Olympia
Ein „Außerirdischer“ im Goldrausch: King Kläbo schreibt Geschichte
Johannes Hösflot Kläbo holt sein neuntes Olympia-Gold – Rekord. Die deutschen Langlauf-Staffeln gehen leer aus.
Johannes Hösflot Kläbo dominiert die Langlauf-Szene nach Belieben Foto: AFP/Tobias Schwarz
Als Gold Nummer neun um seinen Hals baumelte, wurde auch Johannes Hösflot Kläbo emotional. Mit feuchten Augen lauschte der sonst so kühle „Außerirdische“ der norwegischen Nationalhymne, dann posierte der neue Rekordsieger der Olympischen Winterspiele grinsend für Fotos. „Rekordmann – das hört sich ziemlich gut an. Das ist ein schöner Titel“, sagte der Alleskönner aus Trondheim.
Durch den nie gefährdeten Staffelsieg ließ Kläbo am Sonntag seine nicht mehr aktiven Landsleute Ole Einar Björndalen (Biathlon), Björn Dählie und Marit Björgen (beide Langlauf) hinter sich, die alle achtmal Gold holten. Alle drei schickten umgehend Glückwünsche. „Ich wünsche ihm, dass er nun auch Phelps einholt“, sagte Björndalen. Doch dieser Weg ist weit: Der US-Schwimmer hält mit 23 Goldmedaillen die Bestmarke bei Sommerspielen.
Auch die geschlagenen deutschen Langläufer verneigten sich an einem historischen Tag. „Es ist cool, so etwas miterleben zu dürfen“, sagte Florian Notz. Wohl für keine andere Medaille musste der nimmersatte Kläbo so wenig schwitzen: Der 29-Jährige übernahm als Schlussläufer mit großem Vorsprung und brachte den Sieg vor Frankreich und Italien locker ins Ziel. „Er ist jetzt der Größte von allen“, schrieb die norwegische Zeitung VG.
Zwei Goldmedaillen warten noch
Kläbo hatte in Norditalien bereits im Skiathlon, im Sprint und über die 10 km Freistil triumphiert, zwei weitere Goldmedaillen warten im Teamsprint und über 50 km. Anders als beim Sturzfestival am Samstag wurde er bei strahlendem Sonnenschein kein Opfer der Bedingungen. Schwedens Frauen hatten tags zuvor im Dauerregen die fest eingeplante Goldmedaille verspielt, als Dreifach-Weltmeisterin Ebba Andersson spektakulär stürzte. Am Ende gab es „nur“ Silber hinter Norwegen.
Kläbo machte es besser. Der Seriensieger sei „ein Künstler auf Skiern“, sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder voller Anerkennung: „Er liest die Strecke so viel anders. Er sieht Neigungen an einem Berg, die kein anderer sieht. Er hat immer drei Pläne für so einen Wettkampf.“
Verehrt wie einst der schillernde Petter Northug wird Kläbo in seiner Heimat trotz aller Rekorde aber nicht, auch 15 WM-Titel und 107 Siege im Weltcup haben daran nichts geändert. „Northug war ein wilder Hund und hat mal über die Stränge geschlagen“, sagt Schlickenrieder. Kläbo sei dagegen „zu perfekt, da ist die Verbindung zu den Menschen nicht da. Er ist schon fast außerirdisch.“
Genug hat „King Kläbo“ in Italien aber noch lange nicht. Vier Goldmedaillen hat er schon, nun kann er noch die legendäre Bestmarke von US-Eisschnellläufer Eric Heiden übertreffen, der 1980 in Lake Placid als bislang einziger Wintersportler fünfmal Olympia-Gold in einem Jahr gewonnen hatte.