Radsport
WM-Thron frei: Evenepoel und Co. jagen Pogacars Krone
Nachfolger gesucht: In Abwesenheit von Tadej Pogacar wird am Sonntag ein neuer Straßen-Weltmeister gekürt. Einziger Luxemburger am Start ist Arno Wallenborn.
Nach dem Titel im Zeitfahren will Remco Evenepoel nun auch im Straßenrennen jubeln Foto: AFP/Andrej Ivanov
Remco Evenepoel hat den Rückhalt von Eddy Merckx und träumt vom historischen Double, Supertalent Paul Seixas greift als junger Thronerbe nach der Krone, Tadej Pogacars Edelhelfer Isaac Del Toro hofft ohne seinen Chef auf den großen Coup: In Abwesenheit des verletzten Vorjahressiegers Pogacar dürfte es beim Finale der Rad-WM in Montréal am Sonntag so offen zugehen wie lange nicht – der Kampf um den Titel im Straßenrennen verspricht Hochspannung.
„Dadurch, dass Pogacar nicht am Start ist, wird es sicher anders sein als bei den vergangenen Weltmeisterschaften. Ich denke, es wird ein ziemlich offenes Rennen“, sagt der deutsche Top-Fahrer Florian Lipowitz, der unter anderen Voraussetzungen wohl selbst eine Rolle im Kampf um das Regenbogentrikot hätte spielen können.
Belgien will den Titel
Einziger Luxemburger am Start ist Arno Wallenborn, der seine erste WM bei der Elite fährt. Auch ohne Pogacar, der seinen Titel wegen der Folgen seines Vuelta-Sturzes nicht verteidigen kann, ist das Starterfeld mit Top-Stars gespickt. Vor allem die belgische Mannschaft mit Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel und dem Super-Allrounder Wout van Aert rechnet sich auf dem Kurs über 273,4 km und 3.803 Höhenmeter viel aus. „Ich denke, wir haben sehr gute Chancen auf den Erfolg“, sagte Belgiens Rad-Ikone Merckx, der beim letzten WM-Rennen in Montréal 1974 triumphiert hatte, bei RTBF: „Wir haben eine 50-prozentige Chance, einen Belgier als Weltmeister zu sehen.“
In der belgischen Doppelspitze ist Evenepoel wohl der Hauptfavorit. Am vergangenen Sonntag wurde der 26-Jährige zum vierten Mal nacheinander Zeitfahr-Weltmeister, nun könnte er als erster Mann das WM-Double schaffen. Verhindern will das unter anderem Paul Seixas. Frankreichs Ausnahmetalent, das erst am Donnerstag 20 Jahre alt wurde, glänzte im Juli als Gesamtvierter bei seiner Tour-Premiere. Bei der WM soll es nun für ganz oben reichen.
Del Toro fehlen die Helfer
Landsmann Pavel Sivakov, im Alltag Pogacars Helfer beim Team UAE Emirates-XRG, zieht Vergleiche mit dem slowenischen Überfahrer. „Er erinnert mich an Tadej. Wenn wir gemeinsam trainieren, fährt er uns in Grund und Boden“, sagte Sivakov der AFP über Seixas: „Wenn sie auf dem Fahrrad sitzen, sind sie unangefochtene Anführer, das spürt man. Sie haben eine gewisse Aura.“
Geschlagen wurde Seixas bei der WM-Generalprobe vor zwei Wochen in Montréal nur von Isaac Del Toro. Dem Mexikaner, ebenfalls ein Teamkollege von Pogacar, fehlt anders als Evenepoel oder Seixas ein starkes Nationalteam im Rücken. Ein Sieganwärter ist er dennoch. Zu diesen zählen auch Ex-Weltmeister Mathieu van der Poel (Niederlande) oder Mountainbike-Olympiasieger Tom Pidcock (Großbritannien).
Berton startet bei den Damen
Wie bei den Herren wird auch bei den Damen eine Luxemburgerin an den Start gehen. Das Rennen der Damen startet am Samstag um 15 Uhr und geht über 180,4 Kilometer.
Im Überblick
Weltmeisterschaft in Montréal, Kanada (20.-27. September):
Samstag, 26. September:
15.00 Uhr: Straßenrennen der Damen (180,4 km) mit Nina Berton
Sonntag, 27. September:
15.00 Uhr: Straßenrennen der Herren (273,7 km) mit Arno Wallenborn