Wintersport

„Bin damit im Reinen“: Für Skeleton-Pilot Jeff Bauer endet ein Kapitel

Der Traum von den Olympischen Spielen trieb Jeff Bauer über all die Jahre an. Sein Alter war dabei kein Hindernis – im Gegenteil: Der ambitionierte Sportler konzentrierte sich stets darauf, sich weiter zu verbessern. Mit Jared Firestone qualifizierte sich in diesem Jahr zwar ein jahrelang ähnlich starker Konkurrent als 39. noch knapp für die Spiele, er selbst rutschte hingegen in der Weltrangliste auf den 85. Rang ab. Seinen Traum – nicht aber seinen Schlitten – hängt der 52-Jährige nun an den Nagel.

Jeff Bauer beim letzten internationalen Rennrodel-Wettkampf 11. Januar, Nordamerikanischer Cup Lake Placid, Platz 26 von 31

Beim nordamerikanischen Cup in Lake Placid sprang Jeff Bauer am 11. Januar ein letztes Mal in einem internationalen Wettkampf auf seinen Schlitten und wurde 26. von 31 Foto: John Bauer

Tageblatt: Eine weitere olympische Saison ist vorbei. Wie geht es Ihnen?

Jeff Bauer: Ich fühle mich gut. Und bin zufrieden mit dem, was ich diese Saison geleistet habe. Für eine Qualifikation zu den Spielen hat es zwar nicht gereicht, aber ich habe alles gegeben. Auch diese Saison habe ich mich weiter verbessert, also bin ich zufrieden. Dieses Kapitel endet jetzt, aber ich bin damit im Reinen. Ich habe viel erreicht und viel gelernt. Es war mir eine große Ehre, auf dem Niveau antreten zu können.

Das heißt, Sie werden sich nicht mehr mit dem Skeleton in die Eisrinne stürzen? Werden Sie das nicht vermissen?

Skeleton ist einfach ein toller Sport. Und ich lebe so nah an der Strecke in Park City, dass ich bei einem der gelegentlichen Clubrennen wohl mal wieder runterrutschen werde. Aber es war eine riesige Erfahrung, in dem Sport anzutreten. Dann noch für Luxemburg. Ich habe in Luxemburg als Kind angefangen Sport zu treiben, bin bereits als Jugendlicher im Basketball für Luxemburg angetreten. Das war ein großer Teil von meinem Leben und als wir umzogen, war das nicht einfach.

Für mich war es überwältigend, später durch Skeleton wieder an Luxemburg und meine Jugend anzuknüpfen. Im Teamwork mit dem COSL und dem Verband an meiner Olympiaqualifikation zu arbeiten. Das hat mir viel Energie gegeben, um weiter hart für meinen Traum zu arbeiten. Das werde ich vermissen. Auch die Energie, die Unterstützung von anderen Teams werde ich vermissen. Hart zu trainieren, mich intensiv vorzubereiten, hat mir gut gefallen.

Ich habe viel erreicht und viel gelernt. Es war mir eine große Ehre, auf dem Niveau antreten zu können.

Jeff Bauer

Sie sagen, Sie hätten sich weiter verbessert. Lag es am Start, am Material, Alter oder was war der Grund, dass es dennoch nicht für Ihren Traum der Spiele reichte?

Das ist schwer zu sagen. Ich war beim Start immer etwas langsamer, aber man kann es dennoch schnell ins Ziel schaffen. Mein Start hat nicht geholfen, aber auch mein Körper, es war eine harte Saison. Ausgerechnet auf meiner Heimstrecke in Park City fiel ich mit einem gezerrten Muskel aus, hatte mir in Lake Placid den Magen verdorben. Das machte es schwerer, war aber nicht der Grund. Hauptfaktor war eine enorm starke Konkurrenz diese Saison, auch mehr Piloten. Das stärkste Feld ever. Und jeder hat alles gegeben.

Wie war es, diesen im Fernsehen zuzuschauen?

Natürlich wäre ich lieber selbst dabei gewesen, aber ich kenne sie alle gut und drückte jedem die Daumen, hatte keinen Favoriten. Sie sind Freunde und Kollegen. Ich kenne die Herausforderung vom Skeleton und es gibt in unserer kleinen Gemeinschaft viel Respekt untereinander. Man fährt gegen die Strecke, nicht gegen die anderen.

Was ist dabei die Herausforderung, oder wie fährt man schnell?

