Wirtschaftswachstum
Kleine Schritte im früheren Boomland – Neue Statec-Prognosen bis 2029
Das Luxemburger statistische Institut hat neue Prognosen für die Jahre bis 2029 vorgelegt: Es geht aufwärts, aber nur langsam. Zudem soll das Wachstum trotz Erholung weiter deutlich hinter den Zuwachsraten der guten Jahre aus der Vergangenheit zurückbleiben.
Ganz gemächlich soll Luxemburg die Wirtschaftsflaute der letzen Jahre hinter sich lassen Foto: Christian Muller
Nach einigen Jahren mit sehr schwachem Wachstum soll die Luxemburger Wirtschaft im laufenden Jahr mit einer Rate von 1,7 Prozent und ab 2027 wieder um leicht mehr als zwei Prozent zulegen. Das geht aus neuen mittelfristigen Schätzungen hervor, die Statec am Dienstag veröffentlicht hat.
Auch das Wachstum der Zahl der Arbeitsplätze soll in den kommenden Jahren wieder schneller zulegen: Während die Zuwachsrate der neuen Jobs 2024 lediglich ein Prozent betrug, sollen es 2029 wieder fast zwei Prozent sein. Diese Zahl ist ein wesentlicher Faktor für die Steuereinnahmen sowie für die Finanzierung der Krankenkasse und des Rentensystems.
Gleichzeitig soll laut Statec die Quote der Menschen auf Arbeitssuche in den kommenden Jahren wieder sinken: von 5,9 Prozent im Jahr 2024 auf 5,2 Prozent im Jahr 2029.
Doch, auch wenn diese Zahlen gut klingen, sie bleiben weit entfernt von den Wachstumsraten aus den Boomjahren der nahen Vergangenheit: Zwischen 1995 und 2024 lag die Wirtschaftswachstumsrate im Schnitt bei deutlich höheren 2,9 Prozent, die Zuwachsrate bei den Arbeitsplätzen bei spürbar höheren drei Prozent, und die Arbeitslosenquote bei niedrigeren 4,6 Prozent.
Auch sind die nun vorgestellten mittelfristigen Prognosen leicht weniger gut als die von Oktober 2025, auf denen das Staats-Budget bis 2029 berechnet wurde. Damals waren die Statistiker sowohl für all die Jahre von 2026 bis 2029 von einem leicht höheren Wachstum ausgegangen. Die neuen Prognosen sind damit kein gutes Anzeichen für die ohnehin angespannte Lage der Staatsfinanzen.
Als Erklärung für das Senken der für 2026 von zwei auf 1,7 Prozent verweist Statec auf die Verschlechterung des externen Umfelds, insbesondere auf das moderatere Wachstum in der Eurozone und auf die erwartete Abschwächung der Nachfrage nach Dienstleistungen. Die leichte Korrektur nach unten in den Jahren 2027 bis 2029 begründen die Statistiker ähnlich mit einem moderateren BIP-Wachstum in der Eurozone, einer weniger kräftigen Auslandsnachfrage nach Dienstleistungen und einem weniger dynamischen Börsenumfeld.
Weiter geht aus den am Dienstag veröffentlichten Prognosen hervor, dass die Treibhausgasemissionen aufgrund der zunehmenden Elektrifizierung und des Rückgangs der Lieferungen von Erdölprodukten ab 2027 um mehr als 7 Prozent pro Jahr sinken sollen, und dass die Preissteigerungsrate dank der Energiepreise bis 2029 niedrig bleiben soll. Mittelfristig dürfte sich die Inflationsrate bei etwa zwei Prozent stabilisieren, so die Statec-Erwartungen. Die nächsten Index-Tranchen dürften im 2. Quartal 2026, und im 3. Quartal 2027, fallen.
Bild: Screenshot Statec
Vorsichtige Hoffnung im Bauwesen
Aus dem Luxemburger Bauwesen kommen derzeit sich wiedersprechende Signale, ist dem am ebenfalls am Dienstag verschickten „conjoncture flash“ von Statec zu entnehmen: Einerseits verbessert sich die Stimmung der Bauunternehmen, doch andererseits stagniert die Konjunktur weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Besonders zum Jahreswechsel habe das Vertrauen der Bauunternehmer an Schwung verloren, so die Statistiker. Für einen Funken Hoffnung sorgen könne derweil die Situation am Arbeitsmarkt. „Tatsächlich wurden die Personalabbau-Maßnahmen im Laufe des Jahres immer weniger bedeutend und im vierten Quartal 2025 stieg die Beschäftigung im Baugewerbe laut vorläufigen Daten sogar um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal“, schreiben die Statistiker. Das hat es seit fast drei Jahren nicht mehr gegeben. Seit Ende 2022 sind fast 4.500 Jobs in dem Sektor verschwunden, also fast zehn Prozent aller Arbeitsplätze im Bauwesen.