Radsport

Kluckers stürzt, Pogacar jubelt: So lief die Flandern-Rundfahrt am Sonntag

Landesmeister Arthur Kluckers (Tudor) zeigte sich bei der Flandern-Rundfahrt stets gut positioniert, musste sein Rennen nach einem Sturz aber aufgeben. Der Sieg ging an den großen Favoriten Tadej Pogacar

Arthur Kluckers stürzt bei der Flandern-Rundfahrt, Radunfall während Profi-Radrennen in Belgien

Arthur Kluckers hatte großes Pech und stürzte bei der Flandern-Rundfahrt Foto: Tudor Pro Cycling/Facebook

Immer wieder blitzte das rot-weiß-blaue Landesmeistertrikot von Arthur Kluckers am Sonntag bei der Flandern-Rundfahrt in den TV-Bildern auf. Immer wieder zeigte sich der 26-Jährige ganz vorne im Feld, immer wieder arbeitete er für seine Teamkollegen. Doch dann, etwa 106 Kilometer vor dem Ziel, wurde sein Landesmeistertrikot plötzlich zum Hauptdarsteller. Kluckers hatte einen Platten, rutschte im hohen Tempo weg, fiel in den Graben und überschlug sich.

„Ich hatte vorne einen Platten und dachte am Anfang noch, dass ich ein wenig weiterfahren kann“, schildert Kluckers die Situation. „Dann kam eine Welle und ich hatte gar keine Luft mehr. Ich konnte nicht mehr bremsen, wir waren in einer Abfahrt. Ich konnte nur noch kontrollieren, ob ich auf den Asphalt oder ins Gras stürze. Ich habe dann das Gras gewählt.“

Sturz zum ungünstigsten Zeitpunkt

Es war ein denkbar ungünstiger Moment im Rennen für einen Sturz. Kurz nachdem Kluckers zu Boden gegangen war, zog Nils Politt (UAE) das Tempo enorm an. Kluckers stand zwar sofort wieder auf und fuhr mit einem Ersatzrad weiter, schaffte jedoch nie mehr den Anschluss. „Es war einer der Schlüsselmomente im Rennen. Ich wusste schnell, dass mein Rennen vorbei war.“

Kluckers beendete das Rennen schließlich vorzeitig. Am Teambus machten sich dann doch Schmerzen bemerkbar. „Am Körper ist nichts, aber ich spüre meinen Kopf. Als ich gestürzt bin, bin ich schnell aufgestanden und war erleichtert. Ich wusste sofort, dass nichts gebrochen ist. Aber es war natürlich sehr schade, weil ich gut positioniert war. Bis dahin lief alles gut.“

Auch Leader Matteo Trentin stürzte nach dem Koppenberg und musste das Rennen vorzeitig mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch beenden. „Es war sicher kein erfolgreicher Tag für uns, aber es gibt auch positive Dinge, die wir mitnehmen. Das alles gehört leider zu den Klassikern dazu“, sagt Kluckers, der sich nun erholen will und am Sonntag bei Paris-Roubaix erneut angreifen möchte.

Pogacar und die nächste Show

Die Show von Tadej Pogacar konnte Kluckers also im Teambus verfolgen. Der Slowene breitete die Arme aus und rollte abgekämpft, aber zufrieden grinsend ins Ziel der Flandern-Rundfahrt. Der slowenische Weltmeister ist dank der nächsten Machtdemonstration zu seinem dritten Sieg beim prestigeträchtigen Frühjahrsklassiker geflogen. Auch beim Spektakel in Belgien fuhr der Radsport-Dominator in seiner eigenen Liga.

„Das war ein verrücktes Rennen heute. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es war superhart, aber es ist gut für mich ausgegangen“, sagte Pogacar, der im dritten Rennen den dritten Saisonsieg feierte: „Bislang läuft alles perfekt, und ich kann mehr als happy sein.“

Dritter Triumph in Flandern

Pogacar, der bereits 2023 und 2025 bei der „Ronde van Vlaanderen“ triumphiert hatte, setzte sich nach der 278 Kilometer langen Tortur mit sechs Kopfsteinpflastersektoren und 16 giftigen Anstiegen im Solo durch. Er verwies in einem atemlosen Showdown der Topstars den Niederländer Mathieu van der Poel auf den zweiten Rang. Remco Evenepoel feierte ein starkes Debüt in seiner Heimat – der neue Spitzenfahrer des Teams Red Bull-Bora-hansgrohe kämpfte sich als Dritter ins Ziel.

