Kongress

FLF will Luxemburger Liga-Modus auf den Prüfstand stellen

Die Vertreter der über 100 Luxemburger Fußballvereine haben entschieden: Mit Corrado Fecchi und Fernando Cardoso wurden zwei neue Gesichter in den FLF-Verwaltungsrat gewählt. Eine Entscheidung stand bereits fest, denn Paul Philipp ging ohne Gegenkandidat ins Rennen. An Arbeit wird es nicht mangeln: Die Diskussionen über den aktuellen Spielmodus sollen neu aufgerollt werden.

Teil des neuen FLF-Verwaltungsrats: Erny Decker, Fernando Cardoso, Corrado Fecchi, FLF-Präsident Paul Philipp, Alex Krüger, Leo Hilger, Marco Richard und Christian Weis (v.l.)

Teil des neuen FLF-Verwaltungsrats: Erny Decker, Fernando Cardoso, Corrado Fecchi, FLF-Präsident Paul Philipp, Alex Krüger, Leo Hilger, Marco Richard und Christian Weis (v.l.) Foto: Christelle Diederich

Für seine Wiederwahl hatten sich mehrere internationale Ehrengäste eingeladen: Paul Philipp wurde u.a. von Petr Fousek, Mitglied des UEFA-Verwaltungsrats, an alte Zeiten erinnert: „Ich habe niemand so hoch springen sehen“, meinte der Tscheche als Anspielung auf das 1:0 der Nationalmannschaft im Jahr 1995.

Der Bekanntheitsgrad des inzwischen 76-Jährigen ist über die Grenzen hinaus eine seiner großen Stärken. Am Samstag trat niemand gegen ihn an. In seiner Ansprache ging er auf mehrere Themen ein, die in den vergangenen Monaten für Gesprächsstoff gesorgt hatten. Es ging um das Abrutschen auf Platz 51 der UEFA‑Klubkoeffizienten, den Weggang von Talenten mit doppelter Staatsangehörigkeit, die angekündigte Statuten-Reform sowie eine Überarbeitung des Liga-Betriebs.

Die Aussagen des Präsidenten

Schlechte Europapokal-Aussichten: „Wir müssen uns eingestehen, dass die Europapokal-Ergebnisse den berechtigten Erwartungen nicht gerecht geworden sind. Strassen erledigte seine Pflichtaufgabe gegen San Marino, Mondorf schaffte es, gegen Dinamo Tiflis eine Verlängerung zu erzwingen, was ein exzellentes Resultat war. Es ist allerdings zu befürchten, dass wir aufgrund unseres Rankings, Platz 51 von 54 Nationen in der Fünfjahreswertung, nächstes Jahr nur noch mit drei Mannschaften international vertreten sein werden.“

Großer Andrang bei den Trikots: „Der Umsatz für den Verkauf von unserem Merchandise rund um die Nationalmannschaft, sprich Trikots, Mützen und Co., lag im vergangenen Jahr bei 983.000 Euro. Im Sommer haben wir den Ausstatter gewechselt. Bis September war der Umsatz schon bei 455.000 Euro.“

Neue Statuten im März druckreif: „Wir liegen nicht mehr im Zeitplan. Das hat damit zu tun, dass es viel komplexer und arbeitsaufwendiger ist, wie wir das alle erwartet hätten. Wir sind unter Zeitdruck, wollen uns aber endlich an die Aktualität anpassen: Die neue Version der Statuten soll dem Verwaltungsrat jetzt im März vorgelegt werden und Ende der Saison an die Vereine verschickt werden. Danach wird ein Statuten- und Reglemente-Kongress einberufen.“

Liga-Modus soll wieder zum Thema werden: „Jede Änderung muss von unseren Mitgliedern gestimmt werden. Das soll allen Beteiligten erlauben, ohne Emotionen und mit Ruhe an das Thema heranzugehen. Es ist normal und verständlich, dass man den Blick auf die Tabelle behält. Aber die Gespräche müssen wieder aufgenommen werden. Es gibt eine Reihe von Ideen, die Wege gehen teilweise noch auseinander. Wir brauchen eine Einigung, auch wenn man weiß, was eine Verkleinerung irgendwann mit sich bringen würde.“

Die nächsten vier Jahre: „Vielleicht haben wir uns bis dahin irgendwann qualifiziert. Das wäre etwas Großartiges. Ich habe die steigenden Mitgliederzahlen bewusst genannt, weil es nicht nur die Nationalmannschaft gibt, sondern Vereine, die jungen Spielern etwas bieten können sollen. Das ist das Ziel. Zudem müssen bis dahin auch weiterhin die Finanzen stimmen.“

Neues Blut

Die Mitglieder des Verwaltungsrats wurden nach dem Modus der absoluten Mehrheit gewählt. Dafür waren 441 Stimmen von 880 im Total notwendig. Zwei Vereine hatten übrigens ein ungültiges Blatt abgegeben. Im ersten Wahlgang wurden die beiden Neulinge mit deutlichem Abstand auf Platz eins und zwei gewählt: Corrado Fecchi (Sanem) erhielt 755 Stimmen, Fernando Cardoso (Fels) 707. Im Amt bestätigt wurden Christian Weis (Biwer/604) und Marco Richard (Harlingen/Tarchamps/525).

Das bedeutete, dass ein zweiter Wahlgang nötig war, um das fünfte Ratsmitglied in einer Stichwahl zu ermitteln: Carine Nardecchia (Luna Oberkorn) oder Nicolas Schockmel (Mondorf). Im zweiten Anlauf setzte sich Nicolas Schockmel mit 536 Stimmen gegen Carine Nardecchia (306) durch. Damit besteht der FLF-Verwaltungsrat (mindestens) bis 2028 ausschließlich aus Männern.

Das Mandat der Neugewählten gilt für vier Jahre.

Durchgewunken

Es war ein unaufgeregter und schneller Kongress: Wortmeldungen gab es während der wichtigen Momente der Vorträge keine. Auch die Jahresberichte wurden ohne weiteres durchgewunken – mit Enthaltungen, respektive zwei roten Zetteln bei den Berichten der Frauenkommission und den Berichten der Kalenderkommission.

Fünf Wechsel ab 2027/28

Ein Vorschlag von 34 Vereinen wurde dem Plenum zur Abstimmung vorgelegt. Es ging darum, die Zahl der Auswechslungen für alle Senioren (Männer, Frauen, Reserven) von vier auf fünf anzuheben. Die präsentierte Abänderung der Textpassage wurde mit großer Mehrheit angenommen (eine Enthaltung, zwei waren dagegen): Ab der Saison 2027/28 sind demnach in allen Ligen fünf Wechsel während eines Spiels möglich.

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