Leichtathletik
„Gutes Omen“: Patrizia Van der Weken über eine verrückt schnelle Zeit
Patrizia Van der Weken ist schneller denn je und präsentiert sich nach einem komplizierten, aber auch lehrreichen Jahr 2025 pünktlich zur Hallen-WM im März wieder in Topform. Bei den Landesmeisterschaften am Sonntag setzt sie zum letzten Feinschliff an.
Patrizia Van der Weken ist in Torun die drittschnellste Zeit des Jahres gelaufen Foto: FLA
„Es ist verrückt.“ Auch mit einigen Tagen Abstand kann Patrizia Van der Weken kaum fassen, was ihr am letzten Sonntag im polnischen Torun gelungen ist. „7,01 Sekunden – das ist sehr schnell“, sagt sie immer noch leicht ungläubig. „Dieses Jahr sind nur zwei Sprinterinnen auf der ganzen Welt noch schneller gelaufen als ich (Zaynab Dosso und Julien Alfred). Alleine das ist sehr krass und zeigt das Niveau der Zeit.“
Und diese hat auch historischen Wert: 7,01 Sekunden, das ist die achtschnellste Zeit, die je eine Europäerin über 60 Meter gelaufen ist. Weltweit bedeutet sie Rang 20 in der ewigen Bestenliste. „Ich war selbst überrascht“, blickt Van der Weken am Donnerstag im Interview mit dem Tageblatt zurück. „Ich glaube, das sieht man auch auf den Bildern. Ich hatte mir das nicht erwartet. 7,01 sind eine ‚pleasant surprise‘.“
Dabei war der Weg zu dieser Bestleistung in den vergangenen zwölf Monaten alles andere als geradlinig. 2025 hatte mit den Bronzemedaillen bei Hallen-EM und -WM für Van der Weken noch sehr stark begonnen, doch es folgte eine komplizierte Sommersaison. Die Sportlerin des Jahres wurde immer wieder von gesundheitlichen Problemen ausgebremst und kam nicht mehr an ihre schnellsten Zeiten heran.
Schwere Zeit im letzten Sommer überwunden
„Das macht auch etwas mit einem“, erzählt Van der Weken. „Wenn man selbst auf einmal weiter hinten im Feld ist und Leute, die man eher nicht vorne gesehen hat, plötzlich vor einem sind, ist das nicht einfach.“
Im Nachhinein erkennt sie jedoch auch einen Wert in dieser schwierigen Phase. Es war ein Entwicklungsschritt zu ihrer heutigen Form. „Manchmal verliert man sich vielleicht ein bisschen in guten Resultaten und man denkt, es wäre alles leicht“, erklärt sie. „Solche Perioden, in denen man keine gute Zeiten läuft, sind dann ein Wake-Up-Call. Man wird sich bewusst, wo man dran ist, wo man davor war und wo man wieder hin will.“
Es sei keine angenehme Phase gewesen, betont sie. „Es hat gezeigt, wie wichtig es ist, jeden Tag hart zu arbeiten. Ich will damit nicht sagen, dass ich das in der Zeit nicht gemacht habe. Aber man lernt es mehr wertzuschätzen, wenn man das ohne Verletzung und ohne Schmerzen tun kann. Man wird sich bewusster, dass nichts geschenkt ist. Ich weiß, wie viel ich arbeiten muss, um da zu sein, wo ich jetzt wieder bin.“
Dieses Jahr sind nur zwei Sprinterinnen auf der ganzen Welt noch schneller gelaufen als ich. Alleine das ist sehr krass und zeigt das Niveau der Zeit.
Patrizia Van der Weken
über ihre Rekordzeit von 7,01 Sekunden
Nach der Sommersaison zog Van der Weken einen klaren Schlussstrich. Vier Wochen komplette Pause, kein Sport. Abstand gewinnen, sich erholen. „Erst danach haben wir wieder progressiv angefangen“, erzählt sie. Parallel intensivierte sie die Zusammenarbeit mit ihrem medizinischen Team. „Wir sind in engem Austausch“, so Van der Weken. „Wir arbeiten viel an Details, machen kleine Übungen, wo man sich vielleicht am Anfang sagt: Boah, das ist langweilig und bringt nichts. Gerade diese Dinge haben es mir aber jetzt ermöglicht, die Trainingsmonate ohne größere Probleme aneinanderzuhängen. Es war ein langer Weg, jetzt profitiere ich davon, dass ich gesund bin.“
Der Formaufbau verlief kontrolliert. Beim Regio-Meeting in der Coque eröffnete sie die Wintersaison 2026 mit 7,20 Sekunden aus dem Training heraus. Zwei Wochen später steigerte sie sich beim CMCM Meeting auf 7,14. Am 8. Februar kam sie in Metz in 7,08 erstmals in dieser Saison unter die 7,10-Marke. In Torun folgte schließlich der neue Landesrekord in 7,01.
