BGL Ligue

Paul Philipp: „Die Liga von 16 auf 14 Teams zu verkleinern, wird das Problem nicht lösen“

FLF-Präsident Paul Philipp hat – wie die Vereine – einen Wunsch: die BGL Ligue wieder attraktiver für den Zuschauer zu machen. Eine Wunderlösung gibt es nicht, aber Ansätze. Das Interview.

Verbandspräsident begrüßt den aktuellen Weg der Escher Jeunesse bei offizieller Veranstaltung

Der Verbandspräsident begrüßt den aktuellen Weg der Escher Jeunesse Foto: Editpress/Gerry Schmit

Tageblatt: Welches BGL-Ligue-Duell wollen Sie sich am Wochenende ansehen?

Paul Philipp: Ich habe mich noch nicht festgelegt.

Wie würden Sie den Saisonverlauf bislang zusammenfassen?

Oben ergab sich bislang das gewohnte Bild, mit einer Differdinger Mannschaft als Leader. Sie sind natürlich der große Titelfavorit. Dass Strassen dranbleibt, ist keine Überraschung. Schaut man sich den Bissener Kader an, verwundert die Position in der Tabelle ebenfalls nicht. Ich hatte ihnen im Vorfeld einen Top-fünf-Platz zugetraut. Das muss man trotzdem als starke Leistung für einen Aufsteiger anerkennen. Aus verschiedenen Ursachen sind Teams wie Niederkorn oder Hesperingen nicht in der Lage, dem Tempo zu folgen. Swift scheint sich zumindest stabilisiert zu haben. Niederkorn muss jetzt auf junge Spieler setzen, so wie Jeunesse Esch es bereits macht. Ich kann diesen Weg nur begrüßen – und sie haben den richtigen Trainer dafür geholt. Ich hatte Mondorf im Vorfeld zu den Europapokal-Kandidaten dazugezählt und es sieht so aus, als könnten sie dranbleiben. Im unteren Bereich befinden sich die Klubs, für die es die erwartet schwere Saison ist. Fasst man das zusammen, gab es also keine richtige Sensation oder große Überraschung.

Es gab bereits sieben Trainerwechsel. Wie bewerten Sie diesen Trend?

Es ist Teil des Geschäfts. Ein Trainerwechsel hängt in den allermeisten Fällen von den Ergebnissen ab. Es ist kein gutes Zeichen und kein Verein tut das gerne, denn es ist gleichzeitig ein Eingeständnis, dass man Fehler in der Planung gemacht hat. In dem heutigen Fußball bleibt aber nur wenig Zeit und es wird schnell gehandelt. Nun sind es fast die Hälfte der Vereine ... Wenn man sich international im Vereinsfußball umschaut, läuft es allerdings meist am besten dort, wo man Trainern Zeit gibt, etwas aufzubauen.

Die Zuschauerzahlen bleiben dramatisch niedrig. Wird genug unternommen, um die Liga attraktiv zu machen?

Sie sind nicht schlechter, aber eben auch nicht besser geworden – und vor allem nicht ausreichend. Wenn wir uns mit den Vereinen treffen, gibt es jedes Mal Gespräche und Diskussionen. Es gibt viel darüber geredet. Eine einzige Wunderlösung gibt es nicht, sondern mehrere Wege und Ideen, etwa ein neues Format der Meisterschaft. Die Identifikation mit den Spielern ist ein anderes Argument. Ist die Visibilität groß genug? Man muss sich die neuen Medien zunutze machen. Wir müssen uns die richtigen Fragen stellen: Wo wollen wir hinsteuern? Es gibt jedenfalls ein Problem, das uns zu denken gibt.

Wo würden Sie gerne hinsteuern?

Es ist eine Frage der Ambitionen. Wenn man BGL Ligue spielt und etwas erreichen möchte, dann will man sich ja auch für den Europapokal qualifizieren – nicht nur wegen des finanziellen Anreizes. Das ist eine Art Teufelskreis. Die Jeunesse hat eine hervorragende Initiative ergriffen. Oft entsteht das aber aus der Not heraus. In Esch muss man sich bewusst sein, dass es dieses Jahr wohl keine Conference League gibt. Will man diesen Weg gehen? Und sind die Leute, die den Verein unterstützen, damit zufrieden? Ich plädiere dafür, auf junge Talente und Ausbildung zu setzen. Das ist kein Geheimnis. Ich weiß aber auch, dass es Zeit braucht und nicht auf Anhieb klappt. In einem Punkt sind wir uns aber alle einig: Der Markt gibt es nicht her, eine Profiliga aufzubauen.

Die Vereine hatten sich per Referendum gegen eine Verkleinerung der Liga ausgesprochen. Ist das Thema endgültig vom Tisch?

Die Liga von 16 auf 14 Teams zu verkleinern, wird das Problem nicht lösen. Man darf den Fehler nicht machen, sich immer nur mit dem Ausland zu vergleichen. So schlecht, wie wir es manchmal darstellen, ist es nicht. Der komplizierte Play-off-Modus der Belgier macht es nicht leicht, den Durchblick zu haben. Aber ein ähnliches Format könnte eine Überlegung wert sein. Wir möchten alle, dass die Meisterschaft einen interessanten Modus hat. Das gelingt uns jedes Jahr während der „Barrage“-Woche.

In den nächsten Wochen werden die Dossiers eingereicht werden müssen, um die UEFA-Lizenz zu erhalten. Gehen Sie davon aus, dass sich ein Debakel wie 2025, als Fola, Rodange und Swift keine Startgenehmigung erhalten hatten und Niederkorn die Lizenz rückwirkend entzogen worden war, nicht mehr wiederholen wird?

Wir hoffen, dass es sich nicht wiederholen wird. Zudem kommt im Sommer die nationale Lizenz – auf Wunsch der Vereine. Da überschneidet sich einiges. Die Idee dahinter ist, dass diejenigen belohnt werden, die gute Arbeit leisten. Es handelt sich dabei um die Mehrheit.

Können Sie ein paar Details und Sanktionen verraten?

Hauptsächlich bezieht es sich auf die Finanzen. Zwei unabhängige Kammern werden die Dossiers kontrollieren. Wenn man keinen Audit einreicht, könnte es zum Ausschluss aus der Liga führen. Für die UEFA-Lizenz ist das Audit nicht zwingend erforderlich.

Letzte Frage. 2027 wird Luxemburg aufgrund des UEFA-Klubkoeffizienten nur noch drei internationale Startplätze haben. Welche Konsequenzen könnte das haben?

Es gibt jedenfalls ein Mittel, um die Zahl schnell wieder zu ändern: Im anstehenden Europapokal bessere Ergebnisse erzielen. Vielleicht werden sich dadurch bei dem einen oder anderen Klub auch die Ambitionen ändern. Wenn die Chancen auf ein Ticket weniger groß sind, könnte das die Vereinspolitik beeinflussen.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Volleyball-Pokal

Steinfort: „Den Geheimfavoriten-Status haben wir uns verdient“

Basketball

Bescheidener Teamplayer: Deshalb ist Malcolm Kreps so wichtig für das Nationalteam