Corona

In Österreich drängen sich Lokalpolitiker im Rennen um knappe Covid-Impfung vor

In Österreich herrscht Empörung über Bürgermeister, die den knappen Covid-Impfstoff nicht wie vorgeschrieben ausschließlich Senioren, sondern sich selbst, Freunden und Verwandten zukommen lassen.

Skifahrer schauen auf Kitzbühel: Auch in Tirol gibt es schon immune Bürgermeister

Skifahrer schauen auf Kitzbühel: Auch in Tirol gibt es schon immune Bürgermeister Foto: AFP/Joe Klamar

Die Regeln sind klar: In der ersten Impfphase wird das nach einer von Pfizer angekündigten Lieferkürzung um 20 Prozent noch knappere Vakzin ausschließlich an über 80-Jährige sowie Pflegepersonal verabreicht. Doch in manchen Seniorenheimen geht es nicht mit rechten Dingen zu. Vielerorts bleibt die immunisierende Spritze nicht der prioritären Zielgruppe vorbehalten. Es häufen sich Berichte über Lokalpolitiker, die sich vordrängeln und gleich auch noch Freunde oder Verwandte zum Impfen mitbringen.

Im Seniorenzentrum der Vorarlberger Gemeinde Feldkirch hatte die Heimärztin Bürgermeister Wolfgang Matt den geforderten Stich in den Oberarm zunächst sogar verweigert, beugte sich dann aber der Anweisung des 65-jährigen ÖVP-Politikers. Dieser rechtfertigt sich damit, als Ortschef mit Heimbewohnern zu tun zu haben. Außerdem habe er die letzte Impfdosis erhalten, „die sonst verloren gegangen wäre“.

Ähnlich argumentieren auch andere Bürgermeister ihre Vorreihung. Im Tiroler Kematen etwa wurden dem Seniorenheim einige Impfdosen zu viel geliefert – und fanden in Bürgermeister Rudolf Häusler samt Gattin rasch Abnehmer. Der noch lange nicht 80-Jährige hat sich aufgrund einer Herzoperation zum Angehörigen einer Risikogruppe erklärt, konnte aber nicht begründen, warum seine Frau gleich mitgeimpft wurde.

Impfstoff gegen Spenden?

Auch in Oberösterreich sind mehrere Bürgermeister samt Anhang schon immun. In der Gemeinde Eberschwang etwa brachte der SPÖ-Ortschef seine beiden Stellvertreter zur Impfung mit. Weil im Seniorenheim mehrere Bewohner krank waren, konnten diese nicht geimpft werden, sodass auch hier einige Dosen übrig blieben.

Der Chef der oberösterreichischen Gemeinde St. Georgen, Erich Wahl (SPÖ), rechtfertigte seine Impfung damit, als Bürgermeister Dienstherr des Pflegeheimes und somit Teil des Personals zu sein. In Kärnten wiederum ermittelt die Staatsanwaltschaft nach Vorwürfen, dass in mehreren Pflegeheimen Impfungen gegen „Spenden“ an Reiche und Prominente verabreicht worden sein sollen.

Tatsächlich stehen die Impfteams gelegentlich vor dem Problem, am Einsatzort plötzlich zu viel vom an sich knappen Gut zu haben. Da das Pfizer-Vakzin nur sehr begrenzt haltbar ist, muss es schnell verimpft werden. Doch die Verteilung überzähliger Dosen nach Gutsherrenart durch Bürgermeister war so nicht vorgesehen und sorgt für entsprechende Empörung. „Wie korrupt und planlos unter der Verantwortung von (Bundeskanzler Sebastian) Kurz und (Gesundheitsminister Rudolf) Anschober mit dem knappen Impfstoff umgegangen wird, ist lebensgefährlich“, echauffierte sich gestern der Abgeordnete Gerald Loacker von den liberalen Neos.

Auch die Ärztekammer kritisiert, dass in manchen Regionen Spitäler sehnlichst auf ihre Impfration warten, während schon Personen geimpft wurden, „die in der Prioritätenliste weiter unten stehen“. Einfach zu lösen wäre das Problem mit Wartelisten mit Risikopersonen, die bei überzähligen Impfdosen verständigt werden könnten. In den betroffenen Bundesländern sollen nun alle Fälle von Impf-Freunderlwirtschaft untersucht werden.

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