Finanzplatz

In der Welt der Milliarden – die ALFI Global Asset Management Conference

Die Entwicklung der Branche der Investmentfonds ist eine beachtliche Erfolgsgeschichte für den Finanzplatz Luxemburg. Rund 30 Jahre nach ihren Anfängen, verwaltet die Branche heute mehr als 6.000 Milliarden Euro. Dieser Woche fand die große, jährliche ALFI Global Asset Management Conference auf Kirchberg statt.

Über 600 Experten diskutieren Investmentfonds im modernen Konferenzzentrum auf Kirchberg während Fachveranstaltung

Mehr als 600 Spezialisten haben sich im Konferenzzentrum auf dem Kirchberg mit Investmentfonds beschäftigt Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Wie in den Jahren vorher, haben dieser Woche erneut weit mehr als 600 Investmentfonds-Spezialisten aus aller Welt ihren Weg nach Luxemburg gefunden. Sie nehmen an der traditionellen zweitägigen Frühjahrskonferenz des Luxemburger Investmentfondsverbands ALFI im Konferenzzentrum auf dem Kirchberg teil.

Das Land braucht sich mit dem Erreichten in diesem Bereich nicht zu verstecken: Seit vor rund 30 Jahren der Grundstein des Regelwerks für einen harmonisierten europäischen Markt für Investmentfonds gelegt wurde, ist Luxemburg zum weltweit zweitgrößten Standort für Fonds aufgestiegen. Was Fonds angeht, die grenzüberschreitend verkauft werden, liegt das Großherzogtum sogar auf dem ersten Platz.

Die Summe der Gelder, die von der Branche hierzulande verwaltet werden, lag Ende Januar bei unvorstellbaren 6.295 Milliarden Euro. Im September 2025 war erstmals die Marke von 6.000 Milliarden Euro verwalteter Gelder durchbrochen worden. Die Branche beschäftigt hierzulande rund 15.000 Mitarbeiter und zahlt mehr als eine Milliarde Euro Steuern pro Jahr.

7,8 Prozent Weltmarktanteil

Die Konferenz sei der ideale Ort, um Kontakte zu knüpfen und über die Zukunft der Vermögensverwaltung zu reden, so Serge Weyland von der ALFI. Zu den fast 700 Gästen auf der Konferenz zählen Fondsmanager, Anwälte, IT-Spezialisten, Berater, Marktbeobachter, spezialisierte Anbieter von Dienstleistungen für die Branche, usw.

Insgesamt 7,8 Prozent aller Gelder, die weltweit in Fonds angelegt waren, waren Mitte 2025 in Luxemburger Fonds investiert. Das ist mehr als in anderen Ländern. China hat 4,9 Prozent Weltmarktanteil, Deutschland 3,8 Prozent und Frankreich 3,5 Prozent.

Die Bandbreite an Themen, die in diesen zwei Tagen auf der Konferenz diskutiert wurde, ist riesig. Während Michael Field von der Fonds-Ratingagentur Morningstar erklärt, wie er die zukünftige Preisentwicklung von Öl, Gold und europäischen Aktien sieht, erläutert Daten-Spezialist Nabeel Ansari von Broadridge Financial Solutions, in welche Marktbereiche sich Vermögensverwalter am besten positionieren können, um am Wachstum der Branche teilzuhaben.

Felipe Díaz Toro von EDN Abogados erläutert, wie sich das Volumen der Gelder der Anleger in Südamerika multipliziert und warum Luxemburg besonders gut aufgestellt ist, um an diesem Wachstum teilzuhaben. In Chile beispielsweise stammen mehr als die Hälfte der grenzüberschreitend verkauften Fonds aus dem Großherzogtum.

„Langweilig macht Geld“

Alex Panican vom Luxembourg House of Financial Technology (LHoFT) erklärt derweil das Programm „Catapult Fundtech“. Hier kommt die ALFI mit einem Problem zum LHoFT und dieses fordert FinTech-Unternehmen weltweit dazu auf, Lösungen vorzuschlagen. Den Gewinner mit der besten technologischen Innovation versucht man dann in Luxemburg mit den Firmen, die eine solche Lösung suchen, in Kontakt zu bringen. „Meist werden Lösungen in Bereichen wie Compliance, Reporting oder KYC gesucht“, so Panican. Das klinge zwar sehr langweilig, aber „langweilig macht Geld“.

Am ersten Tag stand vor allem die künftige Regulierung des Finanzmarktes in Europa im Fokus. Die ALFI, als Sprachrohr der Luxemburger Fondsbranche, macht sich große Sorgen über die Versuche Frankreichs, die Kontrolle über den Sektor bei der ESMA in Paris zentralisieren zu wollen. In Luxemburg wird befürchtet, dass Frankreich einfach nur Unternehmen nach Paris ziehen will, ohne dass die wirklichen Hürden für einen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt beseitigt werden.

Das Thema Regulierung ist jedoch nur eine der Herausforderungen, mit denen die Branche derzeit befasst ist. „Es ist ein Sektor, der alle Krisen in der Welt fühlt“, so ein Branchenvertreter. Wegen der geopolitischen Lage sind die Märkte sehr volatil, was dazu führt, dass Investoren vorsichtiger werden und weniger Appetit für Risiko zeigen.

Wir haben viele Gründe, optimistisch zu bleiben, auch wenn das Jahr schwieriger werden wird als erwartet

Serge Weyland

CEO der ALFI

Ein weiteres Thema, das vor allem den Standort Luxemburg belastet, ist der seit Jahren andauernde Erfolg von „passivem Investieren“ – also meist kostengünstigen ETFs, die einen bestehenden Index abbilden. Luxemburg ist dagegen eher auf Fonds spezialisiert, die „aktiv investieren“, also wo Spezialisten entscheiden, wo das Geld angelegt werden soll.

Serge Weyland bleibt jedoch optimistisch: „Vor uns liegen enorme Chancen“, hebt er hervor. „Auch aus europäischer Sicht.“ Er erwähnt europäische Pläne, um das Wissen über Finanzen generell, den fortschreitenden einheitlichen Kapitalmarkt und zunehmende Chancen im Bereich der privaten Renten-Zusatzversicherungen zu fördern. „Es geht um Billionen“, unterstreicht er. Riesige Summen zusätzlicher Gelder von europäischen Bürgern, die es in den kommenden Jahren zu investieren gilt.

Zu den erwähnten Faktoren komme noch hinzu, dass viele Investoren versuchten, ihre Gelder weltweit zu streuen und nicht alles auf den Heimatmärkten oder in den USA anzulegen. Auch das Investieren in Nachhaltigkeit und Erneuerbare mache weiter Sinn, wie die aktuell hohen Ölpreise zeigen, sagt er. Und da Luxemburg im Finanzsektor gut aufgestellt ist, ergäben sich weltweit viele Möglichkeiten. „Wir haben viele Gründe, optimistisch zu bleiben, auch wenn das Jahr schwieriger werden wird als erwartet.“

Serge Weyland, CEO des Luxemburger Investmentfondsverbands ALFI, in professionellem Anzug vor neutralem Hintergrund

Serge Weyland, CEO des Luxemburger Investmentfondsverbands ALFI Foto: Editpress/Hervé Montaigu

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Finanzplatz

In der Welt der Milliarden – die ALFI Global Asset Management Conference

Spritpreise

Der Literpreis vom Diesel fällt vorerst wieder unter die Marke von zwei Euro