Champions league
Real muss zittern: Barreiro auf den Spuren von Thill?
2021 besiegte Underdog Sheriff Tiraspol durch ein Traumtor von Sébastien Thill Real Madrid. Fünf Jahre später will sein Nationalmannschaftskollege Leandro Barreiro es ihm nachmachen.
28. September 2021: Sébastien Thill (l.) erzielte gegen Real Madrid ein historisches Traumtor Foto: AFP/Javier Soriano
Zweites Kapitel nach dem Drama in der Ligaphase – Real Madrid und Benfica Lissabon treffen in der K.o.-Phase der Champions League erneut aufeinander. Mit Leandro Barreiro ist ein Luxemburger mittendrin.
Erinnerungen werden wach. 2021 erzielte Sébastien Thill in der Gruppenphase der Königsklasse ein spektakuläres Tor gegen Real Madrid im Estadio Bernabeu und ermöglichte dadurch den überraschenden 2:1-Sieg von Sheriff Tiraspol gegen den spanischen Giganten. Es war bis zum 25. November 2025 – an dem Tag, als Barreiro gegen Ajax Amsterdam traf – das einzige Tor, das ein Luxemburger in der Gruppenphase bzw. der Ligaphase der Champions League erzielt hatte.
Thill, der mittlerweile beim polnischen Zweitligisten Stal Rzeszow unter Vertrag steht, erinnert sich an diesen historischen Moment. „Während einer Woche habe ich mir dieses Tor in Dauerschleife angeschaut. Für mich, den Verein und für ein kleines Land wie Luxemburg war es etwas Besonderes“, sagt der 32-Jährige. Nach dem Erfolg wurde Sheriff spürbar ernster genommen. „In den weiteren Gruppenspielen gegen Inter Mailand und Real haben wir gemerkt, dass sie uns nicht mehr unterschätzten“, so der Mittelfeldspieler weiter.
Ich würde sogar sagen, dass Leandro Barreiro einer der wichtigsten Spieler im System von José Mourinho ist
Sébastien Thill
Mittelfeldspieler bei Stal Rzeszow
Tore gegen Real Madrid können das Leben von Fußballern verändern. Auch wenn Thill danach keine große Karriere hatte, so waren die Scheinwerfer im Herbst 2021 zumindest für ein paar Wochen auf ihn und seine Teamkollegen gerichtet: „In den Wochen nach dem Erfolg war viel mehr los. Ich habe so viele Interviews wie noch nie in meinem Leben geführt und es wurden auch einige Dokus über Sheriff gedreht. Die Zuschauerzahlen nahmen zu. Insgesamt gab es eine große Euphorie rund um den Verein“, blickt Thill zurück.
Mit Spannung wird der 32-Jährige am Dienstag das Duell zwischen seinem Nationalmannschaftskollegen Leandro Barreiro und den Königlichen verfolgen. Thill sieht sich fast alle Champions-League-Partien des Mittelfeldspielers an. Auch am Dienstag sitzt er vor dem Fernseher, da in Polen meistens nur morgens trainiert wird: „Leo ist mittlerweile nicht mehr aus der Benfica-Mannschaft wegzudenken. Ich würde sogar sagen, dass er einer der wichtigsten Spieler im System von José Mourinho ist.“
Barreiro gesetzt
Bis der portugiesische Startrainer den Wert seines Schützlings erkannte, vergingen jedoch ein paar Wochen. Seit November ist der Luxemburger jedoch fester Bestandteil der Startelf von Benfica. In den letzten vier Champions-League-Spielen stand Barreiro 90 Minuten auf dem Platz.
Mourinho, Barreiro und Co. wollen am Dienstag den Coup aus der Ligaphase wiederholen. Am letzten Spieltag vor knapp zwei Wochen verpasste Real Madrid überraschenderweise den Sprung unter die ersten acht. Auch weil das Star-Ensemble am entscheidenden letzten Spieltag gegen Benfica verlor. In einem verrückten Spiel köpfte Torwart Anatoliy Trubin die Mannschaft aus Lissabon in der achten Minute der Nachspielzeit in die nächste Runde. Hätte Benfica beim 4:2-Erfolg gegen die Madrilenen ein Tor weniger geschossen, wäre sie aus der Champions League ausgeschieden.
José Mourinho wählte seine Worte mit Bedacht. Kaum war das Wiedersehen zwischen Benfica und Real perfekt, zollte die Trainer-Ikone seinem Ex-Verein großen Respekt: „Wir haben den König bekommen“, sagte der 63-Jährige. Dabei waren er und sein neues Team doch diejenigen gewesen, die den König zuletzt vom Thron gestoßen hatten.
„Wir werden gegen den mit Sicherheit größten Anwärter auf den Titel spielen“, erklärte Mourinho nach der Auslosung Ende Januar.
Auf der Gegenseite räumte Reals Trainer Alvaro Arbeloa resigniert ein: „Wir wussten, wo wir herkommen und wie schwierig es werden würde – und es war letztlich zu viel für uns. Wir haben viel zu verbessern.“ Die Aussicht auf eine schnelle Revanche dürfte den Königlichen dennoch gelegen kommen. In der Liga ist Madrid seit Wochen stabil und kämpft wieder um den Titel.
Doch die Zahlen verlieren beim Blick auf Mourinhos Mannschaft an Kraft. Benfica präsentiert sich weiterhin gefestigt und ungeschlagen in der Liga. Nach dem dramatischen ersten Kapitel in der Champions League ist ihnen auch beim erneuten Aufeinandertreffen alles zuzutrauen.
Zwischen all dem Trubel um die brisante Revanche halten sich zudem hartnäckig die Gerüchte über eine mögliche Rückkehr Mourinhos zu Real. Dank einer Klausel in seinem Vertrag könnte er den Verein nach Saisonende ohne Ablösesumme verlassen – eine Option, die ihn theoretisch wieder in die spanische Hauptstadt führen würde. Dennoch betont Mourinho öffentlich seine Zufriedenheit in Lissabon.
Am Dienstag im Estádio da Luz beginnt das nächste Kapitel der diesjährigen Königsklasse: Rekordsieger gegen Herausforderer. Die Bühne ist bereitet und das Drama wartet auf seinen zweiten Akt. Barreiro könnte ganz nebenbei der erste Luxemburger werden, dem in der Knock-out-Phase der Champions League ein Tor gelingt.
Leandro Barreiro im Laufduell mit Real-Star Vincius Junior (r.) Foto: AFP/Patricia de Melo Moreira