Volleyball

Schaus führt Gym zum hart umkämpften Pokalsieg

Es war ein Finale, das kaum mehr Spannung hätte bieten können. Favorit Gym holte einen 0:2-Rückstand gegen Walferdingen auf und sorgte im Tiebreak für die Entscheidung.

Jubelnde Gymnastin nach beeindruckendem Comeback-Sieg bei Wettkampf

Freude nach dem bemerkenswerten Comeback-Sieg der Gym Foto: Editpress/Jeff Lahr

Seit der Pandemie stand nur noch ein Team auf der Siegerliste – und zwar Mamer. Auch diesmal wurde der letztjährige Double-Gewinner wieder als Favorit gehandelt, doch Walferdingen hatte es Ende Dezember geschafft, Mamer schon frühzeitig aus dem Rennen zu werfen.

Mit 3:1 setzte man sich damals – noch mit der absoluten Leistungsträgerin Polinha Pitou, die sich inzwischen aufgrund ihrer Schwangerschaft zurückgezogen hat – durch und brachte Mamer nicht nur ins Straucheln, sondern endgültig zu Fall. An diesem Tag war Walferdingen schlichtweg überlegen und gewann hochverdient.

Walferdingen hatte anschließend den leichteren Weg ins Finale, da man mit Belair den letzten verbliebenen Vertreter aus der 1. Division zugelost bekommen hatte. Die Gym bekam es im Halbfinale mit Geheimfavorit Steinfort zu tun. Das Team um die Dascalu-Schwestern erwischte jedoch nicht seinen besten Tag und konnte die Leistungen der vergangenen Monate lediglich im dritten Satz abrufen. Damit hatte es die Gym nicht allzu schwer, den zweiten Finalplatz zu erreichen, und ging folgerichtig als Favorit in das Endspiel.

Der Nachwuchs hat uns letzte Nacht kaum schlafen lassen ... Aber der eine oder andere Adrenalinschub hat mich über die fünf Sätze getragen.

Nadja Schaus

Gym Bonneweg

Keine Überraschung gab es hier bei den beiden Startformationen: Es liefen dieselben Spielerinnen auf wie bereits im Halbfinale. Gym hatte zwar Nissi Bokungu extra aus Porto, wo sie sich studienbedingt aufhält, eingeflogen, doch zunächst nahm sie auf der Bank Platz.

Ab dem ersten Ballwechsel gingen beide Teams mit voller Intensität zur Sache. Bis zum 6:6 verlief alles auf Augenhöhe, dann gelang es dem Außenseiter, sich abzusetzen (9:6). Fabio Aiuto nahm eine Auszeit. Doch Lilli Tarantini und Marie Schaack rockten weiter die Halle, und der Vorsprung wuchs zusehends. Gym wirkte zu diesem Zeitpunkt sichtlich überfordert.

Beim Stand von 8:16 griff Aiuto zu einer weiteren Auszeit. Würde er sein Team diesmal erreichen? Es schien so, denn Bonneweg trat nun wie verwandelt auf, setzte sich am Netz besser durch und ließ den Rückstand schmelzen (13:17). Van Elslande reagierte mit einer Auszeit und ließ kurz darauf einen Doppelwechsel folgen.

Trotz schwächelnder Annahme aufseiten von Walferdingen gelang es der Gym nicht, den Anschluss vollständig herzustellen. Im Gegenteil: Walferdingen verschaffte sich wieder etwas Luft und erspielte sich am Ende sechs Satzbälle, von denen die eingewechselte Felicia Menara gleich den ersten mit einer Finte verwandelte. 1:0 für den Herausforderer.

2:0 für den Herausforderer

Shona Fraser motiviert energisch ihre Teamkolleginnen während eines Meetings, Teamarbeit und Führungskompetenz sichtbar

Shona Fraser versuchte, ihre Teamkolleginnen wachzurütteln Foto: Editpress/Jeff Lahr

Bonneweg erhöhte im zweiten Satz sofort das Spielniveau und konnte sich schnell absetzen (6:2). Van Elslande rief seine Mannschaft an die Seitenlinie. Doch sein Team zeigte keine unmittelbare Reaktion, sodass die Gym den Vorsprung weiter ausbauen konnte (9:3).

Allmählich fand auch Walferdingen wieder besser ins Spiel und verkürzte den Rückstand. Als der Ausgleich näher rückte, brachte Aiuto Bokungu für Schneider und nahm beim Stand von 12:12 seine erste Auszeit. Dank einer starken Aufschlagserie von Narbonne übernahm Walferdingen wieder das Ruder (14:12).

Gym wirkte nun wie gelähmt, vieles wollte nicht mehr gelingen. Lediglich Nadja Schaus stemmte sich noch gegen den Lauf. Andere Spielerinnen, etwa Alexis Dias, die das Halbfinale fast im Alleingang getragen hatte, schienen mental nicht mehr voll präsent.

