Radsport
Pinke Helme, große Ziele: Rockets mischen den Giro auf
Das Team Unibet Rose Rockets peilt Siege beim Giro d‘Italia an. Beim Auftakt in Bulgarien ist das Newcomer-Team dicht dran.
Das Team hofft mit Dylan Groenewegen den ersten Grand-Tour-Sieg zu holen Foto: AFP/Luca Bettini
Marcel Kittel klatschte auf dem Beifahrersitz des Begleitfahrzeugs in die Hände, strich sich aufgeregt durch das Haar und wartete angespannt auf das Ergebnis. „Wer hat gewonnen?“, fragte der frühere deutsche Radstar im Ziel der dritten Etappe des Giro d’Italia. Sekunden vergingen, dann hatten der Sprint-Coach und sein Team Unibet Rose Rockets Gewissheit: Auch im zweiten Massensprint war es mit dem ersehnten ersten Etappensieg bei der Italien-Rundfahrt knapp nichts geworden.
Im Highspeed-Finale im bulgarischen Sofia war Top-Sprinter Dylan Groenewegen vergeblich um den Tageserfolg gefahren, hatte den Rockets als Dritter am Sonntag aber immerhin das erste Grand-Tour-Podium beschert. „Es fühlt sich gerade scheiße an. Aber mit diesem Lead-out werden wir einen Sieg holen!“, sagte Kittel.
Das Mindset blieb positiv. Der Auftakt in die erste große Landesrundfahrt war für die junge Mannschaft, die auch mit Kittels Sprint-Expertise den nächsten Schritt machen will, schließlich alles in allem vielversprechend. Die Equipe mit den auffälligen pinken Helmen und knalligen Trikotfarben zeigt eine aktive Fahrweise, hält auch auf Weltklasse-Niveau mit – und will nach dem Transfer nach Italien am Ruhetag am Montag erneut angreifen.
Aus Social Media enstanden
Höher, schneller, weiter – das ist seit jeher die Devise bei den Rockets. Erst vor vier Jahren wurde das Projekt ins Leben gerufen. Drei erfolgreiche YouTuber um den niederländischen Ex-Profi Bas Tietema starteten mit der Vision, den professionellen Radsport mit unterhaltsamen Inhalten über Social Media aufzumischen.
Mit kreativen Ideen – einst verteilten sie nach der Tour-Schlussetappe in Paris Nice an die Fahrer – sorgten sie für Klicks und Aufmerksamkeit. Diese DNA und Unbekümmertheit hat man sich bewahrt. Beim Giro laden die Rockets täglich neue Videos auf ihren Kanälen hoch, Hunderttausende schauen zu.
„Das Team ist aus Social Media heraus entstanden und klares Ziel ist auch, das am besten zu folgende Team zu sein“, sagte Kittel: „Die Art und Weise, die Geschichte zu erzählen, macht uns sehr besonders. Welches Team postet Memes und zieht sich auch mal selber durch den Kakao, wenn irgendeine Leistung nicht gebracht oder irgendein Ziel nicht erreicht ist?“
Beim Giro starten die Rockets mit einer Wildcard. Die erhoffte Einladung für die Tour de France im Sommer blieb aus. Auf Sicht soll sich das ändern. Schon 2027 könnte es mit dem Frankreich-Start klappen.
Erfolge beim Giro würden der Mannschaft dafür wichtige Punkte einbringen – und das Team weiter reifen lassen. „Der Giro ist auch ein ganz wichtiger nächster Schritt für uns als Team und Organisation“, sagte Kittel: „Es geht darum, sich auch mal die Hörner abzustoßen und zu gucken, wie weit wir jetzt im Vergleich mit den Grand-Tour-Rennfahren sind.“
Bislang müssen die Rockets den Vergleich nicht scheuen.