Fußball

Trainer Christian Lutz: Der Flüsterer von Rümelingen

Während die Konkurrenz Punkte liegen ließ, marschierte die US Rümelingen mit fünf Siegen am Stück an die Spitze der Ehrenpromotion und krönte sich zum Herbstmeister. Der Höhenflug ist eng mit der Personalie Christian Lutz verknüpft. Mit dem Tageblatt spricht der Rümelinger Trainer über seine Auszeit, die bisherige Saison und seine Zukunftspläne.

Christian Lutz

Christian Lutz könnte nächste Saison wieder Erstligaluft schnuppern Foto: Editpress/Jerry Gerard

Für Lutz schließt sich tatsächlich ein Kreis. Als die Saison 2020/21 aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen wurde, stand er mit der US Rümelingen auf Platz 1. Einen Lorbeerkranz gab es dafür nicht, vom Aufstieg in die BGL-Ligue ganz zu schweigen, aber dafür umso mehr Aufmerksamkeit.

Der Deutsche wechselte anschließend in die BGL-Ligue zur UNA Strassen, wo er zunächst nahtlos an seine Erfolgsserie anknüpfte. Ein starker sechster Platz mit Punkterekord in seiner ersten Saison weckten die Hoffnungen des ambitionierten Vorstadtklubs.

Doch ein holpriger Beginn in die 2022/23-Spielzeit und schlussendlich eine 0:1 Niederlage in Hostert am 11. Spieltag besiegelten schließlich das Aus bei der UNA. Angebote anderer Vereine flatterten umgehend ins Haus. Doch der 50‑Jährige entschied sich bewusst für eine Pause. „Ehrlich gesagt, ich wollte mit Fußball zu diesem Zeitpunkt nichts zu tun haben. Das Familienleben trat in den Vordergrund. Ich hatte endlich Zeit für sie.“

Erst Monate später, im Sommer 2023, begann es wieder in ihm zu kribbeln. Der Sportdirektor eines Spitzenklubs meldete sich bei ihm. „Der Verein war sehr interessant. Wir waren auch sehr weit mit den Verhandlungen, ich hatte mich mehrmals mit dem Komittee getroffen. Für mich schien alles in trockenen Tüchern.“ Differenzen traten erst auf, als es um finanzielle Details ging. Es war Lutz wichtig, dass, wenn er als Vollzeittrainer eingestellt wird, auch dementsprechend entlohnt werden müsse. „Kann man mit dem Vollzeitjob seine Fixkosten nicht decken, dann macht es wenig Sinn.“

„Jung, hungrig und geil auf das Spiel“

Der Verein bog in eine andere Richtung ab, der Deutsche hatte seinerseits Blut geleckt. „Es wurde mir klar, dass mir der Fußball doch fehlt. Gleichzeitig kam ich zu der Erkenntnis, dass es mehr Sinn macht, wenn ich eine Mannschaft perspektivisch übernehmen kann, sprich ein 2- bis 4-Jahre-Projekt mit jungen Spielern.“

Im schnelllebigen Fußballgeschäft bleibt langfristiges Planen oft ein frommer Wunsch, besonders in der obersten Spielklasse. Umso passender war es, als ihn ausgerechnet sein früherer Arbeitgeber kontaktierte. Für beide Seiten öffnete sich damit ein idealer Weg zurück. Rümelingen steckte im September 2024 tief im Tabellenkeller der Ehrenpromotion und Lutz, der den Verein in- und auswendig kannte, übernahm das Ruder.

