Leichtathletik

Victoria Rausch und Vera Bertemes-Hoffmann stehen vor großen Herausforderungen bei der WM

Zwei Athletinnen, zwei Herausforderungen: Während Hürdensprinterin Victoria Rausch im polnischen Torun ihr spätes WM-Debüt feiert, trifft auch Vera Bertemes-Hoffmann im Kampf um Finaltickets über 1.500 Meter auf starke Konkurrenz. Beide setzen auf ihre Chance.

Victoria Rausch präsentiert neuen Landesrekord beim CMCM Meeting vor Publikum

Beim CMCM Meeting stellte Victoria Rausch einen neuen Landesrekord auf Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

Europameisterschaft im Freien und in der Halle, dazu die Universiade. Victoria Rausch hat in ihrer Karriere bereits an zahlreichen internationalen Wettkämpfen teilgenommen. Mit 29 Jahren steht die Hürdensprinterin nun vor einem weiteren Meilenstein: In Torun gibt sie ihr Debüt bei einer Weltmeisterschaft. „Jeder Athlet träumt davon, einmal an einer WM teilzunehmen. Dass ich das jetzt geschafft habe, ist wirklich mega“, so Rausch. „Zu wissen, dass es auch in dem Alter noch möglich ist, eine erste WM zu bestreiten, zeigt, dass man immer weiter pushen muss, um seine Ziele zu erreichen.“

Denn der Weg zur ersten Weltmeisterschaft war für sie in den letzten Jahren kein leichter. Rausch hatte sich 2024 bei einem Rennen in Jerusalem schwer verletzt. Sie prallte gegen eine Hürde und zog sich dabei am Absprungfuß nicht nur einen Bänderriss, sondern auch einen Knochenriss und einen Knorpelschaden zu. Es folgte eine lange Verletzungspause, in der sie sich Schritt für Schritt zurückkämpfen musste. Im vergangenen Sommer wurde sie schließlich für ihr Kämpferherz mit einem neuen Landesrekord über 100 m Hürden belohnt (13,09 Sekunden). Im Winter ließ sie beim CMCM Meeting in 8,08 Sekunden eine weitere beeindruckende Bestleistung über 60 m Hürden folgen.

„Es ist nicht unbedingt ein großer Sprung, den ich gemacht habe“, sagt sie. „Ich habe jahrelang trainiert, hatte aber halt immer Pech mit Verletzungen. Wenn man aber so lange trainiert, kommt irgendwann auch der Fortschritt. Bei mir hat es vielleicht immer so ausgesehen, als würde das ein wenig ‚out of nowhere‘ kommen. Das liegt aber vor allem an den Verletzungen, weil ich dadurch sozusagen im Hintergrund geblieben bin.“

Auf konkrete Zeitziele für die Zukunft verzichtet die 29-Jährige aber bewusst. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich mir Druck mache, gewisse Zeiten zu laufen, es nicht klappt. Deswegen mache ich mir dahingehend keine Gedanken. Das hat im letzten Sommer und diesen Winter auch gut funktioniert.“

Ohne Druck will sie nun am Sonntag auch über 60 m Hürden bei der Hallen-WM in Torun starten. „Ich will natürlich gut laufen und eine gute Platzierung machen“, so die Celtic-Sportlerin. „Für das Halbfinale wird vermutlich eine neue Bestzeit nötig sein. Bei großen Meisterschaften sollte man auch ambitioniert sein – aber ich werde nichts erzwingen.“

„Eine große Etappe“

Vera Bertemes-Hoffmann beim Hallenrennen im Winter, sechs Wettkämpfe auf Leichtathletikbahn

Vera Bertemes-Hoffmann bestritt im Winter fünf Rennen in der Halle Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

Über 1.500 Meter gibt es derweil kein Halbfinale, es folgt nach den Vorläufen am Freitag sofort ein Finale am Sonntag. Dieses zu erreichen wird für Vera Bertemes-Hoffmann eine schwierige Herausforderung. „Von 28 Läuferinnen wird das Feld nach den Vorläufen auf neun reduziert, das ist eine große Etappe“, so die 29-Jährige. „Es gibt auch einen großen Leistungsunterschied zwischen den Läuferinnen vorne in der Meldeliste, die Zeiten um vier Minuten laufen, und Läuferinnen wie mir.“ Bertemes-Hoffmann reist mit einer Saisonbestzeit von 4:11,42 Minuten an, ihr Landesrekord aus dem Jahr 2023 liegt bei 4:08,73 Minuten.

Das Finale in Torun zu erreichen, wird daher ein schwieriges Unterfangen. Vieles hängt dabei vom Verlauf des Rennens ab. „Auf der Mittelstrecke ist es schwer vorherzusehen, ob es ein schnelles Rennen wird oder eher taktisch gelaufen wird“, sagt Bertemes-Hoffmann, die in diesem Winter insgesamt nur wenige Rennen in der Halle bestritten hat.

Bei fünf Starts lief sie über verschiedene Distanzen – zweimal über 1.500 Meter, zweimal über 3.000 Meter und einmal über 5.000 Meter. „Die Zeiten waren nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte gehofft, an meinen guten Sommer anzuknüpfen“, bilanziert sie. „Trotzdem kann ich zufrieden sein, da ich jetzt hier bei der WM bin. Es war eine solide, wenn auch nicht die beste Saison. Die WM ist ein Bonus.“

Neben Rausch, Bertemes-Hoffmann und Patrizia Van der Weken hatte sich mit Fanny Arendt dazu noch eine vierte luxemburgische Athletin für die Hallen-WM qualifiziert. Die 23-Jährige hatte die Qualifikationsnorm über 800 m im Januar mit einem neuen Landesrekord (2:00,83 Minuten) beim CMCM Meeting geknackt. Sie verletzte sich im Februar allerdings bei einem Rennen in den USA und musste deshalb für Torun absagen.

Das Programm

Am Freitag:
18.22 Uhr: 1.500 m, Vorläufe (Vera Bertemes-Hoffmann)
Am Samstag:
11.05 Uhr: 60 m, Vorläufe (Patrizia Van der Weken)
20.14 Uhr: 60 m, Halbfinale
21.20 Uhr: 60 m, Finale
Am Sonntag:
12.55 Uhr: 60 m Hürden, Vorläufe (Victoria Rausch)
18.52 Uhr: 60 m Hürden, Halbfinale
19.22 Uhr: 1.500 m, Finale
20.13 Uhr: 60 m Hürden, Finale

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