FC Mamer 32
Manchmal helfen auch Fritten bei der Mission Klassenerhalt
Von der roten Laterne in Richtung Klassenerhalt. Der FC Mamer 32 wurde in den vergangenen Monaten von Trainer Frédéric Herinckx wiederbelebt. Verbundenheit, Simplizität und ein paar spezielle Erziehungsmethoden gehören zum Konzept des Belgiers beim Underdog.
Noch immer sehr wichtig: Mamers Torjäger Mickaël Jager Foto: Editpress/Luis Mangorrinha
Am Montag schien für Frédéric Herinckx im wahrsten Sinne des Wortes die Sonne: Der belgische Trainer feierte seinen 49. Geburtstag, freute sich über den 1:0-Sieg des FC Mamer 32 am Vortag gegen Hesperingen – und das alles bei frühlingshaften 18 Grad.
Derzeit läuft es für den Aufsteiger in der BGL Ligue nach Plan. Seit Rückrundenauftakt holte Mamer aus fünf Spielen neun Punkte und katapultierte sich vom letzten Platz auf den ersten Relegationsplatz. Die Renaissance nach einer grauen Hinrunde begann, als Herinckx am 11. November das Traineramt von seinem Vorgänger Dean Léen übernahm. Vor Herinckx waren Mamer in zwölf Partien nur neun Punkte gelungen. Vor allem aber ging Mamer an neun aufeinanderfolgenden Wochenenden achtmal baden und holte nur ein Remis. Seit November wurden insgesamt zwölf Punkte geholt. „An einem guten Tag sind wir in der Lage, fast jede Mannschaft in der Liga zu schlagen“, sagt Herinckx.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Belgier als Feuerwehrmann einspringt – und damit Erfolg hat. Mit Rodange gelang ihm 2024 der Aufstieg, nachdem die Mannschaft zu Beginn der Saison im Tabellenkeller wiederzufinden war. 2025 gelang ihm mit Mersch fast ein identisches Meisterstück. „Ich setze auf sehr simple und effiziente Prinzipien. Mir ist es wichtig, dass in der Kabine eine gute Stimmung herrscht und sich jeder betroffen fühlt.“
Das sind nicht nur leere Worthülsen, denn unter Herinckx kamen seit seinem Amtsantritt bereits 26 verschiedene Spieler zum Einsatz. Junge Spieler wie Maxence Agnoly, Yaël Mendes, Julien Maurice und Djibril Badji durften wertvolle Minuten sammeln. „Wenn jemand es verdient, zu spielen, dann bekommt er auch seine Chance. Das sage ich den Spielern immer und ich bin bekannt dafür, dieses Versprechen auch zu halten. Aktuell bin ich sehr zufrieden mit der Dynamik innerhalb der Mannschaft, denn ich spüre, dass sich jeder investiert.“
Gelegentlich setzt der 49-Jährige aber auch Reizpunkte, um das Beste aus seinen Spielern herauszuholen. So wie bei Torwart Max Schreiber, der lange konkurrenzlos die Nummer eins war, dann aber zum Rückrundenauftakt durch Neuzugang Pépé Bonet ersetzt wurde. „Er hat sich zu sehr auf seiner Rolle als Nummer eins ausgeruht. Als ich Bonet eingesetzt habe, hat er sofort reagiert und ist seitdem in sehr guter Form“, sagt Herinckx über den Deutschen.
Manche Spieler mussten Herinckx und der Verein aber auch mit Spezialmethoden behandeln. Nach seiner Kopfnuss gegen den Differdinger Boris Mfoumou stand Verteidiger Yannick Biagui vor dem Rauswurf. Der Trainer legte jedoch sein „sportliches Veto“ ein und überließ dem Verein die Festlegung des Strafmaßes. Herauskamen eine dicke Geldstrafe und ein Tag als Ehrenämtler. Bei den Heimspielen des FC Mamer 32 half Biagui bei der Zubereitung der Fritten. „Ich als Belgier kann zwar bestätigen, dass seine Pommes gut waren, allerdings haben wir beide Heimspiele verloren, deshalb bin ich mir nicht sicher, ob er sich dieser Aufgabe noch einmal annehmen sollte“, lacht Herinckx und fügt in einem ernsteren Ton hinzu: „Wir brauchen ihn in den nächsten Wochen, deshalb hoffe ich, dass er diese Lektion gelernt hat.“
Neues und altes Blut
Zu den Vorbildern der Mannschaft gehört zweifelsohne Mickaël Jager. Der Stürmer ist mittlerweile 37 Jahre alt und noch immer nicht müde. Der Franzose hat bereits neun Tore auf seinem Konto stehen – davon sieben Elfmeter. „Mickaël ist nach wie vor ein hart arbeitender Spieler, der nicht mogelt und immer positiv ist. Ein wahrer Kapitän und ein Spieler, der für mich auf dem Platz eine helfende Hand ist“, so Herinckx, der auch beweist, dass die beiden Mittelstürmer Jager und Deniz Muric zusammen auf dem Platz stehen können. Letztgenannter erzielte bei den Siegen gegen die Jeunesse (2:1) und Düdelingen (3:1) die entscheidenden Tore.
Ein Schlüssel des Erfolgs ist auch der gute Wintermercato des FC Mamer 32. Obwohl mit Hugo Vialette ein wichtiges Puzzlestück den Verein verließ, konnten einige Lücken geschlossen werden. Mit Bilal Chabani wurde ein talentierter Mittelfeldspieler vom Racing ausgeliehen und mit Axel Ezan ein robuster Verteidiger aus Frankreich geholt. Nicht ohne Stolz erzählt Herinckx, dass ihm im Winter immer wieder Glücksgriffe gelangen. „Bei Rodange habe ich im Winter Atieda geholt (27 Tore für Rodange in eineinhalb Jahren, Anm. d. Red.) und in Mersch ist David Dadashev im Winter zu uns gestoßen. Es hat nicht immer etwas mit gutem Scouting zu tun, man muss neben dem Gespür auch Glück haben.“
Trotzdem ist in Mamer noch nicht alles Gold, was glänzt. Zehn Spieltage vor Schluss hat der Aufsteiger drei Punkte Rückstand auf das rettende Ufer und vier Punkte Vorsprung auf den ersten direkten Abstiegsplatz. In den kommenden Wochen stehen gleich drei Duelle mit direkten Konkurrenten an (siehe Infobox). „Zurzeit sind über die Hälfte der BGL-Ligue-Mannschaften noch nicht gerettet, auch Niederkorn nicht. Es wird bis zum Schluss gegen den Abstieg gekämpft werden“, prophezeit Herinckx. Sollte der erstmalige Klassenerhalt in der BGL Ligue gelingen, hätte Yannick Biagui wohl nichts dagegen, ein weiteres Mal das Frittenfett zum Brutzeln zu bringen.
Programm
Die vergangenen fünf Spiele:
Swift - Mamer 0:1
Mamer - Mondorf 0:1
F91 - Mamer 1:3
Mamer - Jeunesse 2:1
D03 - Mamer 5:0
Die nächsten fünf Spiele:
15.3.: Rosport (H)
22.3.: Petingen (A)
4.4.: Strassen (H)
12.4.: Niederkorn (A)
19.4.: Käerjeng (H)
Trainer Frédéric Herinckx (hier noch im Dress von Rodange) Foto: Editpress/Gerry Schmit