – zweimal zwei Stunden pro Woche.

Im Unterschied zu Düdelingen haben hier laut Aussagen der Stadt Esch alle Interessierten die Chance, einen Platz zu bekommen – Wartelisten gebe es derzeit nicht. Für das Jahr 2025 sind 147 Personen in A1.1 eingeschrieben, 96 in A1.2, 51 in A2.1 und 44 in A2.2. Die Zahlen seien in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gestiegen. Durchschnittlich nehmen 16 Personen pro Klasse teil, unterrichtet wird von vier Lehrkräften mit universitärem Abschluss.

Auch in Esch werden Kurse bis zum Niveau B1.2 angeboten. Die meisten Teilnehmer besuchen die Kurse entweder auf Empfehlung oder Verpflichtung durch Institutionen wie den Regionalbeauftragten für soziale Eingliederung (ARIS) oder der ADEM. Auch die Vorbereitung auf die Nationalität ist ein zentrales Motiv. Rund drei Viertel der Lernenden bleiben mindestens bis A2.1, etwa die Hälfte bis A2.2. Auch hier kommt das Lehrwerk „Schwätzt Dir Lëtzebuergesch?“ zum Einsatz. Neben Luxemburgisch werden Französisch, Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Italienisch und Spanisch angeboten, teils als Intensiv-, teils als Jahreskurse.

E-Learning und kulturelle Einbettung

In Differdingen gehen die Erfahrungen ebenfalls weit zurück. Die ersten konventionierten Kurse wurden 2011/2012 organisiert, insgesamt bietet die Gemeinde jedoch seit mehr als 25 Jahren Luxemburgischunterricht an. Heute stehen 14 Klassen zur Verfügung, davon fünf als E-Learning-Angebot. Parallel dazu gibt es Präsenzkurse, die vor allem abends und teilweise vormittags in der Musikschule oder an der Internationalen Schule EIDE stattfinden. Die Gemeinde bietet Unterricht bis B1.2 an und ergänzt das Programm seit 2024 durch einen Konversationskurs. Insgesamt sind 280 Personen eingeschrieben, wobei keine Wartelisten geführt werden. Die Klassen sind hingegen größer: sie umfassen 20 bis 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Intensivkurse sind bislang nicht vorgesehen, sollen aber ab 2026 eingeführt werden.

Inhaltlich setzt Differdingen neben dem Standardlehrwerk „Schwätzt Dir Lëtzebuergesch?“ auf zusätzliche Materialien wie kurze Geschichten aus der Reihe „Bucktugou – Hot Coffee“. Die Kurse werden bewusst kulturell erweitert – durch Leseaufträge, kulinarische Ateliers oder gemeinsame Aktivitäten wie einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Die Gemeinde betont: „Sprachlernen ist ohne kulturelle Einbettung unvollständig und Integration gelingt am besten über beides.“ Viele Lernende stammen aus medizinischen Berufen, weshalb überlegt wird, künftig spezielle Fachsprachkurse anzubieten. Auch für das Erlangen der luxemburgischen Nationalität sollen entsprechende Vorbereitungskurse ab 2026 ins Programm aufgenommen werden.

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