Nationalmannschaft
Mehr als eine helfende Hand: Liz Thill über ihre Rolle als Betreuerin
Ein offenes Ohr, Erfahrung und eine Leidenschaft, für die ihr keine Minute zu viel ist: Liz Thill bringt seit über 20 Jahren alle erforderlichen Qualitäten einer geschätzten Teambetreuerin mit. Ein Einblick in ihre To-do-Liste.
Bevor die Metallboxen in den Transporter geladen werden, steht die Gewichtskontrolle in den FLF-Räumen an: 32 Kilogramm sind die Obergrenze, um Zusatzkosten zu vermeiden Foto: Editpress/Alain Rischard
Das Handy klingelt. Liz Thill greift in die Tasche. „Es könnte ja sein, dass Dan (Santos, der Nationaltrainer) etwas braucht.“ Obschon die Titelmelodie von „Mission impossible“ ertönt, scheint es nicht so, als könne man sie nach über 20 Jahren in dieser Rolle noch vor unüberwindbare Hürden stellen. Als Begleiterin der Damennationalmannschaft – erst als Assistentin von Coach Romain Jean auf der Bank und später im Betreuerinnen-Aufgebot von Ray Pie – hat Thill in ihrer Zeit bei der FLF schon so einiges miterlebt.
„Jeden Tag“ fragt sie sich heute noch, wie ihre eigene Karriere verlaufen wäre, wenn die Fußballerinnen zu ihrer aktiven Zeit unter gleichen Bedingungen hätten trainieren und international antreten können. „Ich habe 25 Jahre lang Fußball gespielt, auf fast jedes Familienfest verzichtet. Irgendwann hatten die sich damit abgefunden.“ Mit dem Progrès Niederkorn feiert sie ihre größten Erfolge und Titel, qualifiziert sich mit den Gelb-Schwarzen unter anderem für den Europapokal. Das zweite Steckenpferd: Handball. Den Sport, den sich die Eltern für sie ausgesucht hatten.
Trainiert wurde fast jeden Tag, in einer der beiden Disziplinen. „Als Polizistin schaffte ich es trotz der drei Schichten, vier bis fünfmal die Woche zu trainieren. Ich war immer zur Stelle – mit Ausnahme der beiden Sperren.“ Zweimal sah sie als Libero Rot. Berufsrisiko sozusagen.
In ihrer Mappe: die neue Brille und Unterlagen für die Auswärtsreise Foto: Editpress/Alain Rischard
Noch heute, mit 66 Jahren, stellt sich Thill freiwillig in den Dienst einer Generation, der sich deutlich mehr Chancen und Möglichkeiten im Fußball bieten. Die Jugendtrainerin der U13-Mädchen des RFCU Lëtzebuerg hat allerdings aus Zeitgründen entschieden, nur noch bei der A-Auswahl als Begleiterin zu dienen. „Früher habe ich die Hälfte meines Urlaubs investiert, um dabei zu sein.“ Sylvie Vidal, ihre Betreuer-Kollegin, hat da schon etwas mehr Glück: Sie kann mittlerweile vom rezent eingeführten Sporturlaub profitieren.