Baskenland: Seixas siegt

Das französische Ausnahmetalent Paul Seixas (Decathlon) hat am Montag die 1. Etappe der Baskenland-Rundfahrt (2. UWT) gewonnen. Beim 13,8 Kilometer langen Zeitfahren rund um Bilbao war er 23 Sekunden schneller als sein Landsmann Kevin Vauquelin (Ineos Grenadiers) und 27 Sekunden schneller als Felix Großschartner (UAE) aus Österreich. Die Luxemburger gingen das Zeitfahren entspannt an: Luc Wirtgen (Tudor) wurde 142. (+3:13 Minuten), Kevin Geniets (Groupama-FDJ) 148. (+3:51 Minuten) und Mathieu Kockelmann (Lotto-Intermarché) belegte am Ende den 152. und somit letzten Platz (+5:56 Minuten). Das Etappenrennen endet am Samstag.

17 km vor dem Ende setzte Pogacar am Oude Kwaremont die entscheidende Attacke und schüttelte damit auch noch seinen ärgsten Rivalen Van der Poel ab. Kurz darauf rollte er nach insgesamt 6:20 Stunden alleine durchs Ziel und zog in den Geschichtsbüchern mit dem Niederländer gleich, der sich den Siegrekord bei der Flandern-Rundfahrt nun mit einem weiteren Radfahrer teilen muss.

Pogacar sei einfach „ein Level über allen anderen. Es wird sehr schwer, ihn zu schlagen“, hatte Van der Poel (Alpecin-Premier Tech) schon vor der 110. Ausgabe des Rennens geunkt. Dennoch peilte er seinen vierten Erfolg in Flandern und damit den alleinigen Siegrekord an. Nach dem Start ging es für Van der Poel und Co. zunächst recht kontrolliert zu, einzig das Schließen einer Bahnschranke sorgte für Unruhe – und eine kurze Neutralisierung des Rennens im Peloton.

Ein Nadelstich reicht

Etwa zur Hälfte des Rennens mussten die Fahrer dann zum ersten Mal über den Oude Kwaremont, traditionell die Schlüsselstelle des Rennens. Die Topfavoriten hielten sich zu diesem Zeitpunkt noch zurück – ganz im Gegensatz zu den Tausenden Radsport-Fans, die die Straßen säumten und für Volksfeststimmung sorgten.

101 km vor dem Ende machte Pogacars Team UAE Emirates-XRG erstmals ernst, verschärfte das Tempo und sprengte das zuvor große Fahrerfeld. Die Favoriten, darunter die drei Ex-Weltmeister Van der Poel, Mads Pedersen (Dänemark/Lidl-Trek) und Evenepoel, waren allesamt Teil der prominenten Verfolgergruppe. Sie holten wenig später die Spitzengruppe ein und läuteten bei zwischenzeitlichem Regen die entscheidende Phase ein.

Tadej Pogacar überquert als Sieger die Ziellinie der Flandern-Rundfahrt 2024 am Sonntag

Tadej Pogacar gewann am Sonntag die Flandern-Rundfahrt Foto: AFP/Eric Lalmand

Als es 57 km vor dem Ende zum zweiten Mal über den Oude Kwaremont ging, setzte Pogacar den ersten Nadelstich – und schon war das Favoritenduo Pogacar - Van der Poel unter sich. Pedersen und Van Aert mussten reißen lassen, Evenepoel konnte ebenfalls nicht mitgehen, auch wenn er noch einmal bis auf wenige Meter herankam. „Wir wollten nicht, dass Remco noch mal zurückkommt, denn ich weiß, wie gut seine Ausdauer ist und dass er dich am Ende immer schlagen kann“, verriet Pogacar nachher. Am Ende war dann auch Van der Poel chancenlos.

