56,80 Euro pro Stunde

Luxemburg bleibt auch 2025 der teuerste Arbeitsmarkt der EU

Neue Zahlen von Eurostat bestätigen, dass „der Faktor Arbeit“ in keinem anderen EU-Land so teuer ist wie in Luxemburg. Für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes ist das jedoch nur ein Punkt unter vielen.

Arbeitsstunde in Luxemburg kostet Arbeitgeber durchschnittlich 56,80 Euro – Lohnkosten und Wirtschaft in Luxemburg

In Luxemburg kostet eine Arbeitsstunde den Arbeitgeber im Schnitt 56,80 Euro Foto: AFP/CN-STR

Dass Luxemburg kein Billiglohnland ist, ist bekannt. Der Unterschied zum europäischen Durchschnitt ist jedoch überaus deutlich. Während das statistische Institut Eurostat die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde in der Europäischen Union in der Privatwirtschaft im Jahr 2025 auf 34,9 Euro schätzt, so sind es im Großherzogtum stolze 56,8 Euro pro Stunde.

Luxemburg ist für Arbeitgeber damit das mit Abstand teuerste Land in Europa. Einzig und allein Dänemark (51,7 Euro pro Stunde) liegt neben dem Großherzogtum bei über 50 Euro pro Stunde. Hinter den beiden folgen die Niederlande (47,9 Euro) und Österreich mit 46,3 Euro pro Stunde. Für Belgien, das 2024 mit 48,2 Euro pro Stunde auf Platz zwei lag, sind noch keine Zahlen von 2025 verfügbar. Alle anderen Länder sind spürbar günstiger für die Arbeitgeber. Zur Berechnung dieser Zahl spielen sowohl die reelle Höhe der Gehälter als auch die Höhe der Lohnnebenkosten eine Rolle.

Luxemburg bleibt auch 2025 der teuerste Arbeitsmarkt der EU

Luxemburg steht erst seit einigen Jahren an der Spitze dieses Rankings: Im Jahr 2016 beispielsweise stand das Land (mit 38,7 Euro pro Stunde) noch auf dem zweiten Platz, fast auf der gleichen Höhe wie Belgien, hinter Dänemark (41,3 Euro pro Stunde). 2012 befand sich das Großherzogtum, den europäischen Statistiken zufolge, sogar bloß auf Platz vier, hinter Dänemark, Belgien und Schweden.

Am günstigsten waren die Arbeitskosten im Jahr 2025 in und Bulgarien (12 Euro pro Stunde), Rumänien (13,6 Euro pro Stunde) und Ungarn (15,2 Euro pro Stunde).

Island teurer, aber wettbewerbsfähiger

Dabei bedeuten die Unterschiede bei den Arbeitskosten nicht, dass die „billigeren Länder“ prinzipiell wettbewerbsfähiger wären als die „teureren Länder“. Im Gegenteil. Das wird von internationalen Wettbewerbsrankings immer wieder bestätigt. Im hierzulande vielbeachteten IMD-Ranking fällt beispielsweise auf, dass vor allem teurere Länder als am meisten wettbewerbsfähig gelten. In der jüngsten Ausgabe (2025) liegen Länder wie die Schweiz, Singapur, Hongkong und Dänemark an der Spitze. Noch vor Luxemburg liegen auch Irland, Schweden, Norwegen und Finnland.

Immer wieder sind es die beiden Länder Luxemburg und Dänemark, die sich an der Spitze von europäischen Kostenrankings wiederfinden, etwa auch bei den höchsten Gehältern oder den höchsten Verbraucherpreisen. Doch trotz der hohen Kosten schneiden beide bei einer ganzen Reihe anderer Rankings sehr unterschiedlich ab: In dem erwähnten Wettbewerbsranking erreicht Dänemark Platz vier, Luxemburg aber lediglich Platz 20. So zählt das Großherzogtum auch zu den schlechtesten Ländern, wenn es um erschwingliche Wohnungen geht, Dänemark jedoch zu den besten. Dies zeigt, dass der Faktor „Arbeitskosten“ allein nicht entscheidend ist, wenn es um die wirtschaftliche Attraktivität eines Landes geht.

