Tour de France

Merlier zeigt seine ganze Klasse in Bordeaux

Tim Merlier mag nicht der körperlich imposanteste Sprinter sein, doch der Belgier bewies am Freitag in Bordeaux erneut seine Erfahrung und sein perfektes Gespür für die richtige Positionierung. Damit feierte er bereits seinen vierten Etappensieg bei der Tour de France.

Tim Merlier jubelt nach Sieg bei Radrennen in Bordeaux, Profi-Radfahrer feiert Triumph am Freitag

Tim Merlier jubelte am Freitag in Bordeaux Foto: AFP/Loic Venance

Nach dem furiosen Auftritt von Tadej Pogacar in den Pyrenäen kehrte im Peloton am Freitag wieder Ruhe ein. Die siebte Etappe verlief über weite Strecken ereignisarm und wurde erneut bei großer Hitze ausgetragen. Die Favoriten konnten sich nach den Strapazen des Vortages etwas erholen.

Erst wenige Kilometer vor dem Ziel nahm das Rennen Fahrt auf, nachdem der unverwechselbare Baptiste Veistroffer eingeholt worden war. Er war – wie schon zuvor – direkt nach dem Start ausgerissen, diesmal gemeinsam mit dem Tschechen Jakub Otruba.

In Bordeaux, einer Hochburg der Sprinter, die unter einer erbarmungslosen Sonne lag, konnten schließlich die Sprintspezialisten um den Tagessieg kämpfen. Das Finale verlief ausnahmsweise ohne Sturz – inzwischen eine Seltenheit.

Philipsen sprintet zu früh

Die Spannung war groß, denn vor diesem ersten „echten“ Massensprint war das Kräfteverhältnis unklar. Olav Kooij hatte am Mittwoch in Pau den ersten Sprint der Favoriten für sich entschieden, allerdings in einem unübersichtlichen Finale. Am Freitag spielte der Niederländer jedoch keine Rolle und belegte nur Rang 23.

Mads Pedersen, der zuvor in Foix als Ausreißer gewonnen hatte, baute im Zwischensprint seine Führung in der Punktewertung weiter aus. Der Däne ist allerdings kein reiner Sprinter und wurde am Ufer der Garonne Neunter.

Auch Jasper Philipsen, der 2023 in Bordeaux gewonnen hatte, war bislang hinter den Erwartungen geblieben. Trotz eines kraftvollen Antritts seines Anfahrers Mathieu van der Poel, der Philipsen zu früh lancierte, konnte Philipsen erneut nicht gewinnen.

Den Sieg sicherte sich stattdessen Tim Merlier – der erfahrenste und wohl raffinierteste Sprinter im Feld. Der 33-Jährige fand erneut seinen Weg durch das Chaos eines Massensprints, tauchte im entscheidenden Moment auf und gewann mit einer Fahrradlänge Vorsprung vor dem Norweger Sören Wærenskjold und dem Eritreer Biniam Girmay.

Merlier und das „Casino“

„Ich hatte wegen meiner Knieverletzung einen schwierigen Saisonstart. Zwei Monate Training zu verlieren, war sehr frustrierend. Da kommen natürlich Zweifel auf. Aber mein Sprint ist immer noch da“, sagte der Fahrer des Teams Soudal-Quick Step, der eher wortkarg ist und meist unauffällig bleibt, bevor er im entscheidenden Moment glänzt.

Merlier bringt dabei ganz andere Voraussetzungen als typische Sprinter mit: 1,88 Meter groß und 76 Kilogramm schwer. Trotzdem wirken seine Oberschenkel im Vergleich zu manchen Konkurrenten – sogar zu seinem Teamkollegen Paul Magnier, der beim diesjährigen Giro d’Italia drei Etappen gewann – beinahe schmächtig.

Merliers größte Stärke liegt ohnehin woanders: in seiner Fähigkeit, im Chaos eines Massensprints immer eine Lücke zu finden – jenem „Casino“, wie er es selbst am Freitag nannte. Dabei musste er diesmal ohne seinen etatmäßigen Anfahrer und Freund Bert Van Lerberghe auskommen, der die schweren Pyrenäen-Etappen nicht überstanden hatte.

Von Jasper Stuyven unterstützt, erfand sich Merlier im Finale neu. Nachdem er zunächst das Hinterrad seines Teamkollegen verloren hatte, kämpfte er sich wieder nach vorne, zog an seinen Konkurrenten vorbei und feierte seinen vierten Tour-de-France-Etappensieg nach Pontivy (2021) sowie Dunkerque und Châteauroux (2025).

Alex Kirsch (Cofidis) war etwa drei Kilometer vor dem Ziel an der Spitze des Pelotons zu sehen. Der 34-Jährige bereitete den Sprint seines Teamkollegen Milan Fretin vor, der am Ende aber nur 13. wurde.

Ergebnisse

113. Tour de France, 7. Etappe: Hagetmau - Bordeaux (175,1 km): 1. Tim Merlier (Belgien/Soudal Quick-Step) 3:44:20 Stunden, 2. Sören Wärenskjold (Norwegen/Uno-X Mobility), 3. Biniam Girmay (Eritrea/NSN Cycling Team), 4. Max Kanter (Deutschland/XDS Astana), 5. Jasper Philipsen (Belgien/Alpecin-Premier Tech), 6. Phil Bauhaus (Deutschland/Bahrain-Victorious), 7. Huub Artz (Niederlande/Lotto Intermarché), 8. Dorian Godon (Frankreich/Netcompany Ineos), 9. Mads Pedersen (Dänemark/Lidl-Trek), 10. Tom Van Asbroeck (Belgien/NSN Cycling Team) alle gleiche Zeit, ... 111. Alex Kirsch (Luxemburg/Cofidis) 1:13

Stand in der Gesamtwertung nach 7 von 21 Etappen: 1. Tadej Pogacar (Slowenien/UAE Team Emirates-XRG) 24:56:17 Stunden, 2. Jonas Vingegaard (Dänemark/Team Visma|Lease a Bike) 2:42 Minuten zurück, 3. Isaac Del Toro (Mexiko/UAE Team Emirates-XRG) 3:27, 4. Remco Evenepoel (Belgien/Red Bull-BORA-hansgrohe) 3:30, 5. Juan Ayuso (Spanien/Lidl-Trek) 3:34, 6. Paul Seixas (Frankreich/Decathlon CMA CGM Team) 3:55, 7. Florian Lipowitz (Deutschland/Red Bull-BORA-hansgrohe) 4:00, 8. Lenny Martinez (Frankreich/Bahrain-Victorious) 4:21, 9. Mattias Skjelmose (Dänemark/Lidl-Trek) 4:57, 10. Mathias Vacek (Tschechien/Lidl-Trek) 7:10, ... 117. Kirsch 1:24:32

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