Das Mentale und Physische muss verbunden sein. Ruhig auf dem Schlitten zu bleiben und ihn zu fühlen, um gut zu steuern. Dann muss man seine Körperform und Aerodynamik halten, wissen, wo man auf der Strecke wie steuert. Man braucht Vertrauen und viele Wiederholungen, um die Strecke gut zu kennen. Man sieht nicht weit voraus und braucht also nicht nur die Augen, sondern muss die Strecke fühlen. Am Druck muss man erkennen, wo man ist und was man tun muss. Eine Strecke kennt man erst wirklich, wenn man antizipieren kann, was man fühlen wird und entsprechend bereits steuert. Dabei macht man zwei, drei Läufe am Tag. Man braucht schnell eine Woche, um eine Strecke zu lernen.

Nur zwei, drei Läufe und ähnlich viele Minuten am Tag. Bekommt man vielleicht auch als Luxemburger einfach nicht mehr Eiszeit?

Nein. Es ist einfach, dass die G-Kräfte so hoch sind, dass sie enorm Energie aus dem Körper saugen. Das ist keine Frage des Alters. Einige Bahnen sind etwas weicher und da geht es, aber meistens tut es dir nachher leid, wenn du einen dritten Lauf probierst. Vor allem für die Nackenmuskulatur wird das richtig schwierig und kaum einer fährt noch gut. Deshalb notierte ich mir direkt nach jedem Lauf alle Eindrücke, man muss aus jedem Moment das Maximum herausholen.

Jeff Bauer 2018 nach Erreichen der Olympianorm, noch ohne luxemburgischen Pass sichtbar

2018 hatte Jeff Bauer die Olympianorm geschafft, war jedoch noch nicht im Besitz des luxemburgischen Passes Foto: John Bauer

2018 hatten Sie die Olympianorm geschafft, aber noch keinen Pass. Tut es im Nachhinein weh, Ihren Traum so verpasst zu haben?

Die Saison 2018 ist ein Teil meiner Reise, ein guter. Sie zeigt, dass ich die Fähigkeiten für Olympische Spiele hatte, das nötige Niveau. Ich konnte halt nur nicht hin.

Und jetzt ist diese Reise vorbei. Wussten Sie das bereits bei Ihrem Start in Lake Placid im Januar, und wie fühlten Sie sich?

Ich habe ein tolles Video davon, das hat mein Neffe gefilmt. Ich habe es allerdings erst nach zwei Monaten geschaut, das war ziemlich emotional (schluckt). Ich war gleichzeitig froh und traurig. Normalerweise startet man ziemlich alleine, aber bei mir schauten einige Trainer und Piloten vorbei. (Pause) Dieser Respekt, auch von den Offiziellen an der Strecke, das bedeutet mir viel. Ich habe nie eine große Sache aus meinem Alter gemacht. Aber hier, oder auch, als ich im Dezember in Korea ins Finale fuhr, haben Offizielle oder Teams gemeint, ich hätte sie beeindruckt. Diese Reise war wie ein Geschenk, ich bin so dankbar. Auch für meine Familie. Meine Eltern haben mich als Kind beim Basketball begleitet und nun waren sie auch hier bei vielen Rennen und liebten es.

Mit Ihnen kam Skeleton erst in den luxemburgischen Eissportverband (FLSG) und vor Covid probierten auch zwei Studierende aus Innsbruck den Sport. Geht es weiter?

Ich versuche, dem Verband zu helfen, aber seit 2020 hatte niemand mehr nachgefragt. Bis zur dieser Saison mit gleich sechs, sieben Athleten. Einer hat auch schon an einem Camp in St. Moritz teilgenommen. Ähnlich wie ich hat er die doppelte Nationalität, spielte einige Jahre Lacrosse für Luxemburg und ich hoffe, dass er und andere dranbleiben. Es war viel Arbeit, ein Team zu starten, und es wäre schön, wenn das weitergeht.

Zur Person

Der Großvater hatte im Zweiten Weltkrieg in Luxemburg gekämpft und zog in den 50ern für einige Jahre mit seinem Sohn ins Großherzogtum. Dieser kehrte Anfang der 80er mit seinem Sohn für ein weiteres Jahrzehnt zurück. Damals spielte der 1973 geborene Jeff Bauer einige Jahre Basketball in der nationalen Juniorenauswahl. Als Ingenieur in der Nähe von Park City entdeckte er spät seine Leidenschaft Skeleton und wurde Anfang 2019 als 45-Jähriger in den COSL-Elitekader aufgenommen.

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