Desolate WM

Eine Fußballnation in Trümmern: „Bielsa hat die Natur Uruguays zerstört“

Mit dem Aus in der Gruppenphase endet die WM für Uruguay in einem totalen Desaster.

Jose Maria Gimenez bei der Landung auf dem Spielfeld, Uruguay Fußballspieler in Aktion

Am Boden angekommen: José María Giménez und Uruguay Foto. AFP/Carl de Souza

Pechvogel Fernando Muslera und Uruguays gescheiterte Kicker zerstreuten sich wie geprügelte Hunde auf Linienflügen in alle Winde, Trainer Marcelo Bielsa rückte nach dem WM-Desaster von Guadalajara ins Kreuzfeuer der Kritik. Eine fußballerische Kernschmelze inklusive Spielerrevolte wühlt das Land des zweimaligen Weltmeisters auf.

„Ein harter Realitätsschock“ sei das peinliche Aus in der Gruppenphase, schrieb die Zeitung El Observador, die nach dem bitteren 0:1 (0:1) im abschließenden Vorrundenspiel gegen Spanien zum Rundumschlag ansetzte: „Bielsa hat die Natur Uruguays zerstört, die Spieler haben die eigene Geschichte verraten und die Funktionäre sind zu Geiseln ihrer eigenen Entscheidung geworden.“

„Nichts hinterlassen“

Und auch bei Bielsa, der nun vor dem Abschied steht, lagen die Nerven derart blank, dass er unmittelbar nach Abpfiff eine TV-Crew anschrie. „Jetzt macht schon!“, brüllte der Trainer-Veteran, weil es ihm mit dem Interview zu lange gedauert hatte. Als sich der 70-Jährige, der auch „El Loco“, der Verrückte, genannt wird, wieder etwas beruhigt hatte, zerlegte er sich auf der obligatorischen Pressekonferenz selbst.

„Meine Zeit wird als eine Phase in Erinnerung bleiben, die nichts hinterlassen hat“, räumte er ein. Unrecht hat er nicht. Bielsas wohl letztes Turnier endete mit dem zweiten WM-Aus in der Vorrunde in Folge. Schon in Katar war die alte Generation um Uruguays Rekordtorjäger Luis Suárez und Edinson Cavani ebenso früh ausgeschieden, ehe Bielsa 2023 übernahm. Platz drei bei der Copa América vor zwei Jahren ist sein einziger Erfolg.

Revolta gegen den Trainer

Der Super-GAU in Nordamerika mit zwei Punkten aus drei Spielen hatte sich indessen angedeutet. Nach ernüchternden Remis gegen Saudi-Arabien (1:1) und Kap Verde (2:2) waren vor dem Spanien-Spiel Berichte über eine Revolte gegen Bielsa an die Öffentlichkeit gekommen. Die Früchte des Zerwürfnisses waren während des Spiels offensichtlich, als Kapitän Federico Valverde seinen Coach bei seiner Auswechslung keines Blickes würdigte.

Derweil werden nun sämtliche Entscheidungen Bielsas unter der Lupe seziert. Wie etwa die Rückholaktion von Torwart-Urgestein Muslera, die völlig nach hinten losging. Spielte der 40-Jährige ohnehin eine wacklige WM, flutschte ihm gegen Spanien der entscheidende Schuss von Alex Baena (42.) durch die Hände. „Ich habe durch diesen Sport noch nie so sehr gelitten“, sagte der Keeper, der laut Bielsa in der Halbzeit selbst um seine Auswechslung gebeten habe.

Torwart-Urgestein patzt

Dass alles nun so weit kam, kreideten die heimischen Medien auch den Bossen des uruguayischen Fußballverbands AUF an, die zu lange an Bielsa festgehalten hätten. „Bielsa hat Uruguay so großen Schaden zugefügt, dass sich die Nationalmannschaft der Folgen, die noch nachwirken werden, noch gar nicht bewusst ist“, urteilte El Observador.

Fest steht: Die Stars von einst besitzt Uruguay nicht mehr, der WM-Halbfinaleinzug von 2010 ist kaum mehr als eine schöne Erinnerung. Leuchttürme wie Diego Forlán (47), Cavani (39) und Suárez (39) sind längst zurückgetreten – wobei Suárez vor der WM mit einer Rückkehr geliebäugelt hatte. Bielsa verzichtete.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Favoriten-Formcheck

Frankreich-Stars liefern, Sorgen bei Portugal