Handball
Wer stoppt die Red Boys? Der Titel-Showdown beginnt
Am Samstag beginnt mit den Play-offs die entscheidende Phase der AXA League. Die Red Boys gehen als Tabellenführer in die Titelgruppe, doch Verfolger HB Düdelingen lauert nur drei Punkte dahinter. Auch Berchem könnte noch ein Wörtchen im Kampf um die Meisterschaft mitreden. Dahinter hoffen Esch, Standard und Käerjeng auf die Rolle des Spielverderbers.
Elledy Semedo und die Red Boys nehmen einen Drei-Punkte-Vorsprung mit in die Titelgruppe Foto: Editpress/Fernand Konnen
1. Red Boys (26 Punkte)
Die Red Boys gehen als Tabellenführer mit der besten Ausgangsposition in die Titelgruppe – und das vollkommen verdient. In den 14 Spielen der Qualifikationsrunde blieb das Team von Trainer Marc Breser ungeschlagen, feierte zwölf Siege und musste lediglich zweimal ein Unentschieden gegen den HBD hinnehmen. Da aus der ersten Ligaphase alle Punkte mit in die Play-offs genommen werden, führen die Differdinger die Tabelle nun mit 26 Punkten an und haben bereits drei Zähler Vorsprung auf den ersten Verfolger. Ihre Stärke liegt vor allem im Tempospiel nach vorne sowie in einer robusten, aggressiven Abwehrarbeit. Dazu überzeugt die Mannschaft mit individuell guten Spielern, aber auch mit einem starken Kollektiv. Dennoch zeigte sich in der ersten Ligaphase, dass auch der Tabellenführer nicht unverwundbar ist. Am letzten Spieltag vor den Play-offs verspielte man gegen Berchem beinahe eine komfortable Neun-Tore-Führung und musste am Ende noch zittern. Hinzu kommt das Aus im Viertelfinale des Pokals gegen den HBD. Spätestens seitdem gilt der komplette Fokus jedoch der Liga. Die Titelverteidigung ist das klare Ziel.
2. HB Düdelingen (23)
Drei Punkte beträgt der Rückstand des HBD vor dem Start der Titelgruppe auf die Red Boys – eine Hypothek, die keineswegs uneinholbar ist. Die Mannschaft überzeugt mit ihrem schnellen, dynamischen Spiel und stellt damit jeden Gegner vor Probleme, mit den Brüdern Ojié und Itua Etute in den Hauptrollen. Aber auch Spieler wie Zekan, Neuberg, Hippert und Labonté setzen in dem starken Kollektiv viele Akzente. Fehlt allerdings einer der Etutes, wird es für den HBD gleich schwieriger. Das zeigten unter anderem die Niederlage gegen Esch, wo beide fehlten, und das Unentschieden (ohne O. Etute) gegen Berchem. Um den Titel zu holen, benötigt der HBD nun eine fehlerlose Titelrunde – oder Schützenhilfe der Konkurrenz. Mit Nationalspieler Fynn Köller wird dabei ein Leistungsträger aufgrund eines Auslandssemesters für den Rest der Saison nicht mehr zur Verfügung stehen. Ohne ihn ist es wichtig, am Samstag nicht gleich auf dem falschen Fuß gegen Berchem zu starten.
3. HC Berchem (21)
Der HC Berchem hatte in dieser Saison immer wieder mit personellen Rückschlägen zu kämpfen. Zwar kehrten Ben Majerus und Yann Hoffmann nach langen Verletzungspausen zurück, doch Kapitän Ben Weyer und Scott Meyers fehlen weiterhin. Hinzu kommen kleinere Blessuren, die das Team immer wieder ausbremsen. Gerade gegen die Topteams fehlte es dadurch an Konstanz: Zwei Niederlagen gegen die Red Boys sowie ein Unentschieden und eine Niederlage gegen Düdelingen stehen zu Buche. Mit fünf Punkten Rückstand ist Berchem zwar noch in Schlagdistanz, aber den Titel noch zu holen, wird ein schwieriges Unterfangen, da man bereits jetzt auf Schützenhilfe angewiesen ist. Gleich zum Auftakt der Titelgruppe kommt es nun zum direkten Duell mit dem Tabellenzweiten Düdelingen. Ein Sieg würde Berchem selbst neue Hoffnung geben – aber gleichzeitig auch dem Spitzenreiter in die Karten spielen. Gewinnt Differdingen parallel seine Pflichtaufgabe gegen Käerjeng, könnte der Vorsprung auf fünf Punkte anwachsen. Damit hätten die Red Boys ein komfortables Polster.
Berchem, um Raphael Guden, darf sich keine Fehler mehr erlauben und muss auf Schützenhilfe hoffen, um noch im Titelkampf mitzureden Foto: Editpress/Fernand Konnen
4. HB Esch (18)
Wie schon am Ende der vergangenen Saison rangiert der HB Esch wieder auf Platz vier – und viel höher dürfte es wohl auch diesmal kaum gehen. Verletzungspech begleitet die Escher seit Saisonbeginn, dennoch schlug sich das Team bislang achtbar. Trainer Milosevic setzt immer wieder taktische Impulse, variiert im Angriff und überrascht mit defensiven Umstellungen, um selbst die Spitzenteams in Bedrängnis zu bringen. In den Play-offs könnten die Escher daher durchaus zum Stolperstein für den einen oder anderen Favoriten werden. Platz vier, und damit die Teilnahme am europäischen Wettbewerb, ist aller Voraussicht nach nicht mehr in Gefahr.
5. HC Standard (11)
Für den HC Standard ist Platz fünf bereits ein Erfolg. Nachdem der Hauptstadtklub erst vor zwei Jahren aufgestiegen war und es auf Anhieb in die Titelgruppe geschafft hatte, steht er nun im zweiten Jahr in Folge in der Meisterrunde. Abstiegssorgen spielen keine Rolle mehr – vielmehr geht es darum, sich weiter in der nationalen Spitze zu etablieren und vielleicht zu versuchen, einer der besser platzierten Mannschaften Punkte zu klauen.
6. HB Käerjeng (7)
Mit einem starken Schlussspurt in der Qualifikationsrunde sicherte sich Käerjeng den letzten Platz in der Titelgruppe. Für das junge Team, das erst zu Saisonbeginn neu formiert wurde, ist damit das primäre Saisonziel erreicht. In der Titelgruppe dürfte es nun in erster Linie darum gehen, vielleicht noch Rang fünf anzugreifen – vor allem aber darum, die Mannschaft weiter einzuspielen und die Weichen für die kommende Saison zu stellen.
Luke Kaysen verlängert beim SV Kornwestheim
Luxemburgs Handball-Nationalspieler Luke Kaysen hat seinen Vertrag beim deutschen Drittligisten SV Kornwestheim bis 2027 verlängert. Das teilte der Verein gestern mit. Der 20-Jährige war zu Saisonbeginn vom TSV Bayer Dormagen zu den „Lurchis“ gewechselt und wurde seitdem zum Leistungsträger. „Das Teamgefüge, das wir hier haben, ist einfach grandios“, wird Kaysen in einer Mitteilung zitiert. „Ein weiterer Faktor war, dass ich die erhoffte Spielzeit bekommen habe – zuletzt natürlich auch noch verstärkt durch den Ausfall von Jan Reusch, aber auch schon davor. Ich mache super gerne hier weiter.“ Kornwestheim ist derzeit Tabellenführer in der dritten deutschen Liga Süd.