ConternDer Dauphin wird neuer Platzhirsch: Gemeinde weiht place Luc Frieden ein

Contern / Der Dauphin wird neuer Platzhirsch: Gemeinde weiht place Luc Frieden ein
Zufriedene Gesichter: der Premierminister und die Conterner Bürgermeisterin Marion Zovilé-Braquet bei der Einweihung der place Luc Frieden Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Luc Frieden hat am Sonntagnachmittag der Einweihung der place Luc Frieden in Contern beigewohnt. Als Namensvetter eines öffentlichen Ortes überholt Luc Frieden damit sogar Jean-Claude Juncker.

Erst ertönt ein dumpfes Trommeln, dann erklingen Klarinetten, Flöten, Trompeten. Während die auf der rue de Luxembourg in Contern versammelte Menschenmasse eine Gasse bildet, erscheint Luc Frieden, begleitet vom Conterner Schöffen- und Gemeinderat und den Klängen des „Feierwon“ zwischen den Kirmesbuden, die entlang der Hauptstraße aufgestellt waren. Ein freundliches Nicken nach links, ein Winken nach rechts, bis der Tross mit Luc Frieden in dem eben erst frisch von Bürgermeisterin Marion Zovilé-Braquet (CSV) eingeweihtem Dorfzentrum eintrifft.

Das Herzstück des Conterner Faceliftings: Die neue „Place Luc Frieden“. Luc Friedens erste Monate als Luxemburgs Premier hatten der CSV-LSAP-Koalition in seiner Heimatgemeinde Contern wohl derart imponiert, dass sie den an den Friedhof angrenzenden Platz dem Gambia-Bezwinger widmen wollten. Luc Frieden, der seit knapp 30 Jahren in der Gemeinde Contern beheimatet ist, sagte in seiner kurzen Dankesrede, er sei „geehrt, glücklich und froh“ über die ihm zuteil gewordene Ehre. Nachdem bei strahlendem Sonnenschein die Klänge der Heemecht und der Europahymne die Festlichkeiten abgerundet hatten, feierte Contern „seinen“ Premierminister, wie es sich für eine Luxemburger Kirmes gehört: mit Freibier.

Im Conterner Dorfzentrum war am Sonntag einiges los
Im Conterner Dorfzentrum war am Sonntag einiges los Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Ja, wer hätte gedacht, dass Luc Frieden, ewiger Zweiter hinter Jean-Claude Juncker, den CSV-Altmeister noch in irgendeiner Form einholen könnte? 20 Jahre lang war Jean-Claude Juncker Luxemburgs Premierminister, ehe er als EU-Kommissionspräsident die Geschicke eines ganzen Kontinents leitete. Und doch hat sein Dauphin Luc Frieden ihm seit Sonntagnachmittag etwas voraus: Noch bevor ein Platz oder eine Straße in Luxemburg nach Jean-Claude Juncker benannt wird, kriegt das Großherzogtum eine place Luc Frieden. Übrigens: Jean-Claude Junckers Vorgänger Jacques Santer kann in Junglinster eine Straße sein Eigen nennen.

Örtliche DP wenig begeistert

Die örtliche DP-Sektion, auf nationaler Ebene immerhin Koalitionspartner von Friedens CSV, war übrigens überhaupt nicht begeistert von der Idee: „Wenn Luc Frieden eines Tages eine ordentliche Bilanz seines Schaffens vorlegen kann, dann darf ruhig ein Platz nach ihm benannt werden“, meinte Oppositionsrat Robert Axmann. „Zum jetzigen Zeitpunkt finden wir das nicht gut. Das ist eine Praktik, die vielleicht in Diktaturen üblich ist, jedoch nicht hier bei uns.“

Der Platz im Herzen von Contern ist jedoch noch nicht ganz fertiggestellt. Wie die Bürgermeisterin den auf der Conterner Kirmes zahlreich erschienen Gästen erklärte, warte man noch das BD-Festival ab, bevor man über eine weitere Begrünung entscheide. Dann könne der derzeitige Kiesuntergrund noch einer grünen Wiese weichen. Und: Nach Jahren des Verkehrschaos müssten die Conterner Einwohner noch einmal kurz mit einer weiteren Baustelle rechnen, weil dann der Belag fertiggestellt werden sollte. Nebenbei kündigte die Bürgermeisterin auch den Neubau des Rathauses an, in das dann laut Wunsch der Gemeinde-Oberen eine „Maison médicale“ kommen soll.

Neben Luc Frieden wurden auch die neue CSV-Justizministerin Elisabeth Margue und die neue LSAP-Abgeordnete Claire Delcourt aus der Gemeinde für ihren Erfolg bei den vergangenen Wahlen im Beisein von Prinzessin Sibilla aus Luxemburg geehrt. Was die Conterner Einwohner vom neuen Platz halten? „Das wird ja dann wieder Chaos werden, wenn die neue Baustelle aufgeht“, meinte eine Ortskundige zu ihrer Sitznachbarin nach der Eröffnung des Platzes. „Ich glaube auch nicht, dass die Autos weniger schnell hier durchfahren werden“, antwortete diese.