Interview

Luxemburger Ölmarkt-Experte: „Die Situation ist sehr volatil“

Das Tageblatt hat mit Jean-Marc Zahlen, Generalsekretär des GEML, über Versorgungssicherheit, den Waffenstillstand im Iran und die Preise an der Zapfsäule gesprochen und ihn gefragt, was Luxemburg von Frankreich unterscheidet.

Jean-Marc Zahlen, Generalsekretär des GEML, in formellem Anzug vor neutralem Hintergrund

Jean-Marc Zahlen ist Generalsekretär des GEML Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Tageblatt: Der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran hält seit heute Morgen. Entspannen sich die Märkte jetzt?

Jean-Marc Zahlen: Es ist eher eine Verschnaufpause. Der Markt hat stark auf Trumps Ankündigung reagiert – das haben wir auch schon in den vergangenen Wochen gesehen, dass einzelne Erklärungen des Präsidenten die Preise in beide Richtungen bewegen können. Bei der Eröffnung der asiatischen Börse heute Morgen ist der Ölpreis konsequent gefallen. Wie lange das hält, kann man nicht sagen. Die Situation bleibt sehr volatil.

Wann kommt die Entlastung an der Zapfsäule an?

Der Barrel-Preis ist zunächst nur eine Referenz für den globalen Ölhandel. Wir müssen sehen, wie sich das auf den Quotationen widerspiegelt – erst dann hat das einen Effekt für die Verbraucher. Und das alles unter der Hypothese, dass sich die Lage nicht morgen schon wieder dreht. Dazu kommt: An der Straße von Hormus hat sich ein gewisser Stau gebildet. Wie schnell der sich auflöst, bleibt abzuwarten.

Die Infrastrukturschäden in Katar sind erheblich, eine große Raffinerie für LNG wird mehrere Jahre ausfallen. Droht uns von dieser Seite noch Ärger?

Es ist klar, dass die globale Kapazität an Erdgas zurückgegangen ist. Aber Europa ist davon nicht direkt betroffen. Seit dem Ukraine-Krieg beziehen wir einen Großteil unseres LNG aus den USA. Vor dem Krieg gab es ohnehin mehr Angebot als Nachfrage, und auch jetzt gibt es kaum Versorgungsengpässe. Asien ist in dieser Hinsicht deutlich stärker betroffen als wir.

Luxemburg hatte in den vergangenen Wochen keine Engpässe, Frankreich schon. Was hat Luxemburg besser gemacht?

Die Situation in Frankreich war eine besondere. Die Probleme betrafen vor allem die TotalEnergies-Tankstellen, die einen staatlich gedeckelten Preis anbieten. Das war in erster Linie ein logistisches Problem und fiel mit einem verlängerten Wochenende und dem Urlaubsbeginn zusammen. Das hat die Nachfrage kurzfristig konzentriert und die Lieferkette unter Druck gesetzt.

Was, wenn der Waffenstillstand nicht hält? Zwei Wochen sind kurz ...

Das ist schwer zu antizipieren. In der Vergangenheit haben wir es immer geschafft, unsere Tankstellen zu versorgen. Wenn es wirklich zu ernsthaften Engpässen käme, wäre das ein europäisches Problem – kein rein luxemburgisches. Aber ich will da noch nicht spekulieren.

IEA-Chef Birol sagt, die Krise könnte die Energiewende beschleunigen. Sehen Sie das auch so?

Es ähnelt der Situation zu Beginn des Ukraine-Kriegs: Es ist wichtig, sich unabhängig von fossilen Energien aus Konfliktregionen zu machen – das ist die richtige Lehre. Wir befinden uns in der Transition, es geht langsam voran. Aber ich erwarte keinen riesigen Schub für die Erneuerbaren durch diese Krise. Die strukturellen Fragen bleiben dieselben.

Was ist der GEML?

Die GPL („Groupement pétrolier luxembourgeois“), der Interessenverband der Luxemburger Mineralölgesellschaften, hat sich aufgrund der Transformation des Energiesektors im Jahr 2022 in GEML („Groupement énergie mobilité Luxembourg“) umbenannt. Der Verband ist Teil der Fedil, der Vereinigung der luxemburgischen Industrie, des Bauwesens und der Unternehmensdienstleistungen.

Luxemburger Ölmarkt-Experte: „Die Situation ist sehr volatil“
/
Luxemburger Ölmarkt-Experte: „Die Situation ist sehr volatil“
/
1 Kommentare
JJ 08.04.202614:12 Uhr

So volatil wie die Wind-und Solarenergie. Aber da haben die Araber und Allah wenigstens die Finger nicht im Spiel. Könnte es sein,das die Konzerne noch richtig abstauben bevor sie den Preisverfall auf die Kunden weiter geben?

Das könnte Sie auch interessieren

Strassen

Miwwel Roller schließt Standorte in Luxemburg nach 32 Jahren