IOC-Vollversammlung
Coventrys Reform-Session: Olympia-Prämie und Orientierung
Das IOC beschließt Reformen, um die olympische Bewegung „zukunftsfähig“ zu machen – und bricht mit einem Tabu.
Kirsty Coventry trat ihr Amt als IOC-Präsidentin vor einem Jahr an Foto: AFP/Fabrice Coffrini
Kirsty Coventry wählte große Worte, um noch größere Taten anzukündigen. „Jetzt sind wir an der Reihe“, rief die Präsidentin den IOC-Mitgliedern mit viel Pathos in der Stimme zu, „wir müssen sicherstellen, dass die olympische Bewegung relevant bleibt.“ Dafür brach die Reform-Session im SwissTech Convention Centre in Lausanne sogar mit einem Tabu und beschloss eine „Olympia-Prämie“.
Erstmals in seiner 132-jährigen Geschichte beteiligt das Internationale Olympische Komitee die Athletinnen und Athleten an seinen Einnahmen. 10.000 Dollar soll es schon rückwirkend für die Winterspiele in Mailand/Cortina geben. Ein unerwarteter Paradigmenwechsel.
Bis zuletzt hatte sich Coventry noch gegen direkte Zahlungen an Sportler gewehrt und war dabei in so manches Fettnäpfchen getreten. Die Athleten bekämen doch „schöne Wettkampfstätten, schöne Dörfer und eine schöne Erfahrung“, hatte die zweimalige Schwimm-Olympiasiegerin gesagt.
Die Prämie, die auf Anforderung ausgezahlt werden soll, liegt zwar deutlich unter dem Vorschlag der internationalen Interessenvertretung Global Athlete (25.000 Dollar), dennoch feierten IOC-Mitglieder wie Sebastian Coe, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes, sie als „historischen Moment“. Kanuslalom-Olympiasiegerin Jessica Fox nannte die Entscheidung einen „riesigen Meilenstein“.
Es war zumindest die Überraschung einer bis dahin vorhersehbaren Vollversammlung. Ein weiterer wichtiger Beschluss: Die Vergabe der Olympischen Spiele 2036 wird 2029 entschieden. Unter Coventrys Vorgänger Thomas Bach hatten intransparente Vergaben für Unmut gesorgt.
Reform bei Olympia-Vergabe
Durch die Reform soll einerseits eine Vorauswahl getroffen und andererseits die Gesamtheit der IOC-Mitglieder (derzeit 104) wieder stärker eingebunden werden. Neu ist dabei eine Zwischenstufe: Zwischen „kontinuierlichem Dialog“ und dem „gezielten Dialog“ soll der „strategische Dialog“ geschaltet werden.
Coventry richtet ihren Blick derweil über die kommenden Sommer-Auflagen in Los Angeles (2028) und Brisbane (2032) sowie die Winterspiele in den französischen Alpen (2030) und Salt Lake City (2034) hinaus. Sie will das IOC „zukunftsfähig“ machen, dafür müsse die Organisation „die Komfortzone“ verlassen. Größere Debatten vermied Coventry aber ein Jahr nach ihrem Amtsantritt, ebenso wie konkrete Entscheidungen zum olympischen Programm der Zukunft.
Immerhin: Ein neues System soll nach Brisbane für eine größere Durchlässigkeit sorgen, das IOC will sich dem Tempo, mit dem sich die Welt wandelt, anpassen. Mit der Olympia-Prämie geht Coventry einen Schritt auf die Athleten zu, die sie stets als „Herz der Bewegung“ bezeichnet. (SID)