Gutes Gefühl für die WM geholt
„Der Plan war, dass ich Woche für Woche besser in Form komme“, erklärt die FLA-Athletin. „Natürlich wäre ich gerne früher schon schneller gewesen. So wie letztes Jahr. Aber beim Start konnte ich anfangs nicht alles so umsetzen, wie ich wollte. Meine Krafttests waren zwar sogar besser als im Vorjahr – nur zeigt sich das nicht immer sofort in den Zeiten.“ In Metz habe es dann „Klick“ gemacht. „Das sieht man jetzt auch auf der Uhr.“
Pünktlich für die Hallen-Weltmeisterschaft vom 20. bis 22. März ist sie nun in Topform. Die WM findet ebenfalls in Torun statt – dem Ort, an dem Van der Weken am Sonntag schon ein Ausrufezeichen gesetzt hat. Der starke Auftritt war auch mental wichtig.
Man wird sich bewusster, dass nichts geschenkt ist
Patrizia Van der Weken
über ihre letzte Sommersaison
„Ich bin vorher schon zweimal in Torun gelaufen, aber nicht besonders gut“, erinnert sie sich. „Die Halle ist sehr speziell. Einerseits kann man da verrückt schnelle Zeiten laufen, es ist eine neue Mondo-Piste. Und die Stimmung ist mega. Wenn man aber nicht darauf vorbereitet ist, da rauszugehen und eine komplett volle Arena zu sehen mit einer mega Atmosphäre, ist das überwältigend. Vor allem wenn man das nicht gewohnt ist.“
Bei ihren beiden ersten Auftritten in der polnischen Stadt war sie auf diese Wucht nicht vorbereitet. „Das hat mich damals ein bisschen zu sehr beeindruckt“, sagt sie. „Ich konnte mich nicht richtig auf meine Rennen konzentrieren.“ Im vergangenen Jahr musste sie zudem krankheitsbedingt absagen. Umso wichtiger war der jüngste Wettkampf. „Ich wollte eine gute Leistung zeigen, damit ich ein gutes Gefühl bekomme und mich in der Halle wohlfühle bzw. ein gutes Omen für die WM habe. Ich bin sehr froh, dass das so gut geklappt hat.“
Landesmeisterschaft am Sonntag
Bevor es in knapp drei Wochen zur WM geht, steht am Sonntag aber noch ein Heimspiel an: die luxemburgischen Hallen-Meisterschaften in der Coque. Van der Weken ist über 60 und 200 Meter gemeldet.
Die nationalen Titelkämpfe nimmt sie vor allem als Trainingswettbewerb. „Natürlich will ich den Titel holen, das ist sicher. Ansonsten habe ich mir aber nichts Größeres vorgenommen“, sagt sie. Es ist eher ein Test vor dem letzten Trainingsblock. „Ich versuche, ein sauberes Rennen zu laufen, es geht auch darum, an kleinen Dingen zu feilen, die mir in Richtung WM helfen.“
Programm
Hallen-Landesmeisterschaft 2026 am Sonntag:
13.30: 60 m Hürden (Frauen) Vorläufe, Stabhochsprung (F), Dreisprung (Männer)
13.45: 60 m Hürden (M) Vorläufe
13.55: 60 m (F) Vorläufe
14.10: 60 m (M) Vorläufe
14.25: 800 m (F) Zeitläufe, Hochsprung (M)
14.30: Kugelstoßen (F)
14.35: 800 m (M) Zeitläufe
14.40: Dreisprung (F)
14.55: 60 m Hürden (F) Finale
15.05: 60 m Hürden (M) Finale
15.15: 60 m (F) Finale
15.25: 60 m (M) Finale
15.30: Stabhochsprung (M)
15.35: 60 m Special Olympics
15.40: 1.500 m (F) Finale, Weitsprung (M)
15.50: 1.500 m (M) Finale
16.00: 400 m (F) Zeitläufe
16.15: 400 m (M) Zeitläuf, Hochsprung (F)
16.25: Kugelstoßen (M)
16.35: 200 m (F) Zeitläufe, Weitsprung (F)
16.45: 200 m (M) Zeitläufe
17.10: 3.000 m (F) Finale
17.30: 3.000 m (M) Finale