WM-Kolumne „Hasta la Visa“
Hasta la vista, baby: Sportredakteurin Christelle Diederich verabschiedet sich von der WM
An dieser Stelle heißt es leider Abschied nehmen: Die längste WM aller Zeiten – oder, wie Gianni Infantino sagen würde, die beste – ist vorbei. Was dem FIFA-Präsidenten bleibt? Geld. Sehr viel Geld.
Zwei echte Freunde Foto: Jacquelyn Martin/dpa
In den vergangenen Tagen gab es in Zürich einen lauten Knall, den man erst jetzt identifiziert haben dürfte: Es war der Stein, der den FIFA-Mitarbeitern vom Herzen gefallen ist. Die Finanzabteilung des Weltverbands hatte sich offenbar um ein paar Milliarden Dollar verschätzt – doch der Irrtum fiel zu ihren Gunsten aus. Statt eines Sparkurses mit Gehaltskürzungen herrscht nun Erleichterung in den FIFA-Büros. Auch die Funktionäre können endlich wieder aufatmen: Die XXL-Weltmeisterschaft spülte nicht die erwarteten elf, sondern 15 Milliarden US-Dollar in die Kassen (Quelle: The Guardian).
Fast hätte man sich ja Sorgen um die Zukunft der FIFA gemacht. Immerhin musste Präsident Gianni Infantino im Jahr 2025 mit einem lapidaren Jahresgehalt von 4,8 Millionen Schweizer Franken auskommen. Während der Boss bei seinem Turnier – selbstverständlich wieder „der besten WM aller Zeiten“ – in einem Monat 93.524 Kilometer im Privatjet zurücklegte (umgerechnet 2,3 Erdumrundungen!), zahlten Otto Normalverbraucher, auch Fußballfans genannt, bis zu 550 Dollar für die günstigsten Plätze unter dem Stadiondach. „Här ass Här a Max ass Max“, sagt man dazu.
Damit der FIFA-Präsident sicherstellen kann, dass ein möglicher Nachfolger die zusätzlichen Milliarden nicht vorschnell auf das eigene Konto überweist, möchte Infantino noch vier Amtsjahre dranhängen. Sozusagen ein selbstloser Akt im Dienste des Weltfußballs. Sein Versprechen vor der Wahl: Zur WM 2030 sind dann fast alle eingeladen, die irgendwann einmal im Team Gianni gespielt haben.
Am Sonntagabend entschied sich, ob sich die Spanier oder Argentinien Weltmeister 2026 nennen dürfen. Ob man sich in vier Jahren noch an ein episches Finale in New York erinnert, weiß heute niemand. Dass Infantino den Fußball mit „Hydration Breaks“, seinem Pakt mit Donald Trump oder astronomischen Ticketpreisen bis ins letzte Detail vermarktet und kommerzialisiert hat, wird man dann allerdings noch immer spüren.
In diesem Sinne, hasta la vista und bis in vier Jahren!