BGL Ligue
Warum Joao Machado in diesem Jahr auf eine Zusatzversicherung setzt
Die US Mondorf steht nach 22 Spieltagen auf Platz zwei der BGL-Ligue-Tabelle. Das ist weder Zufall, noch etwas, womit die Spieler selbst gerechnet haben. Zwischen Europapokalträumen und Realismus steht am Ostersamstag ein Spitzenspiel bei Déifferdeng 03 auf dem Programm. Joao Machado, der Torwart der USM, sprach im Vorfeld über Entwicklung und Identität.
Joao Machado und die US Mondorf haben 20 Gegentreffer kassiert – vier mehr als Leader D03 Foto: Editpress/Gerry Schmit
Tageblatt: Haben Sie bereits einen Sommerurlaub geplant?
Joao Machado: (lacht) Also, mit meiner Freundin haben wir schon etwas gebucht, aber wir haben bewusst eine zusätzliche Versicherung abgeschlossen, falls wir absagen müssten. Denn im Moment sieht es ja so aus, als könnte es dazu kommen ...
Kennen Sie dieses Gefühl aus der Vergangenheit?
Irgendwie schon, aber beim letzten Mal war es aufgrund des Halbfinales des Pokals. Es war eher eine Art Abwarten. In den vergangenen Jahren wusste man halt in Mondorf schon immer früh, zu welchem Zeitpunkt ein Sommerurlaub möglich gewesen wäre, deshalb ist das diesmal eine neue Erfahrung.
Sie wechselten 2019 nach Mondorf. War der Europapokal jemals greifbarer denn in dieser Saison?
Ich glaube nicht. Es gab immer wieder Jahre, in denen andere Vereine die UEFA-Lizenz nicht bekommen hatten. Da sagte man sich am Schluss der Saison immer mit etwas Reue, dass man mit ein oder zwei Siegen mehr hätte so einen Platz einnehmen können. Das war aber eher unerwartet, denn damit konnte man ja nie rechnen – obschon wir das natürlich gerne angenommen hätten. Es wäre aber nicht der gleiche, normale, richtige Weg.
Trotzdem macht es einen großen Unterschied, wenn der Klassenerhalt das erste offizielle Ziel ist ...
Der Trainer sprach von Anfang an von einer sogenannten Vorbereitungssaison, während der wir seine Automatismen verstehen und annehmen sollen. Vielleicht wäre am Ende etwas Enttäuschung dabei, wenn wir es nicht in den Europapokal schaffen würden, aber wir wussten von Beginn an, dass es nicht das Saisonziel war. Jede Saison muss nämlich zuerst die Klasse gesichert werden. Manchmal hatten wir es schwerer, in anderen Jahren standen wir weiter oben im gesicherten Mittelfeld. Mondorf hat den Wunsch, es jedes Jahr besser zu machen. Der Verein entwickelt sich, um dauerhaft oben mitzuspielen.
Wie geht man in Mondorf mit der Situation um: Wird innerhalb der Mannschaft offen über die Möglichkeit der Conference League oder sogar über das Titelrennen gesprochen?
Wir unterhalten uns nicht viel darüber. Natürlich versteht jeder, worum es geht, und wir verstecken nicht, dass die Möglichkeit besteht. Gleichzeitig macht es uns aber nicht verrückt oder nervös. Es wird teilweise darüber gescherzt. Ich glaube, unser Präsident (Christian Strasser, d. Red.) hatte mitbekommen, dass wir über eine Busreise nach Kasachstan gelacht hatten – jedenfalls hat er das im Interview mit Le Quotidien aufgegriffen. Wir wissen, dass die Chance besteht, uns zu qualifizieren. Es wäre aber keine schlechte Saison, wenn es nicht so wäre.
Kann es aus Mondorfer Sicht denn noch eine schlechte Saison werden?
Definitiv. Wenn wir ab jetzt alles verlieren würden, wäre es sogar eine katastrophale Saison. Wenn man bedenkt, wo wir gerade stehen, wäre es eine schlechte Saison, wenn wir es nicht unter die Top 5 packen würden.
Was ist das Erfolgsrezept von Trainer Jérémy Deichelbohrer?
Er hat vieles geändert im Team, was Intensität, Taktik und Mann-Management angeht. Diese vielen Umstellungen waren am Anfang für die meisten schwer. Es war ein Schock, mit seiner Art und Weise klarzukommen. Inzwischen hat aber jeder verstanden, dass er so tickt. Man erlebt es ja selbst, wenn man ihn an der Seitenlinie sieht. Im Training ist er manchmal noch lauter als beim Spiel (lacht). So eine professionelle Herangehensweise habe ich persönlich noch nie erlebt. Nicht in Mondorf und auch nicht in Rodange und Niederkorn, wo ich davor war. Es ist ein Step-up, den die BGL Ligue gebraucht hat.
