Fußball

Wird die BGL Ligue immer jünger?

Die BGL Ligue hat eine Frischzellenkur bekommen. Seit Saisonbeginn kamen in der höchsten luxemburgischen Fußballliga 109 Spieler zum Einsatz, die jünger als 22 Jahre sind.

Diogo Monteiro, aufstrebendes Fußballtalent beim F91 Düdelingen, im Trikot auf dem Spielfeld stehend

Diogo Monteiro (r.) ist eines der aufstrebenden Talente beim F91 Düdelingen Foto: Editpress/Gerry Schmit

Die Jeunesse setzt seit Sommer auf viele junge Talente und will diesen Kurs auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Bei den Eschern stehen neun Luxemburger im Kader, die jünger als 22 Jahre alt sind. Hinzu kommen mit Roni Klisurica und David Jonathans zwei Akteure, die dieses Alter knapp überschritten haben. Beim Rekordmeister kommen alle diese Spieler regelmäßig zum Einsatz. Ein Großteil von ihnen ist Stammspieler. Der Verein macht dies nicht nur aus Überzeugung. Finanzielle Einschränkungen fließen auch in die Überlegungen mit ein. Es ist ein Trend, der mittlerweile in fast der ganzen BGL Ligue zu beobachten ist.

20 Spieler waren diese Saison bei ihrem Debüt in der nationalen Eliteklasse noch nicht volljährig. Insgesamt 109 Spieler unter 22 Jahren kommen zum Einsatz. Das riecht rekordverdächtig. Genaue Zahlen, die verglichen werden könnten, gibt es nicht. Man müsste schon tief ins Archiv greifen und wochenlang recherchieren, um herauszufinden, welchen Anteil die Nachwuchsspieler in den vergangenen Jahrzehnten stellten. Es wäre fast eine Sache der Unmöglichkeit, diese Daten zu erheben.

Im Überblick

Eingesetzte Spieler unter 22 Jahren
Petingen: 13
Racing: 11
Jeunesse, Rosport und Mamer: 9
Niederkorn, Swift und Rodange: 8
F91 und Bissen: 7
Käerjeng und Hostert: 6
Differdingen 03: 3
Mondorf und Strassen: 2
Canach: 1
Insgesamt: 109

Die jüngsten Spieler (bei ihrem Debüt):
1. Marceu Delgado (D03): 16 Jahre, 5 Monate und 1 Tag
2. Loris Caradonna (Rodange): 16 Jahre, 5 Monate und 6 Tage
3. Wilfried Lukoki (RFCUL): 17 Jahre, 2 Monate, 23 Tage
4. Mylan Oger (Progrès): 17 Jahre, 3 Monate, 26 Tage
5. Rodrigo Fernandes (Hostert): 17 Jahre, 3 Monate, 29 Tage

Ein Grund für den vermehrten Einsatz von Nachwuchsspielern sind die Budgets der BGL-Ligue-Vereine. Bei den meisten sitzt das Geld nicht mehr so locker wie früher. Die finanziellen Mittel fehlen, um die Aufgebote mit erfahrenen Spielern aus dem Ausland aufzustocken.

Die Not hat zu zwei Lösungen geführt. Die Klubs geben vermehrt einheimischen Spielern eine Chance oder greifen auf junge Spieler aus dem Ausland zurück, die Luxemburg als Bühne sehen.

109

Spieler unter 22 Jahren kamen in dieser Saison in der BGL Ligue bisher zum Einsatz

Petingen setzte beispielsweise die höchste Anzahl an Spielern unter 22 Jahren ein. Von den 13 Spielern sind nur zwei im Besitz der luxemburgischen Staatsangehörigkeit. Weitere zwei Spieler kommen aus dem eigenen Nachwuchs, wechselten aber erst im Teenager-Alter nach Luxemburg.

Anders sieht die Lage bei der Jeunesse aus, wie bereits erwähnt. Rosport hat mit Ruben Sousa einen 17-Jährigen, der regelmäßig zum Einsatz kommt. Beim F91 gehören mit Diogo Monteiro, Enzo Lima und Claudio Englaro drei Talente zum erweiterten Kreis der Stammspieler. Beim Racing, der traditionell das größte Reservoir an guten Jugendspielern hat, kamen in dieser Saison zwar elf U22-Spieler zum Einsatz, aber nur drei von ihnen könnten auch für FLF-Auswahlen auflaufen.

Wenig bis gar keine Jugendspieler haben Meister Déifferdeng 03, die US Mondorf, Aufsteiger Canach und die UNA Strassen. Bei letztgenanntem Verein hat sich in den vergangenen Monaten jedoch mit Lukas Sever ein Eigengewächs durchgesetzt.

Er ist einer von elf Spielern aus der BGL Ligue, die den Sprung in das U21-Aufgebot für die EM-Qualifikationsspiele gegen Frankreich geschafft haben. Das erfreut auch Manuel Cardoni, Technischer Direktor des nationalen Fußballverbandes: „Die Auswahl an jungen Spielern aus der BGL Ligue, die Spielpraxis haben, ist heute deutlich größer als noch vor einem halben Dutzend Jahren. Auf Dauer zahlt sich die Arbeit mit dem Nachwuchs eben aus.“

Trotz der relativ hohen Anzahl an jungen Spielern in der Meisterschaft bemängelt Cardoni, dass der Wille fehlt, eine Reform zu starten: „Wenn wir immer wieder das Gleiche tun, dann kann man auch nicht erwarten, dass es besser wird. Ich habe derzeit nicht das Gefühl, dass der Wille besteht, sich an einen Tisch zu setzen und den Luxemburger Fußball zu dynamisieren“, so der ehemalige Jeunesse-Spielmacher, der im gleichen Atemzug sagt: „Ich stecke aber auch nicht in der Haut eines Vereinsvorsitzenden. Als Klub muss man ab und zu Entscheidungen treffen, wenn es gegen den Abstieg geht.“

In den kommenden Wochen steht die entscheidende Phase der Meisterschaft an. In diesen Spielen wird man sehen, wie sehr die Vereine bereits ihren jungen Spielern vertrauen.

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