Formel 1
„Ich will gewinnen“: Ein Stressfaktor namens Verstappen
Ein Jahr ohne Sieg im Red Bull hat es für Max Verstappen noch nie gegeben, auch 2026 will er unbedingt noch gewinnen – und könnte damit Einfluss auf den Titelkampf nehmen.
Max Verstappen könnte mit seinen Siegambitionen Mercedes um Kimi Antonelli ärgern Foto: AFP/Thomas Coex
Max Verstappen hat einen Plan für den Herbst, und der Konkurrenz sollte das zu denken geben. „Ich will gewinnen“, sagt der Niederländer, „dafür bin ich hier und ich komme immer näher.“ Mindestens ein Sieg muss noch her in diesem Jahr, das ist der Plan des viermaligen Weltmeisters – alles andere wäre auch ein ziemlicher Einschnitt: Seit er im Red Bull sitzt, hat Verstappen in jeder Saison gewonnen, zehn Jahre dauert diese Serie nun schon an.
Noch maximal acht Chancen bieten sich bis zum Winter, angefangen mit dem Grand Prix am Sonntag (9.00 Uhr MESZ/RTL Zwee) in Malaysia – und es geht dabei durchaus um mehr als Verstappens ganz persönliche Saisonbilanz. Denn der Niederländer in Siegform dürfte auch Einfluss auf das letzte echte Duell dieses Jahres haben: Die Mercedes-Piloten Kimi Antonelli und George Russell kämpfen um den WM-Titel.
Antonelli führt das Klassement klar an, 66 Punkte trennen ihn von Russell. Dessen souveräner Sieg am vergangenen Sonntag in Baku könnte allerdings der Start eines Schlussspurts gewesen sein, der Engländer scheint sich endlich mit dem neuen Auto zurechtzufinden, und noch ist eine Aufholjagd zumindest denkbar. Das allein sorgt für Mercedes bereits für eine kompliziertere Lage.
„Sicherstellen, dass beide dieselben Chancen haben“
Es wird nun Woche für Woche darum gehen, beide Piloten möglichst gleichberechtigt zu behandeln. Dabei geht es um den Aufbau des Qualifyings, um die Strategie für das Rennen und natürlich um fehlerfreie Ausführungen auf beiden Seiten der Garage. „Wir müssen die Entscheidungen auf der Strecke und das Management der Autos genau bewerten“, sagt Teamchef Toto Wolff, „wir müssen sicherstellen, dass beide dieselben Chancen haben.“
Verstappen erschwert dieses Vorhaben, wenn er tatsächlich weiterhin auf Augenhöhe mit den Silberpfeilen kämpft: Die spontane Anpassung von Renntaktiken ist deutlich komplizierter, wenn ein anderes Team vorne mitmischt. Ohnehin ist ein siegfähiger Verstappen, der zudem wenig zu verlieren hat, ein Stressfaktor für die beiden Mercedes-Piloten – das erinnert stark an die Saison 2016.
Vor zehn Jahren nämlich fuhren Nico Rosberg und Lewis Hamilton in den Silberpfeilen um den Titel, und gegen Ende der Saison wurde Verstappen, damals gerade 19, immer stärker. „Mein Gott“, erinnert sich Rosberg heute, „auf meinem Weg zum Titel hatte ich ihn in den letzten vier Rennen immer um mich herum. Ich glaube, er hat mich in drei dieser vier Rennen überholt, immer in einem Gerangel.“
Das Risiko eines Ausfalls, so Rosberg bei Sky Sports, sei für ihn selbst durch Verstappen damals „um das Zehnfache“ gestiegen – und eine ganz ähnliche Rechnung könnte sich für Antonelli und Russell ergeben.
Voraussetzung dafür ist ein Red Bull, der es weiterhin mit dem Mercedes aufnehmen kann, das bleibt abzuwarten. Teamchef Wolff hielt den W17 zuletzt für verwundbar. „Wir arbeiten daran, das zu ändern“, sagte der Österreicher. Nach Sepang, wo der im Frühjahr abgesagte Grand Prix von Bahrain nachgeholt wird, bringt Mercedes ein Upgrade-Paket mit.
Funktioniert dieses wie erhofft, dann wird es schwieriger für die Konkurrenz. Setzt sich Red Bulls Trend der vergangenen Wochen allerdings fort, dann spricht vieles für ein elftes Jahr mit einem Sieger Max Verstappen. (SID)