25-jähriges Jubiläum
Karate in Niederanven: Aus der Garage zum Weltmeisterverein
Der Karate Club Niederanven hat in der vergangenen Woche Jubiläum gefeiert. Aus einer Idee von „Mammen hëllefe Mammen“ hat sich ein erfolgreicher Sportverein entwickelt. Nach 25 Jahren an der Spitze gab auch die Gründerin die Geschicke „ihres Babys“ ab.
Kimberly Nelting gewann 2017 Gold bei der Junioren-WM – die erste überhaupt für Luxemburg Foto: Editpress/Luis Mangorrinha
Kinder in weißen Kimonos präsentieren stolz ihren Eltern die neuen Gürtel. Diese wurden ihnen zuvor auf einer Bühne überreicht. Sie sind Zeichen ihres Fortschritts im Karate. Der lokale Verein aus Niederanven hält an diesem Dienstagabend in der vergangenen Woche im „Centre polyvalent a Schommesch“ in Oberanven seine Hauptversammlung ab.
Doch für den „Karate Club Niederanven“ steht auch ein Jubiläum an. Der Verein wurde vor 25 Jahren gegründet – ein emotionaler Tag, der neben aktiven auch viele ehemalige Mitglieder anlockt. Die Geschichte des Clubs, der erfolgreiche Athleten wie Alexander Davies sowie Kimberly Nelting hervorgebracht hat, geht auf die Idee einer Frau zurück: Carine Feider.
Wir trainierten barfuß auf Linoleum – Blasen blieben nicht aus
Carine Feider
Vereinsgründerin
Von „Mammen hëllefe Mammen“ gegründet
„Ich war damals Sekretärin bei ‚Mammen hëllefe Mammen‘“, sagte Feider dem Tageblatt zur Gründung. Die Organisation bot damals bereits Gymnastik- und Tanzkurse an. „Wir hatten die Idee, auch etwas anderes zu machen – und sind bei Karate gelandet.“ Zunächst gab es aber noch keinen Karateverein. Die ersten Trainings liefen noch unter „Mammen hëllefe Mammen“. Den Trainer hatte damals der Karateclub aus Walferdingen vermittelt. „Als wir immer mehr Mitglieder hatten, habe ich die Initiative zur Gründung eines eigenen Clubs ergriffen.“ Das war 2001 – also vor 25 Jahren. Bereits im April 2002 zählte der Verein 68 Mitglieder und wurde Mitglied im damaligen nationalen Kampfsportverband.

Carine Feider wurde für ihr langes Engagement im Verein geehrt Foto: Editpress/Julien Garroy
Ein junger Verein benötigt Geld. Daher startete der Karateclub im Herbst 2002 eine Aktion, bei der Äpfel für Viez gesammelt wurden. Der Bongert gehörte einem Gründungsmitglied. Zweimal wurde die Aktion wiederholt. „Ich hatte noch lange Apfelsaft im Keller stehen“, so Feider in ihrer Rede.
Lyrische Blüten
„Der Verein wuchs und benötigte einen größeren Saal“, sagte Feider. Die Gemeinde bot einen Raum an, den man sich mit dem Tischtennis teilen musste. „Wir trainierten barfuß auf Linoleum – Blasen blieben nicht aus.“ Die gemeinsame Nutzung mit einem anderen Verein bedeutete Schwierigkeiten. Vor und nach jedem Training mussten Geräte auf- und abgebaut werden. Das führte zu Spannungen. „Diese brachte der Tischtennis in lyrischen Blüten über unseren Club zum Ausdruck.“ Doch es kam Besserung: Seit 2005 kann der Karateclub seinen eigenen Saal im Sportzentrum nutzen.

„A Schommesch“ war gut besucht Foto: Editpress/Julien Garroy
Während des Abends fiel immer wieder der Spruch „Vom Garagenclub zum Weltmeisterverein“ als Anspielung auf die bescheidenen Anfänge des Clubs – und die Jugendweltmeisterin Kimberly Nelting. Gemeint ist allerdings eine ehemalige Feuerwehrkaserne in Niederanven. Dort trainierten die ersten Kinder, bis der Saal zu klein wurde. „Man konnte keine Kata üben“, so Feider. Das sagte damals Luciano Menei, der erste Trainer des Vereins. Bei Kata handelt es sich um eine Übungsform, die aus Kämpfen gegen imaginäre Gegner besteht.
Erste Talente
Nicht nur der Verein selbst feierte 25 Jahre, auch Carine Feider stand als Präsidentin seit Beginn an der Spitze und hat die komplette Entwicklung geprägt. „Zu Beginn waren wir nur ein kleiner Verein, in dem die Kinder Freizeitkarate betrieben.“ Langsam, aber sicher kam die Entwicklung, und die ersten Talente kristallisierten sich heraus. „Diese wurden dann in den Nationalkader aufgenommen.“

Alexander Davies gewann kurz vor der Feier Silber bei der U-21-WM Foto: Editpress/Julien Garroy
Auch internationale Erfolge konnten in dieser Zeit gefeiert werden. „Das war die erste Generation von Athleten mit guten Resultaten.“ Doch viele davon gingen dem Verein verloren, als sie ins Ausland studieren gingen. „Dann kommt man in ein kleines Loch.“ Mit U-21-Vizeweltmeister Alexander Davies steht aber schon die nächste Generation in den Startlöchern.
Nach 25 Jahren ist Schluss
Carine Feider ist vor allem stolz auf das, was Athleten, Trainer und Vorstand gemeinsam geleistet haben. Und erinnert sich an viele schöne Momente zurück. Darunter, Kindern die Freude am Sport zu vermitteln oder die emotionalen Höhepunkte mit Kimberly Nelting und Alexander Davies. Erstere gewann etwa 2017 Gold bei der Junioren-WM – die erste überhaupt für das Großherzogtum.

Kimberly Nelting gratulierte per Videobotschaft aus Berlin, wo sie studiert Foto: Editpress/Tun Stemper
Mit der Geburtstagsfeier schließt sich für Feider aber auch ein Kreis: Nach 25 Jahren an der Spitze ihres Vereins tritt sie als Präsidentin zurück. „Der Zeitpunkt fühlt sich richtig an.“ Sie bleibt dem Verein aber noch erhalten. „Er war immer mein Baby.“ Symbolisch übergab sie ihrem Nachfolger Leo Salvatore einen Schlüssel, den sie aus Japan mitgebracht hatte. „Das ist ein Symbol für die Tür, die sich für den nächsten Präsidenten öffnet.“
Dass dieser nun in diese Rolle kommt, hängt auch mit Feider zusammen. Er hatte nämlich eigentlich bereits mit Karate aufgehört. „Der Ursprung des Vereins aus ‚Mammen hëllefe Mammen‘ hat mir das Herz erwärmt, sodass ich in Niederanven Trainer wurde“, sagte er dem Tageblatt beim „Patt“ nach der Feier.