Retail Report 2026
Weniger Bekleidungsgeschäfte, mehr Supermärkte: Der Einzelhandel im Wandel
Die Verkaufsfläche pro Einwohner und der Leerstand gehen zurück. Dafür gibt es immer mehr Supermärkte und Fast Food. Das sind einige Tendenzen im Einzelhandel.
Stéphanie Damgé, Lex Delles und Tom Baumert (v.l.) bei der Vorstellung des Retail Report 2026 Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Wirtschaftsminister Lex Delles (DP), Tom Baumert, CEO der Luxembourg Confederation, sowie Stéphanie Damgé, Direktorin des Unternehmertums der „Chambre de commerce“, haben am Montag auf einer Pressekonferenz die vierte Ausgabe des nationalen Retail Report vorgestellt. 2022 im Rahmen des „Pakt pro commerce“ ins Leben gerufen, umfasst der Bericht Statistiken und Analysen über den Luxemburger Einzelhandel sowie die Gastronomie.
„Es ist eine Tradition“, sagte Delles über den Report. Das Dokument sei ein wichtiges Werkzeug, um die Lage der Geschäftswelt zu analysieren und einzuschätzen. „Der Einzelhandel bleibt eine Schlüsselbranche“, die Arbeits- und Lehrplätze schaffe und zu lebendigen Innenstädten beitrage, so der Wirtschaftsminister. Der Sektor stehe jedoch vor einem großen Wandel. Der Onlinehandel bringe eine Veränderung der Konsumgewohnheiten der Menschen mit sich. „Das ist aber keine Konkurrenz, sondern eine Chance für die Geschäfte.“
Drei Tendenzen
Der Retail Report listet drei wichtige Beobachtungen auf. Ende 2025 gab es im Großherzogtum insgesamt 1,09 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche. Das entspreche 1,58 Quadratmetern pro Kopf, der niedrigste Wert seit Beginn der Datenerfassung 2019. Dieses Phänomen erklärt der Retail Report einerseits damit, dass die Bevölkerung proportional schneller wachse als die Verkaufsflächen. Das sei daher kein Indiz dafür, dass Geschäftswelt verloren gegangen sei, sagt Delles. Andererseits trage auch die steigende Beliebtheit des Onlinehandels zu dieser Entwicklung bei.
Zwischen einzelnen Sektoren im Einzelhandel gibt es laut Retail Report Unterschiede. Der Lebensmittelhandel steige zum Beispiel, mit über 110 Verkaufsstellen mehr als noch 2019. Das entspreche einem Plus von über 34.000 Quadratmetern an Verkaufsfläche. Vor allem Discounter seien stark gewachsen, während die Zunahme der auf internationale Produkte spezialisierten Lebensmittelhändler die demografische und kulturelle Entwicklung des Landes reflektiere. Dagegen würde die Anzahl von Läden in Bereichen wie Mode und Haushaltsgeräten sinken. „Wir sehen eine variable Entwicklung in der Geschäftswelt“, sagte Delles. In der Gastronomie konstatiert der Retail Report einen starken Zuwachs beim Fast Food, während die Anzahl an Bars, Cafés, Bistros und Eisdielen zurückgehe.
Auch die Entwicklung in den Stadtzentren ist Teil der Analyse. „Eine lebendige Geschäftsstruktur ist wichtig für die wirtschaftliche Dynamik in den Innenstädten“, sagt Delles. Es gebe einen strukturellen Wandel mit weniger Einzelhandelsgeschäften, aber mehr Dienstleistungen und Gastronomiebetrieben. „Wir brauchen diese Mischung, weil das die Vielfalt in einem Stadtzentrum ausmacht.“
Der Anteil leerstehender Lokale betrug laut Retail Report 13,3 Prozent Ende 2025 – der niedrigste Stand in den vergangenen vier Jahren. In den Einkaufszentren hingegen standen nur etwa eins von 20 Geschäften leer, also deutlich weniger als in den Innenstädten. Insgesamt „geht der Leerstand jedoch zurück“. Und: im internationalen Vergleich stehe Luxemburg gut da.
Eine lebendige Geschäftsstruktur ist wichtig für die wirtschaftliche Dynamik in den Innenstädten
Lex Delles
Wirtschaftsminister

Wirtschaftsminister Lex Delles bezeichnet den Einzelhandel als Schlüsselbranche Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Mehr Dienstleistungen in der Innenstadt
Tom Baumert bestätigt das Wachstum bei Supermärkten und internationalen Lebensmittelfachhändlern. „Die Anzahl von Bäckereien und Metzgereien geht jedoch zurück.“ Diese würden aus den Innenstädten verschwinden und sich vermehrt in Einkaufszentren einrichten. Im Einzelhandel sinke die Menge an Geschäften, die Verkaufsfläche verringere sich jedoch proportional weniger stark. „Es gibt weniger Läden, aber die, die bleiben, sind deutlich größer.“ Die Innenstädte seien weiterhin dominant, die Tendenz gehe dort jedoch in Richtung weniger Geschäfte und mehr Dienstleister.
Baumert wies noch auf die Website localyze.lu hin. Firmen und Restaurants könnten sich hier über die Anzahl an Konkurrenten in einzelnen Ortschaften informieren oder auch darüber, welche Geschäfte in einzelnen Gemeinden fehlen. Ebenfalls hilfreich sei das Tool, um die Tendenzen im eigenen Sektor zu entdecken.