Basketball

Bescheidener Teamplayer: Deshalb ist Malcolm Kreps so wichtig für das Nationalteam

Wenn die FLBB-Herren am Freitag in Skopje in das zweite Zeitfenster der Vorqualifikation für die EM 2029 starten, werden die Blicke auch auf Malcolm Kreps gerichtet sein. Gemeinsam mit Ben Kovac gilt der 24-Jährige als zukünftiger Leader der Nationalmannschaft. Dabei besticht der bescheidene Teamplayer nicht durch bombastische Statistiken.

Malcolm Kreps in FLBB-Herren-Trikot zeigt defensive Führungsqualitäten auf dem Basketballfeld

Malcolm Kreps gilt als zukünftiger defensiver Leader der FLBB-Herren Foto: Editpress/Gerry Schmit

Ein einfacher Blick in die Statistiken reicht bei Malcolm Kreps keinesfalls aus. Der 24-Jährige gehört nämlich zu den Spielern, deren Leistung auf dem Platz sich längst nicht in Zahlen messen lässt. Einen Beweis dafür lieferte das erste Heimspiel der Vorqualifikation für die EM 2029 im November gegen Irland, das die FLBB-Herren nach einer bemerkenswerten Vorstellung mit 89:77 für sich entscheiden konnten.

Hier zeigte Kreps einmal mehr seine defensiven Qualitäten und war mitverantwortlich dafür, dass der Gegner sein offensives Spiel nie richtig aufziehen konnte. „Ich bin mir bewusst, dass ich in den Statistiken nicht immer so auffalle, aber Basketball besteht nicht nur aus Punkten. Ich muss zugeben, ich achte eigentlich gar nicht so sehr darauf – ich möchte einfach nur, dass wir gewinnen“, erklärt der Profispieler.

Es sind diese bescheidene Art und die ausgeprägte Teamplayer-Mentalität, die Kreps für Nationaltrainer Ken Diederich so wertvoll machen. Während Ben Kovac als zukünftiger offensiver Leader der Nationalmannschaft gesehen wird, dürfte Malcolm Kreps diese Rolle in der Defensive übernehmen.

Basketball: Eine Leidenschaft

Eine erste richtige Feuerprobe dürfte das Duo in den kommenden Tagen erleben, denn erstmals, seit Ken Diederich die FLBB-Herren im Jahr 2016 übernommen hat, wird er ohne Kapitän Alex Laurent auskommen müssen, der aus beruflichen Gründen die Auswärtsreisen nach Skopje und Dublin nicht mitmachen kann.

„Es ist enorm schade, dass er nicht dabei ist“, betont Kreps, der sich bewusst ist, dass damit auch auf ihn noch einmal mehr Verantwortung zukommen wird. „Seine Erfahrung und seine ruhige Stimme werden wir sicherlich vermissen. Er schafft es immer, dass in wichtigen Situationen bei uns nicht die Nervosität überhandnimmt.“

Ich bin mir bewusst, dass ich in den Statistiken nicht immer so auffalle, aber Basketball besteht nicht nur aus Punkten

Malcolm Kreps

Basketball – das ist das Leben von Malcolm Kreps, dem das Talent förmlich in die Wiege gelegt wurde. Vater Alexis kam bekanntlich als Profispieler nach Luxemburg, blieb im Großherzogtum und begann nach seiner Spielerkarriere eine Laufbahn als Coach. Aktuell trainiert er den Zweitligisten Heffingen.

„Ihm habe ich diese Leidenschaft für den Basketball zu verdanken“, betont Kreps, den es ebenfalls als Profispieler ins Ausland gezogen hat. Basketballhallen kennt der inzwischen 24-Jährige von Kindesbeinen an und hat dazu auch direkt eine persönliche Anekdote parat: „Zu Hause gibt es noch einen Artikel aus der Zeit, als mein Vater noch in Longwy gespielt hat. Darin ist ein Foto, auf dem er mich in den Korb setzt, in dem die Basketbälle aufbewahrt werden.“ Ein Bild, das die Kindheit der basketballbegeisterten Familie bestens widerspiegelt. Etwas anderes als der Sport mit dem orangefarbenen Ball kam für den Sportsoldaten dann auch nie infrage – vor allem, da sein großes Talent früh sichtbar war.

Dass er seit dem neuen Kalenderjahr wieder näher an zu Hause ist, tut dem Familienmenschen dann auch sichtlich gut. Denn hinter ihm liegen einige ereignisreiche Monate. Nachdem er vor zwei Jahren seine Profikarriere, wie vor ihm auch Alex Laurent und Ben Kovac, bei den Den Helder Suns in den Niederlanden begonnen hatte, wagte er zur Spielzeit 2025/26 den Schritt nach Spanien, um genauer zu sein in die dortige dritte Liga. Bei Penas Huesca kam der Sportsoldat jedoch nie richtig an, hatte Probleme, seine Rolle zu finden.