Hat man das gleich am ersten Tag gemerkt?
Seine ersten Worte haben sofort Lust gemacht, in die Saison zu starten. Er nimmt die ganze Gruppe mit seinen Aussagen mit. Er vergisst niemanden, auch wenn mal einer weniger Spielzeit hat. Seine Vision des Fußballs passt zu meiner. Ich gehe nicht auf den Platz, um nur zu spielen, sondern um etwas zu erreichen.
Welchen Fußball spielt Mondorf unter ihm?
Wir haben eine Identität. Viele sagen, unser Spiel wäre defensiv, aber das hängt vom Verlauf ab. In dieser Saison habe ich seit vielen Jahren am wenigsten zu tun. Wir stehen kompakt und können schnell nach vorn ziehen. Der Trainer hatte uns eine Statistik gezeigt: Die Hälfte der Tore erzielen wir auf Konter, die anderen haben wir herausgespielt. Das bedeutet, dass wir durchaus in der Lage sind, unsere Aktionen aufzubauen. Wir trainieren sehr taktisch, auch was den jeweiligen Gegner angeht. Wir wollen von jeder Schwäche profitieren.
Davon hat Differdingen nur wenige. Welche Fehler wurden beim 1:3 im Hinspiel begangen?
Differdingen hat richtig gute Qualitäten. Sie haben wahrscheinlich die besten Individualisten der Liga, auf jeden Fall haben sie die meisten. Wenn man Samir Hadji in einer Sommerpause zu sich holen kann, sagt das viel aus. Was das Hinspiel angeht, haben wir unsere Aktionen in der ersten 45 nicht genutzt. Sie wurden in der Pause wach. Wir haben geschaut, was wir besser machen können – wir haben uns im Laufe der Monate verbessert.
Ist dieses Gipfeltreffen gegen Déifferdeng 03 unerwartet?
Ich denke, dass 100 Prozent der Zuschauer darauf mit Ja antworten würden. Dass der letzte Spieltag so deutlich zu unseren Gunsten verlaufen ist, konnte man nicht ahnen. Gleichzeitig ist es verdient, dass wir auf Platz zwei stehen.
Wie unterscheidet sich ein Verein wie Mondorf von den anderen Kandidaten im Rennen um die oberen Plätze?
Wenn man diese Mannschaften nennt, etwa Differdingen, Strassen oder F91, dann sind das Vereine, die es gewohnt sind, oben mitzuspielen. Sie investieren in diesen Erfolg. Bissen spielt als Aufsteiger eine wunderbare Saison. Auch sie haben dafür dementsprechend investiert. In Mondorf ist es eher der Versuch, es jedes Jahr besser zu machen. Ich will auch gar nicht behaupten, dass wir familiärer wären als andere, da ich sie nicht kenne. Wir entwickeln uns weiter, ohne dabei unsere Identität zu verlieren. Wenn Mondorf sich für den Europapokal qualifizieren sollte, wäre das eine Sensation. Niemand hatte uns auf dem Zettel. Doch wir haben die zweitbeste Verteidigung, Loris Tinelli hat fast schon 10 Tore geschossen. Es ist wirklich top, das zu erleben, denn ich weiß auch, wie es ist, wenn man gegen den Abstieg spielt.
Erst die Pflicht, dann der Besuch
Am Samstag steht für die Spieler der US Mondorf um 18.00 Uhr der Termin beim FC Déifferdeng 03 an. Gleichzeitig werden dann die letzten Begegnungen des ersten Tages des Jeff-Strasser-Cups ausgetragen. Das Hauptturnier mit internationaler Beteiligung ist für den Kader der ersten Mannschaft keine Pflichtveranstaltung, dennoch zieht es die meisten am Feiertag ins Stadion: „Den Kontakt zu der Jugend haben wir ohnehin, da sie vor uns trainiert“, sagte Joao Machado. Welchen Stellenwert dieses Turnier für junge Talente haben kann, weiß er aus eigener Erfahrung. „Ich war damals mit der Nationalmannschaft im Einsatz. Wir haben damals ein Elfmeterschießen gegen Wolfsburg verloren. Ich war traurig, dennoch war es sehr cool, das miterleben zu dürfen.“