Pogacar geht damit mit Rückenwind in seine nächste große Mission. Nach dem Sieg bei Mailand-Sanremo im März will er kommenden Sonntag auch zum ersten Mal das legendäre Paris-Roubaix gewinnen und seine Titelsammlung bei den fünf wichtigsten Rad-Klassikern vervollständigen. „Ich kann motiviert nach Roubaix blicken und werde versuchen, das Kopfsteinpflaster dort zu genießen“, sagte der Seriensieger.

Im Überblick

110. Flandern-Rundfahrt, Eintagesrennen in Belgien von Antwerpen nach Oudenaarde (278,2 km):
1. Tadej Pogacar (Slowenien/UAE Emirates-XRG) 6:20:07 Stunden, 2. Mathieu van der Poel (Niederlande/Alpecin-Premier Tech) 0:34 Minuten zurück, 3. Remco Evenepoel (Belgien/Red Bull-Bora-hansgrohe) 1:11, 4. Wout van Aert (Belgien/Visma-Lease a Bike) 2:04, 5. Mads Pedersen (Dänemark/Lidl-Trek) 2:48, 6. Jasper Stuyven (Belgien/Soudal Quick-Step) 4:28, 7. Florian Vermeersch (Belgien/UAE Emirates-XRG) gleiche Zeit, 8. Matej Mohoric (Slowenien/Bahrain Victorious) 4:30, 9. Christophe Laporte (Frankreich/Visma-Lease a Bike) 5:22, 10. Gianni Vermeersch (Belgien/Red Bull-Bora-hansgrohe) gleiche Zeit
DNF Arthur Kluckers (Luxemburg/Tudor)

Ärger mit der Bahn: Pogacar brettert bei Rot übers Gleis

Die Konkurrenz konnte Tadej Pogacar nicht einfangen, und vom belgischen Bahnverkehr ließ sich der Radsport-Superstar bei der Flandern-Rundfahrt auch nicht aufhalten. Und das könnte dem Slowenen womöglich etwas Ärger einbringen. Auf dem Weg zu seinem dritten Sieg bei der „Ronde“ hatte Pogacar wie eine Vielzahl anderer Fahrer, wie Red-Bull-Star Remco Evenepoel, nicht an einem roten Warnlicht vor einem Bahnübergang angehalten – das untersagen sowohl die Rad- als auch die Verkehrsgesetze.

„Das war nicht schön. Nicht einmal zehn Meter vor dem Übergang sind drei Männer auf die Straße gesprungen und haben gewunken, um uns anzuhalten“, sagte Pogacar. Bei den Personen handelte es sich um Rennkommissäre, was Pogacar aber in der Hektik durchging: „Ich habe gedacht, vielleicht sind es Demonstranten oder so etwas. Und dann war das Feld auch schon geteilt.“

Um zu stoppen, sei die Vorwarnzeit zu kurz gewesen, sagte Pogacar, die Gefahr eines Sturzes bei einer Vollbremsung zu groß. Belgischen Medien zufolge könnte den betreffenden Fahrern eine Geldstrafe von 320 Euro und sogar ein kurzzeitiger Entzug des Führerscheins drohen. Die Durchsetzung einer verkehrsrechtlichen Sanktion dürfte aber eher unwahrscheinlich sein.

Derlei Vorfälle an Bahnübergängen geschehen bei den europäischen Klassikern nicht selten. Es gab bereits heikle Szenen, als Fahrer gesenkte Schranken umkurvten. Logistisch ist es nicht möglich, bei einem Rennen über teils weit mehr als 200 km mit zwangsläufigen Gleisüberquerungen den Bahnverkehr passgenau zu stoppen – dass Fahrer damit durch Wartezeiten benachteiligt werden, ist nicht vermeidbar.

Die Rennleitung verzichtete am Sonntag darauf, Pogacar und andere Profis zu bestrafen, das Reglement hätte eine Disqualifikation hergegeben. Blechen musste Pogacar dennoch: Für Müllentsorgung außerhalb der vorgesehenen Zonen wurde er mit einer Buße von 500 Schweizer Franken (542 Euro) belegt – der bestbezahlte Radsportler der Welt konnte das verschmerzen.

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