Der Champion bittet zu Tisch
Golfer Rory McIlroy ist beim Masters in Augusta entspannt wie nie
Vorjahressieger Rory McIlroy hat beim Masters in Augusta nichts mehr zu beweisen. Die Konzentration des Nordiren galt deshalb zunächst anderen Dingen.
Rory McIlroy verzichtete fast gänzlich auf Spezialitäten aus seiner Heimat Foto: Getty Images via AFP
Rory McIlroy hatte sich Gedanken gemacht, na klar. Wer das Masters der Golfer in Augusta gewinnt, darf im darauf folgenden Jahr vor Turnierbeginn das Champions Dinner ausrichten – und entscheiden, was serviert wird. Jahr um Jahr war McIlroy seit 2009 die Magnolia Lane hoch bis zum Clubhouse gefahren, und immer wieder hatte er sich dabei ausgemalt, was er auf die Speisekarte schreiben würde. Diesmal, im 18. Jahr seiner Teilnahme, war es endlich so weit.
Am Dienstag zog McIlroy erneut das grüne Jackett an, in das ihm Jon Rahm, der Sieger von 2024, erstmals geholfen hatte, und ließ auftragen: Gelbflossen-Thunfisch-Carpaccio mit Foie gras. Als Hauptgang gab es Filet Mignon vom Wagyu-Rind oder gebratenen Lachs. Immerhin als Beilage serviert wurde Irish Champ, ein Kartoffelpüree mit Butter, Milch und Frühlingszwiebeln. Von weiteren Besonderheiten seiner (nord)irischen Heimat hatte McIlroy abgesehen. Warum? „Weil ich das Dinner auch genießen möchte.“
Zum Champions Dinner gehört auch eine Rede, und McIlroy hatte durchblicken lassen, dass er viele Gedanken darauf verwendet hatte, was er diesen Ikonen sagen wollte. „Wenn ich vor dieser Gruppe spreche, will ich die richtigen Worte finden und sicherstellen, dass ich meine Gefühle rüberbringe, wie dankbar ich bin, Teil dieser Runde zu sein“, gestand er vor diesem Abend.
Was genau McIlroy sagte, wurde wie üblich diskret verschwiegen. Immerhin so viel drang nach draußen: Er hielt sich an seine Vorgaben. Wie Tommy Aaron, Masters-Champion von 1973, berichtete, habe sich McIlroy „kurz gehalten“ und außerdem gesagt: „Wir vermissen Tiger.“ Tiger Woods, der das Masters fünfmal zwischen 1997 und 2019 gewonnen hat, fehlte, weil er sich nach seinem spektakulären Autounfall angeblich in eine Klinik in der Schweiz zurückgezogen hat.
Von den 35 lebenden Champions fehlte lediglich ein zweiter beim Dinner: Phil Mickelson, dreimal Sieger in Augusta, hatte aus familiären Gründen abgesagt. Ansonsten waren sie alle da: Eben der Spanier Jon Rahm, der auch diesmal zu den Favoriten gehört. Und Bernhard Langer, für den „50 oder 60“ Spieler als Sieger infrage kommen, „aber man muss natürlich Namen wie Scheffler, McIlroy und vielleicht auch DeChambeau erwähnen“. Nur ein deutscher Spieler wird nicht im Feld sein, das gab es zuletzt 1983.
Langer war 41-mal in Augusta am Start, „dieses Jahr“, gestand er in einem Interview mit Turniersponsor Mercedes, „wird es sicherlich schwierig sein, zum ersten Mal keinen Schlag im Turnier zu machen. Aber es macht auch Spaß, das Ganze von außen zu verfolgen.“ Langer wird dabei einen vermutlich entspannten McIlroy sehen. „Ich glaube“, sagte der Vorjahressieger, „in den vergangenen 17 Jahren konnte ich es einfach nicht erwarten, bis das Turnier endlich losging. Und dieses Jahr wäre es mir egal, wenn das Turnier nie anfangen würde.“ (SID)