Champions League
Festung Anfield bröckelt: Liverpool vor unerwarteter Prüfung
Der FC Liverpool taumelt durch die Saison. Im Achtelfinal-Rückspiel gegen Galatasaray Istanbul spielen Virgil van Dijk und Co. nicht nur ums Weiterkommen, sondern auch um die Rückendeckung der zunehmend unruhigen Fans.
Andrew Robertson und Co. stehen in der Champions League mit dem Rücken zur Wand Foto: AFP/Darren Staples
Fußball-Wunder, magische Nächte, angsteinflößende Wucht: Die Anfield Road war lange ein Ort, an dem der FC Liverpool über sich hinauswuchs. Vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Galatasaray Istanbul hat sich die Perspektive aber merklich verschoben. Die einst uneinnehmbare Festung wirkt angreifbar, die taumelnden Reds sind verwundbar. Es wartet eine Bewährungsprobe, die in den vergangenen Jahren kaum denkbar schien.
Nach dem 0:1 in der Türkei spielen die „Reds“ am Mittwochabend (21.00 Uhr) nicht nur ums Weiterkommen, sondern auch um die Rückendeckung der zunehmend unruhigen Fans – und für Teammanager Arne Slot?
„Es ist besorgniserregend, was Liverpool in dieser Saison leistet“, sagte Vereinslegende Jamie Carragher bei Sky Sports. Er habe „das Gefühl, dass sich am Sonntag die Stimmung der Fans gegenüber der Mannschaft und dem Trainer deutlich gewandelt hat.“
„Riesige Frustration“
Am Sonntag reichte es lediglich zu einem 1:1 im Heimspiel gegen Abstiegskandidat Tottenham Hotspur. 14 Siege, vier Remis, fünf Niederlagen lautet die Heimbilanz bislang. Slot sprach von „riesiger Frustration“, Mittelfeldspieler Dominik Szoboszlai, von Slot fortwährend als Rechtsverteidiger eingesetzt, fühlte sich „leer“ und schlug Alarm: „Wir müssen aufwachen.“
Ein unmissverständliches Zeichen sendeten auch die Anhänger. Sie pfiffen und buhten ihr Team aus. „Das war echtes Ausbuhen von einer verärgerten und unzufriedenen Fangemeinde“, sagte Carragher. Für Slot werde es jetzt schwierig: „Wenn man diese Fans einmal verloren hat, ist es wirklich schwer, sie zurückzugewinnen.“
Die kostspieligen Verpflichtungen für knapp 500 Millionen Euro, darunter zum Beispiel der Deutsche Florian Wirtz, agieren bisher nicht als Einheit. Der geplante Mantrawechsel von Pressing zu Ballbesitz funktioniert zu selten. „Liverpool ist kein Team – sie sind eine Ansammlung von Einzelspielern“, lautet das vernichtende Urteil von Carragher: „Sie haben zwar gute Spieler, aber sie wurden einfach so ins Team geworfen. Es fehlt an Zusammenhalt.“
Anders übrigens Gegner Galatasaray, der die Reds schon in der Ligaphase bezwungen hatte: Der Klub vom Bosporus hatte ebenfalls einen Transfersommer mit namhaften Verpflichtungen, doch das durchaus kostspielige Ensemble überzeugt als Einheit.
Für Liverpool, das machte Slot klar, gehe es nun darum, die „Frustration in eine starke Leistung umzuwandeln“. (SID)