Pferdesport

Während Fans feiern, lehnt eine Tierschutzorganisation die Sportart ab

40.000 begeisterte und feiernde Menschen im größten Reitstadion der Welt findet nicht jeder toll. Neben Millionen von Fans hat der Reitsport auch Kritiker – und zudem noch „Stalker“, wie die deutsche Rekordreiterin Isabell Werth es ausdrückt.

Wie gesund und vernünftig ist Reitsport für das Tier?

Wie gesund und vernünftig ist Reitsport für das Tier? Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Der Pferdesport steht unter Beobachtung, ganz besonders während der Weltmeisterschaften in Aachen. Völlig konträr sind dabei die Ansichten des Reitsport-Verbandes Pferdesport Deutschland und des organisierten Tierschutzes. Die Organisation Peta „lehnt Veranstaltungen wie die Reit-WM in Aachen und den sogenannten Pferdesport grundsätzlich ab“, heißt es auf Anfrage. „Das Wohl der Tiere darf nicht dem Unterhaltungswert oder sportlichen Erfolg untergeordnet werden.“

Dennis Peiler, der Vorstandsvorsitzende von Pferdesport Deutschland, sagt hingegen: „Pferden geht es heutzutage besser denn je.“ Und der Verbandschef betont: „Wir bekennen uns zum Leistungssport mit Pferden.“ Die Sichtweisen sind also unvereinbar, denn Petas Ablehnung ist eindeutig.

Sensibilität beim Pferdewohl

„Angesichts der erzwungenen Leistungen der Pferde ist es absurd, von Sport zu sprechen, denn ein echtes sportliches Event basiert auf Freiwilligkeit“, lautet Petas Position. „Beim Reitsport werden Pferde zu Leistungen gebracht, die nicht ihrem natürlichen Verhalten entsprechen.“ Aus Sicht von Pferdesport Deutschland ist „in den letzten Jahren die Sensibilität beim Thema Pferdewohl gewachsen“, wie Peiler sagt. Auch deshalb sei die „korrekte Ausbildung von Reitern und Pferden wichtig, weil das präventiv und gelebter Pferdeschutz“ sei. Strafen bei Verstößen gegen das Tierwohl seien deutlich erhöht worden.

Themen rund ums Pferd seien „insbesondere in den sozialen Medien sehr emotional besetzt – positiv wie auch negativ“, sagt der Sportfunktionär. Da gehe es nicht um Tierschutz-Organisationen, sondern auch um „Stalker“, wie die deutsche Rekordreiterin Isabell Werth moniert.

„Viele Verrückte und viele Spinner“

Verbandspräsident Martin Richenhagen sagt noch deutlicher, es gebe „auch viele Verrückte und viele Spinner“. Für fachliche Diskussionen mit Kritikern stehe er hingegen gerne zur Verfügung. Tierschutzorganisationen hätten sich aber bisher verweigert, sagt Peiler.

Die Diskussionen im Internet „sind teilweise vernünftig und kritisch, aber sehr häufig wirklich nur polemisch, frustrierend, beschimpfend und ohne sachlichen Hintergrund“, beklagt Werth. „Wir müssen uns rechtfertigen, dass wir mit Pferden Sport treiben dürfen, wollen und können“, sagt die Reiterin. „Da fühle ich mich auch weiterhin in der Pflicht, das auch mit breiter Brust zu vertreten. Sonst finden irgendwann in zehn Jahren Pferde nur noch im Zoo statt“.

Es gebe Einzelne, „die gezielt losgehen und versuchen, schlechte Bilder zu machen“, klagt Sportfunktionär Peiler. „Da teile ich die Auffassung von Isabell.“ Es werden aus seiner Sicht „Reiter gezielt attackiert“. Der Verbandschef betont aber: „Wir sagen ausdrücklich, Kritik, die berechtigt ist, die darf und muss auch benannt werden. Jeder Reiter muss sich sachlicher Kritik auch stellen.“

Olympiasieger entschuldigt sich

So geschehen bei Olympiasieger Christian Kukuk, der im Vorjahr nach dem Vorwurf des unsachgemäßen Trainings einen Fehler eingeräumt hatte. „Ich habe das verstanden und sehe das auch total ein“, hatte der Reiter erklärt. „Es tut mir außerordentlich leid, dass ich die Menschen, unseren Sport und auch mich persönlich in diese Situation gebracht und einige enttäuscht habe.“

Zuvor war ein privat erstelltes Video vom Weltcup-Turnier in Verona aufgetaucht. Das zeigte, wie Kukuk beim Training mit seinem Pferd Just be Gentle mit speziellen Zügeln ritt, die nach Verbandsangaben in Deutschland nicht erlaubt sind, aber international.

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