Populismus

Der argentinische Bolsonaro

Wie in Europa und den USA treibt der Rechtspopulismus zurzeit auch in Südamerika zunehmend gefährliche Blüten. Das jüngste Beispiel kommt aus Argentinien: Der anarcho-kapitalistische Präsidentschaftskandidat Javier Milei hat dem politischen Establishment den Kampf angesagt.

Der Sieger der Vorwahlen, Javier Milei, zusammen mit seiner Schwester Karina nach dem Sieg bei den Vorwahlen am 13. August

Der Sieger der Vorwahlen, Javier Milei, zusammen mit seiner Schwester Karina nach dem Sieg bei den Vorwahlen am 13. August Foto: Alejandro Pagni/AFP

Javier Milei hält inne. Nachdem er etwa fünfzig Minuten über seinen Plan, den US-Dollar als Hauptzahlungsmittel in Argentinien einzuführen und über die „schändliche politische Klasse“ seines Landes schwadroniert hat, scheint es ihm die Sprache verschlagen zu haben. Wie gebannt schaut er in dem Fernsehstudio auf einen Bildschirm, beginnt zu lächeln und stammelt verzückt: „Da ist Conan! Es ist Conan!“ Auf dem Bildschirm ist ein Hund zu sehen, ein weißer Mastiff. Für Milei ist es mehr als ein Haustier. Es ist seine „wahre und größte Liebe“. Conan habe ihn in den schlimmsten Phasen seines Lebens begleitet. Mit ihm habe er gut zehn Weihnachten und Neujahrstage verbracht. Als in seiner Wohnung in Buenos Aires einmal ein Feuer ausbrach, verließ er das Haus nicht, ohne sich vergewissert zu haben, dass sein „Söhnchen auf vier Pfoten“ wirklich gerettet und in Sicherheit war. Worüber er in der TV-Show nicht spricht: Conan ist seit 2017 tot.

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