Champions League

Das „Märchen“ von Como 1907: Mit Hollywood-Glamour zum Königsklassen-Rekord

Como 1907 verzückt Fußball-Europa. In nur sieben Jahren stürmen die Lombarden aus der vierten italienischen Liga zu einem Champions-League-Rekord.

Der Rekordtreffer fiel in der Nachspielzeit

Der Rekordtreffer fiel in der Nachspielzeit Foto: AFP/Francois Lo Presti

Auf dem vorläufigen Höhepunkt ihres „Märchens“ mit Hollywood-Faktor fielen sich die Spieler von Como 1907 glückselig in die Arme, auch Cheftrainer Cesc Fàbregas genoss den Rekordabend in vollen Zügen. Für den einzigartigen Klub vom Comer See führte der Weg innerhalb von nur sieben Jahren von der vierten italienischen Liga in die Geschichtsbücher der Champions League. Mit dem beeindruckenden 9:1 beim RC Lens schaffte der Underdog sensationell den höchsten Sieg in der Historie der Königsklasse.

„Es ist ein wunderbarer Abend für Como, für alle unsere Fans und für viele junge Spieler hier, die am Anfang ihrer Karriere stehen“, schwärmte Fàbregas bei Sky Italia: „Es ist alles nach unseren Vorstellungen gelaufen.“ Es sei „eine verrückte Nacht, ein verrücktes Ergebnis“, ergänzte Kapitän Lucas da Cunha, „aber wir dürfen jetzt nicht übermütig werden.“ Auch wenn der „kleine“ Klub das Konzert der Großen gewaltig aufmischt.

Die Gazzetta dello Sport erkannte „eine erhabene Sinfonie“, ja gar ein „Meisterwerk“ für „die Annalen des italienischen Fußballs“. Der Corriere dello Sport schrieb von „einer weiteren unglaublichen Seite“ innerhalb des „Märchens“ der Lombarden. Auch international machte die Galavorstellung Eindruck. Die spanische Marca sah eine „legendäre Nacht“, die englische Sun ein „Super-Team“.

Dolce-Vita-Image

Dabei wären solche positiven Schlagzeilen vor nicht allzu langer Zeit undenkbar gewesen, stürzte der Traditionsklub doch bis in die vierte italienische Liga ab. Erst mit der Übernahme der indonesischen Milliardäre Robert und Michael Hartono im April 2019 wendete sich das Blatt. Diese lieferten zum einen die notwendige wirtschaftliche Power, machten aber zugleich mit ihrem speziellen Konzept den besonderen Standort am Comer See zum Erfolgsfaktor.

Sie stellten mit Dolce-Vita-Image eine Verbindung zwischen der lokalen Fußballkultur und den reichen Hollywoodstars her, die dort Urlaub machen. So entstand eine auf Storytelling angelegte Inszenierung, die sich hervorragend vermarkten lässt. Parallel dazu ging die sportliche Entwicklung raketenartig voran: 2019 gelang die Meisterschaft in der Serie D, zwei Jahre später folgte der Titel in der Serie C, ehe 2024 der Sprung aus der Serie B in die Serie A glückte.

Für diese Erfolgsstory holten sich die indonesischen Besitzer mit den französischen Ex-Nationalspielern Thierry Henry und Raphael Varane als Anteilseigner und Berater hohe Fachkompetenz ins Haus. Dazu kommt mit Fàbregas einer der begehrtesten Trainer auf dem Markt, der hochattraktiven Offensivfußball spielen lässt.

Nach Kantersiegen gegen RB Leipzig, Manchester United und nun eben Lens winkt der direkte Einzug ins Achtelfinale – weitere große Europapokal-Nächte scheinen nur eine Frage der Zeit. Promis wie Hugh Grant oder George Clooney, die bereits im nur 13.000 Zuschauer fassenden heimischen Stadio Giuseppe Sinigaglia gesichtet wurden, dürften dann noch öfter vorbeischauen.

Die höchsten Siege in der Champions League

1:9: RC Lens - Como 1907 (4.11.2026)

8:0: FC Liverpool - Besiktas Istanbul (6.11.2007)

8:0: Real Madrid - Malmö FF (8.12.2015)

9:2: Bayern - Dinamo Zagreb (17.9.2024)

7:0: Juventus - Olympiakos Piräus (10.12.2003)

7:0: FC Arsenal - Slavia Prag (23.10.2007)

0:7: MSK Zilina - Olympique Marseille (3.11.2010)

7:0: FC Valencia - KRC Genk (23.11.2011)

7:0: FC Bayern - FC Basel (13.3.2012)

0:7: BATE Borissow - Schachtjar Donezk (21.10.2017)

7:0: FC Bayern - Schachtjor Donezk (11.3.2015)

7:0: FC Barcelona - Celtic Glasgow (13.9.2016)

0:7: NK Maribor - FC Liverpool (17.10.2017)

7:0: Liverpool - Spartak Moskau (6.12.2017)

7:0: Manchester City - Schalke (12.3.2019)

7:0: Paris Saint-Germain - Stade Brest (19.2.2025)

7:0: Manchester City - RB Leipzig (14.3.2023)

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