Gewöhnen musste sich Thill auch daran, dass für die Spielerinnen Dinge elementar geworden sind, die früher nebensächlich waren: „Sie wissen, dass sie gefilmt oder fotografiert werden. Ich kannte das damals so nicht, dass gutes Aussehen so eine große Bedeutung hatte. Aber da bilden die männlichen Spieler keine Ausnahme.“ Die Gesellschaft und die Mentalität haben sich verändert, sagt sie. „Da muss man Fingerspitzengefühl beweisen und Wasser in den Wein schütten.“
Routine, aber auch vielfältig und spontan
Der gegenseitige Respekt ist groß. Viele Racing-Spielerinnen kennen Thill von Kindesbeinen an, andere begegnen ihr am Samstag als „Buvettes-Fra“. Obschon vielleicht nicht jede Nationalspielerin mit der Vergangenheit der Verteidigerin vertraut ist, wird ihre Präsenz im Trainingslager geschätzt. „Ich bin komplett integriert in das Team.“
Joëlle Hinna hat schon tausende Trikots gewaschen, gefaltet und für den Einsatz vorbereitet Foto: Editpress/Alain Rischard
Für die Spielerinnen ist Thill als Betreuerin eine Anlaufstelle für alle Alltagssorgen und Probleme: Wäsche, eine schnelle Besorgung oder als Begleitung für eine spontane medizinische Untersuchung – ihre Aufgabenfelder könnte vielfältiger und spontaner kaum sein. Dennoch mag die Ex-Polizistin Struktur, Ordnung und Kontrolle. In ihrer schwarzen Mappe befinden sich Listen der Kleidungsstücke für die Schottland-Reise, alles andere wird in Monnerich vor Ort mit Joëlle Hinna abgeklärt. Die Chefin der Waschküche ist seit 20 Jahren bei der FLF eingestellt und kennt jeden Ablauf: das Abzählen der frisch gewaschenen Trikotsätze, die Nachkontrolle der aufgedruckten Namen und Ziffern, das Befüllen der Metallkisten für die internationalen Einsätze.
Für nicht weniger als zwölf dieser Boxen sowie drei bis vier weitere Gepäckstücke sind Thill und Vidal auf der Auswärtsreise zuständig – von Luxemburg bis nach Glasgow und wieder zurück in die Monnericher Lagerräume. Auch hier hat die Erfahrung gezeigt: Vorbeugen ist besser, was Wetterkapriolen angeht. „Selbst wenn es jetzt ein wenig wärmer wurde, haben wir Decken eingepackt. Zudem werden wir den Spielerinnen eine dickere Jacke mitgeben.“ Mittlerweile werden die Kisten in Monnerich abgewogen, um den Vorgaben der Fluggesellschaften zu entsprechen.
Die frühere Polizistin hat ein Auge für Details Foto: Editpress/Alain Rischard
Im Hotel angekommen, heißt es dann wieder auspacken und abzählen. Socken – der Gegenstand, der gerne mal verloren geht – sind in ausreichender Anzahl vorgesehen. Normalerweise warten vor Ort auch drei Säcke mit Bällen auf die Delegation. Steht ein Wäschedienst im Hotel zur Verfügung, klären die Betreuerinnen die Uhrzeiten ab, ansonsten muss eine Alternative in der Umgebung gefunden werden – um Trainingskleidung zu waschen und zu trocknen.
Für jede Spielerin sind sowohl bei Heimspielen als auch auswärts zwei „Matchday-“Trikots vorgesehen. Der zweite Satz an Shirts liegt bei Anpfiff auf der Auswechselbank: Sollte ein Trikotwechsel nötig sein, muss es zügig gehen. „Dann muss ich aufspringen und schnell handeln.“ Und selbst wenn ihr Klingelton etwas anderes besagt – eine „Mission impossible“ sind diese Anforderungen für Thill nicht. Stattdessen genießt sie es, aus der Nähe mitzuerleben, was in all diesen Jahren (auch dank ihrer Hilfe) aus den Luxemburger Damen geworden ist.
Die blauen Zahlen auf den Boxen sind das Erkennungszeichen: Dies ist das Material der FLF-Damen Foto: Editpress/Alain Rischard
In der Nähe von Joëlle Hinna duftet es immer nach frischer Wäsche Foto: Editpress/Alain Rischard
Auch für die Physiotherapeuten und das medizinische Personal stehen stressige Tage an: In den vergangenen Tagen wurde auf die Auswärtsreise gepackt Foto: Editpress/Alain Rischard
Ordnung muss sein: In der Waschküche wird alles sortiert und gelagert Foto: Editpress/Alain Rischard