Top 20 Unternehmen im IMD-Wettbewerbs-Ranking 2025 mit Logos und Platzierungen dargestellt

Die Top 20 beim IMD-Wettbewerbsranking des Jahres 2025 Screenshot: Chambre de commerce

Selbst der mögliche EU-Anwärter Island, wo die Arbeitskosten pro Stunde mit 59,3 Euro noch höher sind als in Luxemburg, gilt laut IMD als wettbewerbsfähiger als das Großherzogtum.

Günstig bei den Nebenkosten

Gilt noch zu bemerken, dass sich die Arbeitskosten aus zwei Faktoren zusammensetzen: den Lohnnebenkosten wie auch dem Gehalt selber. Im EU-Durchschnitt betragen die Steuern und Abgaben auf dem Gehalt im Schnitt 8,6 Euro pro Stunde. Luxemburg liegt da mit 7,1 Euro pro Stunde unter dem europäischen Durchschnitt, aber nahe bei den 6,9 Euro in Dänemark. In Frankreich sind die Lohnnebenkosten laut den Eurostat-Zahlen europaweit am höchsten, mit 14,3 Euro die Stunde.

Anteilsmäßig am bezahlten Lohn liegen die Abgaben hierzulande (mit 12,4 Prozent), wie auch in Dänemark (13,3 Prozent), jedoch deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 24,8 Prozent. Die niedrigsten Anteile der Lohnnebenkosten wurden in Rumänien (4,8 Prozent) verzeichnet, die höchsten in Frankreich (32,3 Prozent).

Lohnnebenkosten sind laut Eurostat alle zusätzlichen Kosten, die Arbeitgeber neben dem direkten Lohn zahlen: Sozialversicherungsbeiträge (gesetzlich, tariflich und freiwillig); garantierte Lohnfortzahlungen (z.B. bei Krankheit, Kurzarbeit, Abfindungen); Kosten für Weiterbildung; Einstellungskosten und Arbeitskleidung und lohnbezogene Steuern. Von diesen Kosten werden staatliche Subventionen abgezogen, die zur Erstattung von Lohnkosten gedacht sind.

Niedrige Zuwachsrate

Weiter gilt es noch zu erwähnen, dass die Jahreszuwachsrate bei den Arbeitskosten hierzulande 2025 (mit plus 3,5 Prozent) unter dem EU-Durchschnitt von 4,1 Prozent lag. Die höchsten Anstiege der Arbeitskosten pro Stunde wurden in Bulgarien (13,1 Prozent) und Kroatien (11,6 Prozent) verzeichnet, die niedrigsten in Malta und Frankreich.

In den letzten fünf Jahren sind die Arbeitskosten in Luxemburg um 20 Prozent gestiegen, leicht weniger als die 23 Prozent im europäischen Durchschnitt. Am höchsten war die Zuwachsrate in Ländern wie Bulgarien (plus 82 Prozent), Polen (plus 75 Prozent) und Litauen (plus 73 Prozent), Länder, die noch einen hohen Aufholbedarf haben. Am schwächsten war die Zuwachsrate, mit plus zehn Prozent, in Italien.

Luxemburg bleibt auch 2025 der teuerste Arbeitsmarkt der EU
2 Kommentare
Grober J-P. 07.04.202609:22 Uhr

"Dass Luxemburg kein Billiglohnland ist, ist bekannt." Deshalb dürfen wir für den Tonziegel fast das Doppelte auf den Tisch blättern.
"Am günstigsten waren die Arbeitskosten im Jahr 2025 in und Bulgarien" Glaube, Sie haben Albanien vergessen. Man schickte uns 3 Albaner um Estrich zu "gießen". Günstig vielleicht, aber nachhaltig nicht. Estrich zerfällt bereits zu Staub, nach fünf Monaten! So ist das mit Arbeitskosten.

Manfred Reinertz Barriera 07.04.202607:36 Uhr

Der Faktor Arbeit ist in keinem anderen EU-Land so teuer wie in Luxemburg. Für die Wettbewerbsfähigkeit ist das jedoch von grosser Bedeutung, da es sich hier um einen wesentlichen Faktor handelt .Neben einigen anderen Faktoren wie aber insbesondere dem Wohnungsmarkt, wo die Mieten unerschwinglich geworden sind. Da sollte die Regierung ebnen tätig werden und bezahlbaren Wohnraum schaffen zwecks Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Wirtschaft.

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