„Es wurde aber auch Zeit“

Neue Details zum Santos-Rauswurf kommen ans Licht

24 Stunden nach der Entlassung von Damennationaltrainer Dan Santos ist die Luxemburger Fußballwelt noch immer in Aufruhr. Jetzt kommen neue Details über das mutmaßliche Fehlverhalten ans Licht.

Porträt von Dan Santos, professioneller Unternehmer und Redner, vor neutralem Hintergrund

Dan Santos Foto: Editpress/Gerry Schmit

Nach dem Rauswurf von Dan Santos wegen „unangemessener Nachrichten“ brodelte die Gerüchteküche. Vor allem in den sozialen Netzwerken wurde der Fall heftig diskutiert. Die genauen Gründe wurden auch am Freitag noch nicht veröffentlicht.

Als „übergriffig“ bezeichnete FLF-Jurist Marc Diederich das Verhalten von Santos. „Die Spielerinnen haben sich Carine Nardecchia (FLF-Vorstandsmitglied, Anm. d. Red.) anvertraut. Als uns die belastenden Beweise gezeigt wurden, haben wir sofort gehandelt“, so Diederich weiter. Rund ein halbes Dutzend Spielerinnen haben sich bisher offiziell beim Verband über Santos beschwert.

Hinter vorgehaltener Hand war das Verhalten des ehemaligen Damen-Nationaltrainers jedoch scheinbar schon seit 2023 ein Thema. „Es gab immer mal wieder Gerüchte, aber Beweise gab es keine“, gibt Diederich zu.

Vor drei Jahren hatten zwei Vereinspräsidenten bereits ein Gespräch mit der FLF gesucht. André Bewer, inzwischen Vizepräsident in Wintger, war damals mit Claudine Miller, heute Trainerin in Merl, und dem Merler Präsidenten Guy Lamesch in Monnerich vorstellig geworden. „Wir wollten den Verband auf gewisse Dinge hinweisen“, erinnert sich Bewer.

Wir haben die Deontologie des Nationaltrainers infrage gestellt. Das hatte nichts mit Fußball zu tun.

Claudine Miller

Trainerin in Merl

Schlussendlich war es nur eine kleine Delegation, denn andere Coaches und Vereine waren unterwegs abgesprungen. „Keiner hatte den Mut, etwas zu unternehmen“, so Miller im Nachhinein. Die Vorwürfe, über die das Trio spricht: Der Nationaltrainer soll damals Spielerinnen nach dem Abstieg geraten haben, den Verein zu verlassen. Auch hier sollen Textnachrichten eine Rolle gespielt haben. Während des Telefonats fällt am Freitag das Wort „Bettgeschichten“, frühere Beziehungen des Trainers werden aufgezählt. „Wir haben die Deontologie des Nationaltrainers infrage gestellt. Das hatte nichts mit Fußball zu tun“, sagte Miller. „Die Mädchen hatten möglicherweise nicht die Courage dazu.“

In einem Facebook-Statement freute sich Bewer jedenfalls, dass nun ein kategorischer Schlussstrich gezogen wurde: „Es wurde aber auch Zeit. Wir hatten die Herren der FLF bereits 2023 auf Sachen hingewiesen, die sie damals heruntergespielt haben. Bravo und Glückwunsch zu dem Schritt, der heute (am Donnerstag) gemacht wurde.“ Miller und Lamesch sind da noch etwas deutlicher: „Die FLF hätte schon vorher handeln müssen.“

FLF-Generalsekretär Joël Wolff erinnert sich an das Treffen: „Wenn man etwas behauptet, muss man es auch beweisen können. Das war damals nicht der Fall. Bis vor ein paar Tagen handelte es sich nur um Spekulationen.“

Verbandspräsident Paul Philipp war bis Freitagmittag telefonisch nicht zu erreichen. Dan Santos hatte dem Tageblatt am Donnerstag gesagt, dass er sich aktuell nicht äußern will.

Am Samstag wird es in Monnerich zu einem weiteren Treffen zwischen dem Verband, dem verbleibenden Trainerstab und vier Führungsspielerinnen der „Roten Löwinnen“ kommen.

Mögliche Kandidaten für die Nachfolge

In exakt einem Monat, am 14. und 18. April, wird die Damen-Nationalauswahl in Budapest ihre zwei WM-Qualifikationsspiele gegen Israel bestreiten. Es bleibt dem Verband also nicht viel Zeit, um einen Nachfolger zu ernennen. Die logischste Entscheidung wäre also, die Kampagne mit einer Interimslösung über die Bühne zu bringen: U19-Trainer Georges Elsen oder Cristina Correia (U17) und Isabelle Kruchten (U15), die Dan Santos zuletzt assistierten, könnten infrage kommen.

2 Kommentare
Fraulein Smilla 13.03.202616:23 Uhr

Was das mutmassliche Fehlverhalten von Dan Santos angeht , da faellt mir spontan Faust ein .-Ich bin so klug als wie zuvor .

Guy Mathey 13.03.202615:09 Uhr

Einmal mehr tritt das in der FLF zutiefst verwurzelte Patriarchat an die Oberfläche. Einmal mehr bestätigt sich, dass die patriarchal denkende FLF-Führungsebene um den ewigen Paul Philipp, der bereits in der Causa Rodrigues seine zutiefst verwerfliche Gesinnung zur Schau gestellt hatte, endgültig fertig hat. Luxemburgs Fussball benötigt eine Neuanfang, mit einem komplett neuen, paritätisch besetzten und feministisch gesinntem Team. Smash patriarchy, richtige Männer sind Feministen.

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