Finanzskandal
Manchester-Titel für den „Mülleimer“: Droht „Sham City“ der Zwangsabstieg?
Nach dem Schuldspruch im Finanzskandal für Manchester City steht Englands Fußball unter Schock. Das Wort Zwangsabstieg macht schon die Runde, der Zorn der Fans ist riesig.
Erling Haaland ist einer der internationalen Topstars, die aktuell für Manchester City auflaufen Foto: AFP/Peter Powell
Geldstrafe? Punktabzug? Oder kommt es tatsächlich zum ganz großen Knall? Am Tag nach dem Betrugs-Beben rund um Manchester City reden sich Experten und Fans die Köpfe heiß, wie die Schuld des Scheichklubs im riesigen Finanzskandal der Premier League gesühnt werden muss. Die Rufe nach einem Zwangsabstieg für das betrügerische „Sham City“ werden immer lauter.
„Beispiellose Strafe erforderlich“
„Ich glaube tatsächlich, dass wir City absteigen sehen werden“, sagte Wayne Rooney, die Legende vom Stadtrivalen United. Der 40-Jährige würde die Skyblues nicht nur in die zweite Liga schicken, sondern noch tiefer runter – und zudem mit Punktabzügen belegen. „Wenn sie beispielsweise in den nächsten drei Jahren jeweils 20 Punkte Abzug bekommen würden, würden Spieler nicht bei ihnen bleiben wollen“, sagte Rooney: „Bei einer Saison in der zweiten Liga könnte man Spieler dagegen vielleicht noch zum Bleiben bewegen.“
Der ehemalige United-Kapitän Roy Keane ätzte, er würde seine Trophäen „in den Mülleimer werfen“, wäre er ein Spieler von City. Der Klub wusste, dass er mit dem systematischen Betrug „vielen Menschen sehr wehtun würde, aber sie haben es trotzdem getan“. Und der ehemalige Nationalspieler Ian Wright meinte: „Ich habe das Gefühl, dass hier eine beispiellose Strafe erforderlich ist.“
Die Entscheidung über die Sanktionen gegen City, den Klub von Stars wie Erling Haaland, Phil Foden oder Enzo Fernandez, steht noch aus. Für die Verstöße in den Jahren zwischen 2009 und 2018 wären ein Punktabzug, eine Geldstrafe, eine Transfersperre, die Aberkennung von Titeln – oder aber auch ein Zwangsabstieg möglich.
„Unwiderlegbare Beweise“
Eine Horde an teuren Anwälten arbeitet unter Hochdruck daran, dass der Klub diesem Horrorszenario noch entkommt. Bis Freitag hat City Zeit, bei der Liga Einspruch einzulegen. Geschäftsführer Ferran Soriano bezeichnete das Verfahren als das Ergebnis einer „Verschwörungstheorie der Premier League“ und ist überzeugt, dass es keinerlei Sanktionen geben wird. Man verfüge über „unwiderlegbare Beweise“, die die eigene Unschuld belegen sollen.
Doch in der größten Liga der Welt scheint der Glaube an einen fairen Wettbewerb längst zerstört zu sein. Schließlich ist der vorgelegte Bericht der Premier League außerordentlich deutlich. City habe über Jahre systematisch betrogen, Scheinverträge abgeschlossen und so Kosten von rund einer Milliarde Euro verschleiert.
Auch für Edelfan Noel Gallagher war der Schuldspruch „ein Schock“, sagte der Rockstar von Oasis: „Insgesamt ist es einfach ziemlich traurig. Traurig für die Fans und die Spieler.“ Die Liga könnte Titel aberkennen, doch die Erinnerungen an Siege und Triumphe würden bleiben. „Wir wissen, was wir gesehen haben – sie haben es auf dem Platz gewonnen“, sagte Gallagher.
Seit der Übernahme durch Scheich Mansour Bin Zayid Al Nahyan im Jahr 2009 hat City achtmal die Premier League gewonnen. Drei dieser Titel fallen in den Zeitraum, in dem dem Klub Verstöße gegen die Finanzregeln nachgewiesen wurden. „Beschmutzt“ der Skandal die Erfolge, fragte Gallagher: „Ich nehme an, in den Augen aller anderen in England schon.“ Und so fordern viele aufgebrachte Fans einen Zwangsabstieg.