Walferdingen nutzte die Situation konsequent aus und verwandelte den ersten von diesmal neun Satzbällen. Zu diesem Zeitpunkt sah es für den Favoriten alles andere als gut aus: Die Gym lag mit 0:2 zurück und Aiuto musste sich dringend etwas einfallen lassen.

Aiuto brachte Carlotta Kauka für die schwache Dias in der Annahme, während Dias selbst anstelle von Schneider in den Mittelblock rückte. Die Gym musste nun ihren Siegeswillen wiederfinden, wollte man das Spiel noch drehen.

Das Spiel verlief zunächst auf Augenhöhe, bis Bonneweg ein Mini-Break gelang (8:6). Einen verlorenen Ball später nahm Van Elslande eine Auszeit – er wollte verhindern, dass die Gym davonzieht. Die Reaktion folgte dann auch prompt (11:11).

Aiuto brachte Laura Ruellan für Kylie Schubert ins Zuspiel. Sie sollte das Spiel neu organisieren – und der Wechsel griff. Bei 14:17 vollzog Van Elslande einen doppelten Wechsel. Dieser brachte jedoch nur wenig, während die Gym nun problemlos den Vorsprung ausbaute. Bei Walferdingen lief rein gar nichts mehr.

Der dritte Satz ging klar an Bonneweg und das Spiel war neu gestartet. Die Gym-Fans konnten wieder an ihr Team glauben.

Schaus nicht zu stoppen

Walferdingen kämpft intensiv gegen Favoriten beim spannenden Fußballspiel bis zum Schluss

Walferdingen forderte den Favoriten bis zum Schluss Foto: Editpress/Jeff Lahr

Aiuto vertraute auch im vierten Satz weiterhin auf Ruellan. Der Favorit begann stark und zog schnell auf 4:0 davon. Van Elslande brachte Fanny Riblet für Ashley Fantazia, doch unbeeindruckt setzte die Gym ihr Spiel durch.

Man erkannte die Mannschaft kaum wieder: Der Schalter war umgelegt. Das Spiel lief nun größtenteils an Walferdingen vorbei, sodass der Rückstand am Ende entsprechend hoch ausfiel. Mit 25:10 ging Satz vier an die Gym. Der Favorit war auf dem besten Weg, den Pokal doch noch zu gewinnen.

Tiebreak war angesagt. Ohne personelle Änderungen gingen beide Teams ans Werk. Schnell stand es 3:0 für die Gym – Auszeit Walferdingen. Menara kam für Schaack ins Spiel (0:5). Beim Seitenwechsel führte Bonneweg bereits 8:1. Das Spiel schien entschieden. Bei 1:9 nahm Walferdingen die zweite Auszeit, was den Startschuss für eine Aufholjagd markierte. Zwei Auszeiten von Aiuto konnten diese nicht stoppen, und die Gym musste wieder um den Sieg bangen.

In der entscheidenden Phase bewies die Gym allerdings mehr Übersicht und Shona Fraser verwandelte schließlich den Matchball. Mit 15:12 gingen Satz und Spiel letztlich doch noch an den Favoriten.

Es war nicht das schönste Spiel, aber in puncto Spannung kaum zu überbieten. Beide Teams hatten – wenn auch oft abwechselnd – alles gegeben, doch am Ende kann es nur einen Sieger geben: Gym.

„Es ist schade, am Ende wäre mehr möglich gewesen. Allerdings hätte ich nie gedacht, dass wir 2:0 führen würden. Als Fabio umstellte, hatten wir größere Probleme. Gym hat nicht unverdient gewonnen. Nadja war heute kaum zu bändigen und machte am Ende den Unterschied“, resümierte Van Elslande nach dem Spiel.

Eine überglückliche Schaus, beste Spielerin des Finales, konnte ihre eigene Leistung kaum fassen: „Der Nachwuchs hat uns letzte Nacht kaum schlafen lassen – wenn es gut geht, waren es vier Stunden. Also ausgeschlafen war ich nicht. Aber der eine oder andere Adrenalinschub hat mich über die fünf Sätze getragen.“

Damen-Fußballpokal gewinnt erstmals seit Pandemie ein anderes Team als Mamer, Jubel und Pokalübergabe auf dem Spielfeld.

Erstmals seit der Pandemie geht der Pokal bei den Damen nicht an Mamer Foto: Editpress/Jeff Lahr

Statistik

Gym - Walferdingen 3:2 (18:25, 15:25, 25:17, 25:10, 15:12)

Gym: Fraser (14), Schaus (24), Schneider, Schubert (1), Dias (11), Magerova (10); Libero: Picht, Auswechselspielerinnen: Kauka (4), Dossow, Bokungu, Ruellan (2); 24 Mannschaftsfehler
Walferdingen: Fantazia (4), Narbonne (3), Sautereau (8), Schaack (14), Tarantini (17), Topputi (15); Libero: Wollmering, Salsi, Auswechselspielerinnen: Menara (3), Vaccino, Riblet (1); 32 Mannschaftsfehler

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