Folge von US-Zwischenwahlen
Kurse asiatischer Tech-Firmen brechen ein
Der KI-Boom hatte asiatische Tech-Aktien zuletzt beflügelt. Doch nach den US-Zwischenwahlen und Forderungen nach strengeren Regeln für Rechenzentren geraten die Börsen in Asien massiv unter Druck.
Ein Finanzdatenmonitor in der japanischen Hauptstadt zeigt, dass der aus 225 Titeln bestehende Nikkei-Aktienindex im Vormittagshandel um mehr als 4.000 Punkte gefallen ist und damit erstmals seit Mai die 60.000er-Marke unterschritten hat Foto: kyodo/dpa
Die Aktienkurse asiatischer Tech-Firmen sind infolge der Zwischenwahlen in den USA eingebrochen. Vor allem an den Börsen in Seoul und Tokio gab es am Freitag massive Kursverluste. Auch Hongkong, Shanghai und weitere asiatische Handelsplätze lagen tief im Minus. Analysten sprachen von einem „Blutbad“.
KI-Boom trifft auf politische Unsicherheit
Die asiatische Tech-Industrie hatte in den vergangenen Monaten stark vom KI-Boom und dem Ausbau von Rechenzentren profitiert. Der Wahlsieg der Demokraten in den USA stellt jedoch den bisherigen Kurs Washingtons infrage.
Der ungebremste Bau von Rechenzentren hat in den USA vielerorts für Widerstand von Anwohnern gesorgt. Das Thema spielte im Wahlkampf dann eine wichtige Rolle. Viele demokratische Kandidaten warben damit, den Bau von Rechenzentren stärker zu regulieren. Analysten zufolge sorgte insbesondere die Forderung des demokratischen Senators Bernie Sanders am Donnerstag nach einem US-weiten Moratorium für den Bau von Rechenzentren für Unruhe.
Anleger hoffen zunächst auf Entspannung im Iran-Krieg
Die Ergebnisse der US-Wahlen vom Dienstag hatten an vielen Märkten zunächst für Aufwind gesorgt. Anleger hofften infolge der krachenden Niederlage der Republikaner von Präsident Donald Trump auf eine militärische Entspannung im Iran-Krieg. Abwärts ging es zunächst vor allem für US-Techkonzerne wie SpaceX und Google.
Die Verluste des US-Tech-Indexes Nasdaq weiteten sich dann jedoch aus. Am Donnerstag sackte der Nasdaq um 5,5 Prozent ab – es war der schlechteste Tag seit April 2025, als Trump die Welt mit der Ankündigung massiver Zollaufschläge für viele Länder geschockt hatte.
Halbleiterkonzerne ziehen asiatische Börsen nach unten
Der Ausverkauf von Tech-Aktien setzte sich dann in Asien weiter fort. Der südkoreanische Leitindex Kospi brach kurzzeitig um fast neun Prozent ein und schloss am Ende bei sechs Prozent im Minus – geprägt von massiven Verlusten der wichtigen Halbleiterhersteller SK Hynix und Samsung.
In Tokio gingen die Kurse im Schnitt um sechs Prozent nach unten. Der Großinvestor Softbank, der an vielen Projekten in den USA beteiligt ist, verlor mehr als zehn Prozent. In Taiwan zog der Chiphersteller TSMC den Index nach unten. Auch Hongkong, Shanghai, Sydney, Singapur, Jakarta, Bangkok, Wellington und Manila schlossen im Minus.
Europäische Börsen bleiben weitgehend stabil
Die europäischen Börsen blieben von dem Abwärtstrend weitgehend verschont. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hatte infolge der Hoffnung auf Entspannung in Nahost am Donnerstag ein neues Allzeithoch von über 26.600 Punkten erreicht und notierte auch am Freitagmorgen weiterhin deutlich über 26.000 Zählern.