Kritik an Cactus

Luxemburger Supermarktkette soll „regelrechte Jagd auf kranke Leute“ machen

Die Supermarktkette Cactus steht in der Kritik: Der OGBL erhebt den Vorwurf, Beschäftigten werde wegen Krankmeldungen gekündigt. Die Personaldelegation spricht von gezieltem Druck auf kranke Mitarbeiter.

Die luxemburgische Supermarktkette hat in den vergangenen fünf Monaten 30 Mitarbeiter entlassen

Die luxemburgische Supermarktkette hat in den vergangenen fünf Monaten 30 Mitarbeiter entlassen Symbolfoto: Editpress/Tania Feller

Der OGBL kritisiert die Luxemburger Supermarktkette Cactus – diese habe in den vergangenen fünf Monaten 30 Mitarbeiter entlassen, wie Radio 100,7 am Freitag zuerst berichtete. Grund für die Kündigungen seien Krankmeldungen.

„Es ist kein neues Phänomen“, sagt Pauline Meiresonne, Zentralsekretärin beim OGBL, im Gespräch mit dem Tageblatt. Die Situation habe sich jedoch in letzter Zeit intensiviert. „Die Leute werden reihenweise entlassen.“ In vielen Fällen seien wiederholte, kurze Perioden der Krankmeldung der Auslöser für die Kündigung.

Wenn ein Angestellter eine bestimmte Quote an Fehltagen erreiche, heiße es einfach „hopp, raus mit dir“, sagt Meiresonne. Dabei handele es sich fast jedes Mal um Mitarbeiter mit weniger als fünf Jahren Betriebszugehörigkeit. Ihnen stehe dementsprechend keine Abfindung zu. „Man versucht, überall zu sparen, und vergisst dabei die Menschen.“ Ein Problem, das nicht nur Cactus betreffe. „Ich denke, es liegt in der Verantwortung des Arbeitgebers, zu berücksichtigen, dass Menschen manchmal krank sind“, sagt Meiresonne.

Man versucht, überall zu sparen, und vergisst dabei die Menschen

Pauline Meiresonne

Zentralsekretärin beim OGBL

Dabei könnten alle mögliche Arten von Krankheiten zu häufigen Arbeitsausfällen führen – viele Menschen würden z.B. unter nicht-diagnostizierten, chronischen Krankheiten leiden. Für die Unternehmen stehe jedoch der „internationale Wettlauf um Rentabilität“ im Vordergrund – kranke Mitarbeiter würden als Beeinträchtigung für die Unternehmensorganisation gelten. „Aber dahinter steht ein Leben, eine Familie.“

Im September soll eine Mitentscheidungsversammlung stattfinden – ein Schritt, der Meiresonne zufolge vor allem von der Cactus-Personaldelegation ausging. Die Probleme seien von der Delegation bereits zuvor angesprochen worden, also werde „der Arbeitgeber nicht aus allen Wolken fallen“.

Keine Sorge, sondern Druck

Auch Patrick Ourth, Präsident der Personaldelegation von Cactus, bestätigt auf Nachfrage vom Tageblatt die Problematik um die Kündigungen. „Wir haben in letzter Zeit festgestellt, dass eine regelrechte Jagd auf kranke Leute gemacht wird“, sagt Ourth.

Wer krank sei, müsse drei Personen darüber informieren. Bei der Rückkehr müsse man im Personalbüro vorstellig werden und dort Fragen beantworten – wie es einem gehe, was losgewesen sei. Nach mehreren Krankmeldungen komme ein Schreiben zum Thema Fehlzeiten – inklusive eines Termins mit der Personalabteilung. „Die Personalabteilung fragt dann, warum man so oft krank war, und warnt vor Konsequenzen“, sagt Ourth.

Was von Cactus als Sorge „verkauft“ werde, ist laut Ourth in Wahrheit Druck: „Es ist ein immenser Druck auf Angestellte – damit macht man ihnen Angst, sich überhaupt krankzumelden.“ 90 Prozent der 30 in den vergangenen fünf Monaten entlassenen Mitarbeiter sei aufgrund von Krankmeldungen gekündigt worden – sie alle hätten eine Betriebszugehörigkeit von weniger als fünf Jahren.

Sitzung im September soll Klarheit bringen

Ourth beschreibt zudem ein Beispiel, bei dem er persönlich vor Ort war: Ein entlassener Mitarbeiter des Cactus Bereldingen habe ihn gebeten, ihn zu seinem „entretien préalable“ zu begleiten. Dort habe ihm der Direktor der Filiale vorgeworfen, dass das Unternehmen aufgrund seiner Abwesenheit eine Studentin habe einstellen müssen – schließlich sei er allein für den betroffenen Bereich zuständig gewesen. In einem weiteren Fall sei der entlassenen Person vorgeworfen worden, dass durch ihre Krankmeldung ein Kollege seinen Urlaub unterbrechen musste. „Es kann nicht sein, dass, wenn sich jemand krankmeldet, er ein schlechtes Gewissen gemacht bekommt, weil dadurch der Dienst gestört wird“, sagt Ourth.

Von der für den 22. September geplanten Mitentscheidungsversammlung verspricht sich Personaldelegation Klarheit. „Wir wollen wissen, vom wem das kommt – von unserem Chef? Von der Personalabteilung?“, sagt Ourth.  Irgendjemand müsse die Anweisung gegeben haben – „und wir werden nicht aufgeben, bis wir eine Antwort haben.“

Cactus wollte sich auf Nachfrage vom Tageblatt nicht zu der Angelegenheit äußern. „Wir machen dazu keine Kommentare“, hieß es von der Presseabteilung.

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