Neue Technologien

Drohnen am Himmel Europas – Australier holen sie runter

Während in Europa Drohnen Alarm auslösen, profitieren australische Unternehmen wie DroneShield und Electro Optic Systems von der steigenden Nachfrage nach Anti-Drohnen-Technologie. Die Aktienkurse schnellen nach oben, die Auftragsbücher füllen sich.

Vor einigen Jahren noch ein teures Spielzeug, heute eine militärische und sicherheitspolitische Herausforderung: Drohnen

Vor einigen Jahren noch ein teures Spielzeug, heute eine militärische und sicherheitspolitische Herausforderung: Drohnen Foto: Emil Helms/Ritzau Scanpix/AFP

In den vergangenen Tagen ist der europäische Luftraum erneut Ziel unbemannter Flugkörper geworden: Nach Sichtungen in Dänemark mussten auch Flüge in Norwegen sicherheitshalber umgeleitet werden. Die dänischen Streitkräfte sind in Alarmbereitschaft versetzt, die Regierung in Kopenhagen sprach von „hybriden Angriffen“, die von einem staatlichen Akteur ausgehen könnten.

Die Vorfälle zeigen einmal mehr, wie stark die Drohnenkriegsführung die europäische Sicherheitsarchitektur verändert. Sie offenbaren nicht nur verwundbare Infrastrukturen, sondern treiben auch eine globale Verteidigungsindustrie an, deren Innovationen und Lieferketten weit über den Kontinent hinausreichen.

Aktuell rücken australische Anbieter von Anti-Drohnen-Technik ins Blickfeld – von hochpräzisen Laserwaffen bis zu Störsystemen.

Ein in Canberra entwickelter Hochenergie-Laser der Firma Electro Optic Systems (EOS) ist eines der Geräte, die derzeit für internationales Aufsehen sorgen. Der Laser, intern „Apollo“ genannt, kann nach Firmenangaben Dutzende Drohnen pro Minute neutralisieren, und das zu sehr niedrigen Stückkosten: rund einen Dollar pro Schuss. Damit ist das System schneller und deutlich preiswerter als klassische Abwehrmunitionssysteme. Das System deckt alle Richtungen ab, auch nach oben, und ist so flexibel, dass es auf Fahrzeugen oder in Containern eingesetzt werden kann. Ein westliches NATO-Land hat die Technologie bereits geordert, um seine Luftabwehr zu verstärken.

Paradigmenverschiebung in der Kriegsführung

EOS mit Sitz in Canberra entwirft, entwickelt und fertigt nach eigenen Angaben hochpräzise ferngesteuerte Waffensysteme und gehört seit fast 40 Jahren zu den Anbietern fortschrittlicher militärischer Technologien. Das Produktportfolio reicht von Remote-Weapon-Systemen und Türmen über Hochenergie-Laserwaffen und Gegen-Drohnen-Systeme bis zu Weltraum-Intelligenz- und Weltraum-kontrolldienstleistungen.

Der Vorstandsvorsitzende Andreas Schwer betont den strategischen Wandel: „Es gibt eine Paradigmenverschiebung in der Kriegsführung, insbesondere in der Ukraine, die durch Drohnen ausgelöst wurde“, sagte Schwer dem australischen Sender ABC.

Schwer ist Deutscher und bringt langjährige Erfahrung aus der globalen Rüstungsindustrie mit: Unter anderem arbeitete er 14 Jahre für Airbus und fünf Jahre für Rheinmetall. Seine Rechnung ist einfach: „Eine Drohne kostet etwa 1.000 Dollar, eine Rakete, um sie abzuschießen, 500.000.“ Die EOS-Laserlieferung nach Europa gilt als Meilenstein – technologisch wie kommerziell – und hat das Interesse an australischen Hochtechnologieexporten weiter angefacht.

Software, Störer, Agilität

Zu den weiteren Profiteuren gehört DroneShield. Das Unternehmen setzt auf softwaregetriebene Gegenmaßnahmen: Stationäre und tragbare Sensoren melden Drohnenaktivitäten, während sogenannte „Drohnengewehre“ Funkverbindungen stören, ohne tödliche Munition einzusetzen. Geräte, die auf den ersten Blick an wuchtige schwarze Gewehre erinnern, werden in einer umgebauten Wollscheune im Sydney-Stadtteil Pyrmont ausgestellt.

DroneShield aktualisiert seine Software alle 90 Tage, um mit schnellen technischen Weiterentwicklungen Schritt zu halten. Das hat dem Unternehmen geholfen, Kunden in mehr als 70 Ländern zu gewinnen und rasch auf Bedrohungen zu reagieren. Der Umsatz im ersten Halbjahr 2025 lag bei knapp über 170 Millionen australischen Dollar (rund 95 Millionen Euro), der Nettogewinn allerdings nur bei 2,1 Millionen Dollar, umgerechnet knapp 1,2 Millionen Euro. CEO Oleg Vornik, der als Jugendlicher aus Russland nach Neuseeland auswanderte, übernahm 2016 die Geschäftsführung und hat das Unternehmen seitdem zu einem agilen Anbieter gemacht, der sich vor allem auf Software, Künstliche Intelligenz (KI) und moderne Fertigungsverfahren stützt.

Die jüngsten Sichtungen unbemannter Flugkörper in Dänemark und Norwegen sowie die Sorge vor hybriden Angriffen haben die Debatte über europäische Luftsicherheit verschärft. Das treibt nicht nur die Nachfrage nach Gegenmaßnahmen, sondern auch die Kurse der australischen Anbieter an: In der vergangenen Woche legten DroneShield und EOS an der australischen Börse ASX deutlich zu. DroneShield kletterte um knapp 15,8 Prozent nach oben, Electro Optic Systems sogar um 16 Prozent. Am Montag ging es dann erneut zweistellig nach oben.

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