Von Spanien nach Belgien

Es waren persönliche Gründe, die ihn schließlich dazu bewogen, das Spanien-Abenteuer nach Weihnachten zu beenden. Dass dann das Angebot von Okapi Aalst, dem derzeitigen Tabellendritten der belgisch-niederländischen BNXT League, kam, war für den 24-Jährigen fast schon wie ein Jackpotgewinn. „Es ist eine Meisterschaft, die ich kenne, und ein wirklich professioneller Klub. Hier wird sehr auf die Spieler geachtet, und das ist einer der Gründe, warum sie so gut sind.“

Dass er um seinen Platz auf dem Feld kämpfen muss, ist für ihn kein Problem. „Der Trainer hat mir direkt gesagt, dass ich um meine Minuten kämpfen müsse und mir nicht mehr als 15 Minuten erwarten dürfte. Ich bin mir dessen auch bewusst. Für mich zählt derzeit, weiter hart an mir zu arbeiten und geduldig zu sein – und das zu tun, was ich kann, um dem Team zu helfen.“

Das Niveau in Aalst ist jeden Tag schon im Training hoch, wie Kreps betont. „Es hilft enorm, jeden Tag dabei sein zu können. Allein dadurch wird man immer besser.“

Aus dieser Saison habe ich gelernt, dass man alles noch so genau planen kann – doch ‚life comes at you fast‘, und es geschehen Dinge, die man nicht geplant hat

Malcolm Kreps

Die Zeit in Spanien, so schwierig sie teilweise auch war, bereut er hingegen nicht. Gebracht hat sie ihm nämlich einiges. „Obwohl es die dritte Division war, hat man gesehen, wie hoch das Niveau ist. Es waren junge, sehr motivierte Spieler, die die Ambition haben, in einer höheren Liga zu spielen.“

Sich durchzusetzen war alles andere als einfach, und gerade diese Erfahrung hat ihm auch gezeigt, wie wichtig es ist, mental stark zu bleiben. Dass das Profigeschäft auch harte Seiten hat, hat der 24-Jährige am eigenen Leib erfahren und daraus seine Lehren gezogen: „Ich habe gelernt, dass man jeden Moment schätzen soll, denn es kann von einem auf den anderen vorbei sein.“

Dass er sein Hobby zum Beruf machen konnte und nicht jeder eine solche Chance bekommt, weiß Kreps ganz genau. „Von klein auf war genau das mein Traum. Basketball ist einfach ein großer Teil meines Lebens und wird es wohl auch immer bleiben. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie das auch immer unterstützt haben.“

Kreps, ein Familienmensch

Malcolm Kreps in Aktion beim Offensivspiel, zeigt spektakuläre Momente auf dem Spielfeld

Wenn er die Möglichkeit erhält, kann Malcolm Kreps auch in der Offensive für spektakuläre Momente sorgen Foto: Editpress/Gerry Schmit

Für die restliche Saison hat er sich keine großen persönlichen Ziele gesetzt: „Ich möchte einfach nur jeden Tag besser werden und dem Team helfen, zu gewinnen. Aus dieser Saison habe ich gelernt, dass man alles noch so genau planen kann – doch ‚life comes at you fast‘, und es geschehen Dinge, die man nicht geplant hat.“

Und wenn eine Tür zugeht, geht bekanntlich woanders eine auf – so spielt der 24-Jährige nun auf einmal bei einem Titelkandidaten der BNXT-League. Dass er im Februar 2026 in Aalst Karneval feiern würde, hätte er noch vor drei Monaten sicherlich nicht gedacht.

„Es ist einfach eine so tolle Tradition, und ich bin glücklich, dass ich das miterleben konnte“, meint Kreps, als er auf die große Tradition bei Okapi angesprochen wird. In Aalst wird das Karnevalswochenende mit einem Heimspiel eingeläutet, an dessen Anschluss in der Halle direkt weitergefeiert wird. Eine große Party, die bereits locker vier Monate im Voraus ausverkauft ist und an der die gesamte Mannschaft verkleidet teilnimmt. „Ich empfehle es jedem, wenn er die Möglichkeit hat, das einmal mitzumachen“, sagt er lachend. Für Okapi ist dieses Wochenende jedenfalls eines der größten Spiele der Saison.

Nun liegt der Fokus für Malcolm Kreps jedoch zunächst auf der Nationalmannschaft und den Spielen am Freitag gegen Nordmazedonien sowie am Montag in Irland. „Das sind die Spiele, für die man lebt“, betont er zum Abschluss. Nach zwei Siegen im November könnte für die FLBB-Herren noch so einiges drin sein.

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