Leichtathletik
Das Podium im Visier: Yannick Lieners will in Diekirch seine „Durststrecke“ beenden
Nach Monaten voller Rückschläge und Formsuche meldet sich Yannick Lieners zurück. Bei den Titelkämpfen im Rahmen des „Nordstadlaf“ in Diekirch möchte der 38-Jährige am Sonntag zeigen, dass wieder mit ihm zu rechnen ist.
Yannick Lieners peilt einen Platz auf dem Podium an Foto: Editpress/Jerry Gerard
„Ich brenne darauf, wieder ein gutes Rennen zu laufen.“ Wenn am Sonntag beim „Nordstadlaf“ in Diekirch die Entscheidung um den nationalen Meistertitel über zehn Kilometer auf der Straße fällt, will Yannick Lieners ganz vorne mitmischen.
„Ich merke seit ein paar Wochen, dass der Knoten geplatzt ist und ich von Woche zu Woche besser werde“, sagt er. „Ich hoffe, die gute Form nun auch auf die Strecke zu bringen und im Rennen zu zeigen, denn ich habe eine lange Durststrecke hinter mir.“
Die letzten Monate waren für den Läufer alles andere als leicht. Nachdem er im vergangenen Jahr gute Ergebnisse erzielt und sogar mit dem Gedanken gespielt hatte, seinen ersten Marathon zu laufen, wurde er im Spätsommer in einem Trainingslager jäh ausgebremst. Eine Lebensmittelvergiftung setzte ihn lange außer Gefecht.
„Der Körper war danach komplett leer. Meine ganze Form war futsch und ich musste wieder völlig neu anfangen mit dem Aufbau“, erinnert sich der 38-Jährige. Die Folgen zog er lange mit sich. Über den Winter fand er nur schwer zu seiner alten Form zurück und blieb in seinen Rennen hinter den eigenen Erwartungen. „Ich habe eigentlich nur schlechte Rennen gemacht.“
Erschwerend kam hinzu, dass Lieners nach seiner Leukämie-Erkrankung weiterhin ein „Traitement“ hatte und dieses in der Zeit umstellen musste. Die neue Behandlung erwies sich zunächst als weniger kompatibel mit dem Leistungssport und machte ihn anfälliger für Verletzungen, die ihn immer wieder zurückwarfen. „Ich hatte lange Probleme damit und musste mich erst daran gewöhnen“, erklärt er. Inzwischen habe er jedoch gelernt, besser damit umzugehen und sein Training entsprechend anzupassen.
Ein wichtiger Schritt sei gewesen, noch stärker auf seinen Körper zu hören. „Wenn es früher irgendwo ein bisschen gezwickt hat, habe ich trotzdem weiter trainiert und gedacht: Das wird schon von allein weggehen. Die Entzündung hat sich dann aber oft gesteigert und irgendwann ist sie dann so schlimm geworden, dass ich zwei, drei Wochen komplett Pause machen musste. Heute bin ich viel vorsichtiger und nehme sofort raus. So verliere ich am Ende weniger Training, als wenn ich weitermache und es schlimmer wird.“ Zudem arbeitet Lieners nun präventiv mit seinem Physiotherapeuten. „Auch das hilft mir. Seit ein paar Wochen kann ich nun wieder regelmäßig trainieren.“
Die harte Arbeit und die aufsteigende Formkurve will er bei der Meisterschaft in Diekirch jetzt bestätigen. Ursprünglich hätte der CAB-Athlet auch gerne den „Postlaf“ am letzten Sonntag bestritten, doch mit nur einer Woche Abstand entschied er sich, den Fokus komplett auf die nationalen Titelkämpfe zu legen.
Noch einmal zu den JPEE
Sein Ziel ist klar formuliert: „Ich würde gerne aufs Podium kommen.“ Nach einem enttäuschenden Cross-Championat im November, wo er den elften Platz belegte, möchte sich Lieners vor allem auch wieder stark vor dem heimischen Publikum präsentieren. „Ich will zu Hause zeigen, dass ich noch immer schnell laufen kann.“ Für den Titel sieht er allerdings andere in der Favoritenrolle, etwa Titelverteidiger Yonas Kinde.
Nach der Meisterschaft richtet sich der Blick von Lieners dann auf die Sommersaison. Er plant, neben der Straße auch auf der Bahn zu starten, um sich noch einmal für die Spiele der kleinen Staaten (2027 in Monaco) zu qualifizieren. Außerdem hat er mehrere Straßenrennen im Visier, darunter die 5-km-Meisterschaft beim Low Point Run. Der ING Night Marathon liegt ihm zudem besonders am Herzen. Dort wird Lieners mit einer Staffel für das „Plooschter-Projet“ an den Start gehen, um auf die Stammzellenspende aufmerksam zu machen. Zudem stehen der Escher Kulturlaf, die Route du Vin und der Walfer Vollekslaf in seinem provisorischen Programm.
Zunächst aber steht Diekirch im Mittelpunkt. Dort will Yannick Lieners beweisen, dass sich die Geduld und harte Arbeit nach den Rückschlägen der vergangenen Monate ausgezahlt haben – und dass wieder mit ihm zu rechnen ist.