Jahresresultat 2025
Banque Raiffeisen rechnet 2026 mit Leitzinserhöhungen
Die Banque Raiffeisen, die einzige Genossenschaftsbank des Landes, hat ihren Gewinn im Jahr 2025 stärker steigern können als der Durchschnitt der Luxemburger Banken. Auf dem nationalen Immobilienmarkt hat sie letztes Jahr eine Verbesserung festgestellt, blickt nun aber ohne großen Optimismus auf das laufende Jahr.
Der Hauptsitz der Bank in Leudelingen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Bei der Luxemburger Raiffeisen-Bank, die dieses Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hat, ist man stolz mit dem Ergebnis, das man im abgelaufenen Jahr 2025 erwirtschaftet hat. „Obwohl in der Welt große Unsicherheit herrscht, ist unsere Bank solide und entwickelt sich gut“, so Verwaltungsratspräsident Guy Hoffmann am Mittwoch vor Journalisten.
Die erwirtschafteten Zahlen können sich sehen lassen: Die Genossenschaftsbank konnte die Zahl ihrer Kunden letztes Jahr um 1,9 Prozent auf insgesamt 135.778 steigern. Der Großteil davon (92 Prozent) sind Privatpersonen, erläutert Geschäftsführer Laurent Zahles. Die Bank hat damit einen Marktanteil von etwa 11 Prozent. Gestiegen ist letztes Jahr zudem sowohl das Volumen der Gelder, die die Kunden bei Raiffeisen angelegt haben, als auch das Volumen der Kredite.
Im Gegensatz zu vor zehn Jahren, als die meisten großen Kreditinstitute am Finanzplatz mit Jahrespressekonferenzen über ihre Aktivitäten berichteten, so ist die Raiffeisen-Bank heute eine der ganz wenigen Luxemburger Banken, die dies noch tut. Die Mehrheit der Finanzinstitute „informiert“ die Öffentlichkeit heute nur noch mittels einer vorsichtig formulierten Pressemeldung, und vermeidet so, sich den Fragen der Medienvertreter zu stellen.
Mehr Spareinlagen und mehr Kredite
Zurück zur Raiffeisen: Insgesamt verwaltete das Kreditinstitut zum Jahresende 10,7 Milliarden Euro Spareinlagen im Namen der Kunden. Das sind 3,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gewachsen ist jedoch nur die Summe der Privatleute, erklärt Zahles. Bei den professionellen Kunden hingegen ist das Volumen der Spareinlagen lediglich stabil geblieben.
Besonders stark angestiegen, um 15,8 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro, ist letztes Jahr die Summe der Gelder, welche die Bank für ihre Kunden in Wertpapiere angelegt hat. Interessant dabei, dass das in ESG-Produkte (Nachhaltigkeit, Umwelt) investierte Geldvolumen, trotz des allgemeinen Wachstums bei den angelegten Geldern, leicht rückläufig war. Unter anderem wegen eines schwierigen Jahrs in der Politik hätten sich diese Anlagen letztes Jahr nicht so ideal entwickelt, erläutert die Bank. Das sei aber seit Anfang 2026 wieder anders: ESG-Anlagen hätten sich zu Jahresbeginn wieder stärker entwickelt. Als Raiffeisen sei man zudem überzeugt, dass nachhaltige Produkte nach wie vor „der richtige Weg“ seien, auch wenn „das Momentum etwas nachgelassen hat“, so Hoffmann.

Laurent Zahles (r.) konnte gute Geschäftszahlen für das Jahr 2025 verkünden Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Das Volumen der vergebenen Kredite ist im Jahresverlauf derweil um 3,4 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro gestiegen. Zugelegt hat damit letztes Jahr auch das Geschäft mit den Immobilienkrediten, nachdem 2023 ein Rückgang verbucht worden war. „Die Zeiten bleiben zwar herausfordernd, aber man kann von einer Erholung reden“, so Laurent Zahles. Dies betreffe jedoch vor allem das Geschäft mit bereits bestehenden Wohnungen. Das Geschäft mit den sich im Bau befindenden Immobilien (VEFA) ist in der Krise geblieben.
Unterm Strich konnte die Bank 2025 somit einen Nettogewinn von 31,1 Millionen Euro verbuchen. Ein neuer Rekord. Das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr, und das ist besser als der Durchschnitt der Luxemburger Banken, die 2025 zwar weiterhin hohe, aber leicht rückläufige Ergebnisse verzeichnet haben.
„Das Ergebnis bestätigt die Solidität der Bank und die Robustheit unseres Geschäftsmodells“, unterstreicht Zahles. Der Gewinn wird dabei, wie jedes Jahr, nicht an Aktionäre ausgeschüttet, sondern bleibt in der Bank und stärkt somit ihr Eigenkapital, „was uns hilft, die Zukunft mit Vorsicht und Zuversicht anzugehen“.
Zugelegt, mit 9,1 Prozent, haben letztes Jahr auch die Kosten der Bank. Erklären tut sie das mit der Einstellung von 25 zusätzlichen Mitarbeitern (auf aktuell 733), sowie mit Investitionen in die Zukunft, etwa in die Digitalisierung.
Schwieriges Jahr 2026
Zu Beginn des Jahres 2026 haben sich die allgemeinen Wirtschaftsaussichten nun jedoch wieder eingetrübt: „Während die Inflationsrate letztes Jahr rückläufig war, die Leitzinsen weltweit nach unten tendierten und die Wirtschaft wuchs, so gibt es dieses Jahr wieder neue Spannungen“, erläutert Hoffmann. Als Folge des Iran-Krieges steigen Energiepreise und Inflation, die Zuversicht der Akteure fällt. „Das könnte die gerade begonnene Erholung gefährden.“
Nicht hilfreich ist auch, dass die Mehrheit der Experten mit bis zu drei Erhöhungen der Leitzinsen im laufenden Jahr rechnet, so Georges Heinrich vom Direktionsvorstand. Genau wisse man es jedoch noch nicht, das hänge an der kommenden Entwicklung der Inflationsrate in der Eurozone. Eine erste Erhöhung könnte vielleicht schon im Juni kommen, so Heinrich.
Dass höhere Leitzinsen die Nachfrage nach neuen Krediten dann wieder hemmen könnten, sei nicht auszuschließen, so Laurent Zahles. Wie schnell das gehen kann, habe man ja jüngst beobachten können. „Der Kunde kann sich dann mehr Fragen stellen.“ Bereits heute sehe man, dass die Kunden mehr auf einen festen Zinssatz setzen, und weniger auf einen variablen. Und „im ersten Quartal des Jahres 2026 ist das Geschäft mit Immobilienkrediten zwar besser als im Vorjahreszeitraum gewesen, aber weniger gut als erhofft. (...) Man muss abwarten.“
Das alles zeige, wie belastet die Haushalte heutzutage sind, fügt Guy Hoffmann hinzu. Der Grund sei klar: Die Wohnungspreise an sich sind zu hoch. „Der finanzielle Spielraum der Menschen ist selbst bei kleinen Zinserhöhungen schnell erschöpft. (...) Vor 25 Jahren war das anders. Damals hatte eine kleine Zinserhöhung noch kaum jemanden interessiert.“
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