Seine Aufgabe war eindeutig: den Verein in der Tabelle zu stabilisieren. „Es herrschte schlechte Stimmung in der Mannschaft. Man hatte sich ein bisschen bei den Verpflichtungen verzettelt und ich musste die Ausrichtung ändern.“

Doch echte Veränderungen mussten bis zur Sommerpause warten. Bis dahin stemmte Lutz mit dem vorhandenen Kader Schwerstarbeit und führte die USR am Ende auf einen sicheren 11. Platz. In der folgenden Transferperiode lag der Fokus auf Spielern mit portugiesischen Wurzeln, ein strategischer Schritt, der dem Kader neue Dynamik verleihen sollte. „Ich habe Typen gesucht, die eine gewisse Mentalität mit sich brachten. Jung, hungrig und geil auf das Spiel. Spieler, die man weiterentwickeln kann. Ich arbeite gerne mit jungen Leuten, das ist meine Kernkompetenz.“

Mit den Ex‑Strassener Spielern Teixeira, Lourenco und Cossou („da wusste ich, was ich bekomme“) integrierte Lutz Bausteine, die er kannte und denen er vertraute. Das Zusammenspiel greift seither ineinander.

Nicht nur wegen der Tabellenführung, sondern auch auf dem Trainingsplatz sah Lutz, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte. „Eine Supertruppe. Da sitzt keiner fünf Minuten nach Trainingsschluss frisch geduscht schon im Auto. Manchmal muss ich die Jungs nach Hause scheuchen!“

Doch Lutz weiss, dass Mentalität allein in der Ehrenpromotion nicht reicht. Neben Einsatz und Charakter braucht es handfeste Qualität. „Wir haben eine gewisse spielerische Qualität, die wir auch letzte Saison hatten. Die haben wir verfeinert. Der größte Unterschied ist jedoch, dass wir jetzt verteidigen können.“

Die Statistik gibt ihm Recht: bester Angriff, zweitbeste Verteidigung, dazu heim- und auswärtsstark. Rümelingen präsentiert sich momentan nahezu ohne Schwächen. Dennoch sieht der Trainer Luft nach oben. „Defensiv können wir noch besser agieren und in der Offensive wünsche ich mir manchmal ein einfacheres Herangehen.“

Die aktuelle Tabellensituation bedeutet ihm viel, auch auf persönlicher Ebene. „Ich habe mich in meiner Auszeit ebenfalls weiterentwickelt und bin viel entspannter geworden. Es war die richtige Zeit zur Selbstreflektion. Ich denke aber, dass meine Arbeitsweise und Spielphilosophie gleich geblieben sind und der Erfolg bestätigt das.“

Der weitere Weg der US Rümelingen ist offen, doch Lutz verliert den Boden nicht unter den Füßen. „Wir haben es uns erarbeitet, wir sind eine gute Mannschaft, aber wir bleiben demütig, denn bis Platz 6 ist alles sehr eng. Es ist wichtig, locker zu bleiben. Die Stimmen werden nämlich lauter, wir wären jetzt der Gejagte und hätten eine neue Drucksituation. Für mich ist Druck etwas ganz anderes. Richtige Belastung hat man in wichtigen Lebenssituationen, nicht auf dem Fußballplatz. Da mache ich mir keine Gedanken und das versuche ich den Spielern mitzugeben.“

Entsprechend gibt es aktuell auch keine konkreten Aufstiegspläne, alles andere wäre für ihn verfrüht. Auch seinen eigenen Karriereweg betrachtet Lutz mit Ruhe und Weitsicht. „Ich bin sehr froh, in Rümelingen zu sein und bin hier total zufrieden. Es ist ein toller Verein, wo ‚ein Mann, ein Wort‘ noch gilt, aber ich werde mir die Frage stellen müssen. Sollten wir aufsteigen, kann ich mir schon vorstellen zu bleiben. Aber es ist immer verbunden mit einem höheren Aufwand, mehr Trainingseinheiten. Das betrifft nicht nur Spieler. Langfristig sehe ich mich auf der Sportdirektor-Schiene, aber erst nach meiner Trainerlaufbahn.“

Für den Moment zählt jedoch nur das Hier und Jetzt. Fakt ist: Rümelingen ist wieder wach und voll im Wettbewerb.

In Rümelingen herrscht wieder Zusammenhalt und Aufbruchstimmung

In Rümelingen herrscht wieder Zusammenhalt und Aufbruchstimmung Foto: Editpress/Gerry Schmit

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