Eiskunstlauf
Aus dem Olympia-Tief zu Gold: „Vierfach-Gott“ Malinin genießt Happy End
Ilia Malinin triumphiert bei der Eiskunstlauf-WM in Prag. Der 21-Jährige läuft souverän zum Titel – und lässt die Schmach von den Olympischen Spielen nicht nur sportlich hinter sich.
Nach dem Olympia-Drama hat Ilia Malinin bei der WM den Spaß am Eiskunstlauf wiedergefunden Foto: AFP/Michal Cizek
Befreit vom olympischen Druck brüllte Ilia Malinin seine ganze Erleichterung laut heraus. Der US-Superstar kletterte bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft in Prag mit seinem dritten WM-Titel in Serie aus dem tiefen Loch von den Winterspielen und zeigte ein bemerkenswertes Comeback. „Ich wollte einfach rausgehen, die Atmosphäre genießen und die Welt des Eiskunstlaufs erleben – und es war mir eigentlich egal, ob ich gewinne oder verliere“, sagte der 21-Jährige. Er selbst bezeichnet sich als „Vierfach-Gott“, weil er so viele Vierfachsprünge beherrscht wie kein anderer in der Gegenwart und auch in der Geschichte dieser Sportart.
Malinins Einstellung sollte sich beim Saisonabschluss in Prag als Erfolgsrezept herausstellen. Anders als bei Olympia konnte er dieses Mal der großen Favoritenrolle gerecht werden. Er könne nun „einen Neustart für die nächsten vier Jahre“ angehen, äußerte Malinin mit Blick auf die Zeit bis zu den Olympischen Spielen 2030 in den französischen Alpen. Dort hat der Ausnahmekönner dann noch eine Rechnung offen.
Bei der WM bot Malinin den mehr als 15.300 Zuschauern in der Prager Arena eine faszinierende Flugshow auf Kufen. Dem Publikum war es auch egal, dass Malinin in der Kür neben seinem spektakulären Rückwärtssalto nur fünf statt der geplanten sieben Vierfachsprünge zeigte und für seine Verhältnisse fast schon eine Sicherheitskür präsentierte. Immerhin reichte die Vorstellung zum souveränen Sieg mit einem Vorsprung von fast 23 Punkten nach Kurzprogramm und Kür auf den zweitplatzierten Japaner Yuma Kagiyama, der ebenfalls begeistern konnte.
Musik hören, Videos schauen, zocken und schlafen
Aber Malinin ging es ohnehin darum, bei der WM nach dem Olympia-Drama einfach nur Spaß zu haben. „Genau das habe ich getan“, betonte er. Der Frage, ob er bewusst auf den besonders anspruchsvollen vierfachen Axel verzichtete, wich Malinin aus: „Ich glaube, eine bessere Antwort auf diese Frage ist: Das ist für mich die Zeit, mich zu entspannen und den letzten Wettkampf der Saison zu genießen.“ Er sei erleichtert, dass die Saison „nach all den Höhen und Tiefen endlich vorbei ist“, betonte Malinin. Und er sei froh, jetzt „erst einmal eine Pause von Wettkampfprogrammen“ einzulegen.
In den nächsten Wochen werde er an Eisshows teilnehmen und dann möglichst wenig ans Eiskunstlaufen denken – und sich anderen Dingen widmen. „Oft höre ich Musik, schaue Videos auf YouTube, spiele Videospiele oder schlafe den ganzen Tag – einfach nicht Eislaufen“, äußerte der „Vierfach-Gott“.
Bei Olympia in Italien war Malinin der tragische Held, als er nach einer vollkommen misslungenen Kür als haushoher Favorit vom ersten Rang nach dem Kurzprogramm noch auf den achten Platz abstürzte. Kaum jemand hatte eine Niederlage Malinins vor den Winterspielen für möglich gehalten – immerhin war er mehr als zwei Jahre lang ungeschlagen.
Nach der überraschenden Niederlage kamen Selbstzweifel auf. Außerdem sprach das Wunderkind öffentlich über den immensen Druck und Hasskommentare in den sozialen Medien. Auf die Frage, wie er mit den Erwartungen nun umgehe, sagte Malinin: „Ich formuliere es so: Denk manchmal an dich selbst. Das klingt vielleicht ein bisschen egoistisch, aber ich glaube, dass es in vielen Situationen gut ist, zu überlegen, was man selbst braucht.“ (dpa)