Ukraine
Russische Angriffe zwingen ArcelorMittal zur Stilllegung von Stahlwerk – Tote und Verletzte unter den Mitarbeitern
In der Ukraine sind nichts und niemand sicher vor russischen Bomben. Das musste nun auch der luxemburgische Stahlkonzern ArcelorMittal schmerzhaft erfahren. Nach mehreren Angriffen mit Todesopfern sah sich das Unternehmen jetzt gezwungen, den Betrieb seines Werks in Krywyj Rih vollständig einzustellen.
So sah das Werk vor den russischen Angriffen aus Foto: ArcelorMittal
„Mit tiefem Bedauern sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir den Betrieb von ArcelorMittal Krywyj Rih nicht mehr sicher aufrechterhalten können“, zitiert der Luxemburger Konzern den Geschäftsführer des Werks am Freitag in einer Pressemeldung.
Hintergrund ist, dass das Werk in den vergangenen fünf Wochen viermal Ziel von russischen Raketenangriffen war. In der Folge gab es Todesopfer, Verletzte und erhebliche Schäden an den Produktionsanlagen zu verzeichnen, so das Unternehmen. Der jüngste Angriff ereignete sich am 21. September. Insgesamt forderten diese Angriffe fünf Todesopfer und 17 Verletzte unter den Mitarbeitern. Einer von ihnen befindet sich weiterhin in kritischem Zustand.
Fünf Todesopfer
Seit Beginn des russischen Eroberungskrieges im Jahr 2022 ist das Werk, das nahe der Front im Osten des Landes liegt, immer wieder Ziel von Angriffen. Zu Kriegsbeginn waren sogar russische Panzer auf das Firmengelände eingedrungen.
„Unsere Mitarbeiter in der Ukraine haben unermüdlich daran gearbeitet, den Betrieb der Bergwerke und des Werks aufrechtzuerhalten“, so der Geschäftsführer. „Sie sind der Inbegriff von Tapferkeit – unter Umständen, die sich die meisten von uns nicht einmal ansatzweise vorstellen können.“
Die Stahlproduktion musste bereits mehrfach unterbrochen werden, während andere Werksbereiche nur im Minimalbetrieb liefen.
Panzer auf dem Firmengelände
Noch im Mai hatte Valérie Massin, Country Head von ArcelorMittal Luxembourg, gegenüber dem Tageblatt erklärt: „Das Werk produziert noch, aber bei etwa 20 Prozent seiner normalen Kapazität – was angesichts der Umstände bereits fast ein Wunder ist. (…) Wenn man auf dem Instagram-Account von ArcelorMittal regelmäßig Bilder mit Kerzen sieht, macht das etwas mit einem – das sind Kollegen. Es fühlt sich seltsam an, zu wissen, dass Kollegen ums Leben gekommen sind – nicht so weit weg, aber auch nicht nah genug, um es wirklich greifen zu können.“
Die Sicherheit und die wirtschaftliche Absicherung seiner ukrainischen Mitarbeiter stehen für den Konzern an erster Stelle, hebt man in der Mitteilung von Freitag weiter hervor. Seit Kriegsbeginn haben sich Mitarbeiter aus allen Bereichen von ArcelorMittal zusammengeschlossen, um ihre ukrainischen Kollegen zu unterstützen, und vor Ort wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Mitarbeiter und ihre Familien zu unterstützen.
„Die Stärke und Widerstandsfähigkeit, die die Belegschaft von ArcelorMittal Krywyj Rih während des gesamten Konflikts gezeigt hat, ist außergewöhnlich“, so der Stahlhersteller.
Hoher finanzieller Schaden
Finanziell hinterlässt der Rückzug tiefe Spuren: Seit Kriegsbeginn 2022 hat der Mutterkonzern bereits mehr als 700 Millionen US-Dollar an direkter Finanzhilfe in den ukrainischen Standort gesteckt, um Löhne zu sichern und die Infrastruktur am Laufen zu halten. Als Folge der jüngsten russischen Angriffe rechnet ArcelorMittal nun mit einer Sonderabschreibung von rund einer Milliarde US-Dollar auf Sachanlagen und Ausrüstung.
Aufgeben möchte der Luxemburger Konzern den Standort nicht. ArcelorMittal will weiter Geld investieren, um die Infrastruktur zu erhalten, und den Betrieb nach Kriegsende wieder hochfahren zu können. ArcelorMittal Krywyj Rih ist/war das größte Stahlwerk in der Ukraine. Seit mehr als 20 Jahren zählt es erst zu Mittal Steel, dann zu ArcelorMittal.

ArcelorMittal Krywyj Rih war das größte Stahlwerk des Landes, und die Stahlindustrie ein wichtiger ukrainischer Wirtschaftssektor Foto: ArcelorMittal