Fußball-WM
Auch Renard kann nichts retten: Abflug für die Adler von Karthago
Der erhoffte Trainer-Effekt bleibt bei Tunesien aus. Das Verpassen der K.o.-Runde steht schon nach dem zweiten Spieltag fest.
Hervé Renard und Tunesien sind nach dem zweiten Spieltag aus der WM ausgeschieden Foto: Matias Delacroix/dpa
Hervé Renard wirkte ziemlich mitgenommen, dennoch bewahrte der Franzose seine Contenance. „Wir haben noch ein Spiel. Obwohl wir bereits ausgeschieden sind, repräsentieren wir immer noch ein Land“, sagte die gescheiterte Ad-hoc-Aushilfskraft auf dem tunesischen Trainerstuhl: „Wir müssen fokussiert bleiben. Das ist unsere Verantwortung als Profis. Im dritten Spiel müssen wir Stolz zeigen.“
Stolze Auftritte hatten die Adler von Karthago bei der Fußball-WM bisher allerdings nicht zu bieten. Die Nordafrikaner unterlagen im 1.000. Spiel der Endrunden-Geschichte hochverdient 0:4 (0:2) gegen Japan und haben keine Chance mehr auf die K.o.-Runde. Nach der ebenso deutlichen Auftaktniederlage gegen Schweden (1:5) hatten sich die Tunesier von Trainer Sabri Lamouchi getrennt und unter Renard auf die Wende gehofft. Der Wunsch blieb unerfüllt.
Daichi Kamada (4.), Ayase Ueda (31., 84.) mit einem Doppelpack und Junya Ito (69.) trafen in Monterrey zum Sieg für Japan, das nach dem gelungenen Auftakt gegen die Niederlande (2:2) nun vier Punkte auf dem Konto hat und einen riesigen Schritt in Richtung Sechzehntelfinale machte. Für die Tunesier steht hingegen schon nach dem zweiten Spieltag das siebte Vorrundenaus bei der siebten WM-Teilnahme fest. Zum Abschluss müssen die Tunesier am Donnerstag (Ortszeit) gegen die Niederlande ran.
„War nicht genug“
„Das war nicht genug für so ein Spiel. Vor allem in der defensiven Organisation hatten wir Schwächen“, gab Renard nach der enttäuschenden Vorstellung gegen Japan zu Protokoll: „Die Spieler haben sich bemüht, sie haben nicht aufgegeben. Wir sind aber auf eine Mannschaft getroffen, die uns deutlich überlegen war.“
Was das WM-Aus für Renard persönlich bedeutet, ist offen, ein schnelles Ende ist aber abzusehen. „Ich war angeheuert für diese beiden Spiele – oder mehr bei diesem Turnier. Es ist jetzt nicht die Zeit dafür, über die Zukunft zu sprechen“, antwortete der 57-Jährige auf die entsprechende Frage: „Es ist nicht leicht, aber wir sind immer noch bei der WM.“
Renard, der bei Weltmeisterschaften schon Marokko (2018) und Saudi-Arabien (2022) betreut hat, steht erst seit Mittwoch in der Verantwortung. Er habe nach der Kontaktaufnahme durch den tunesischen Verband „keine Sekunde gezögert“, hatte der Coach vor der Partie gesagt. Er sei jedoch „kein Zauberer“, betonte Renard – und behielt damit Recht.
Tunesien zu schwach
Sein Team begann äußerst verunsichert. Rund um die frühe Führung der Japaner hätte es noch weitere Gegentreffer für die afrikanische Mannschaft geben können. Erst nach einer Viertelstunde beruhigte sich die Partie. Die Tunesier hielten stärker dagegen – kassierten durch einen Distanzschuss von Ueda aber dennoch das 0:2.
Ein Aufbäumen von Renards Team blieb aus. Japan kontrollierte die Partie auch nach dem Seitenwechsel ohne Probleme, hatte viel Ballbesitz und ließ defensiv kaum etwas zu. Junya Ito sorgte nach einem Steilpass für die Entscheidung, Ueda markierte den Treffer zum Endstand.