Formel 1

Antonelli verzaubert Monza mit historischer Aufholjagd

Mit einer sensationellen Aufholjagd in Monza hat Kimi Antonelli endgültig Kurs auf den WM‑Titel genommen – und das Totalversagen von Ferrari in Italien überstrahlt.

Kimi Antonelli war von Startplatz 19 ins Rennen gegangen

Kimi Antonelli war von Startplatz 19 ins Rennen gegangen Foto: dpa/Luca Bruno

Kimi Antonelli legte die Hand aufs Herz, mit Zehntausenden Landsleuten schmetterte er die italienische Hymne. Der Mercedes-Jungstar hatte Monza gerade einen sensationellen, historischen Heimsieg geschenkt.

„Ein Traum ist wahr geworden“, sagte der 20-Jährige, „das war unvorstellbar, aber wir haben es geschafft.“ Von Rang 19 war er zum Sieg gerast und hatte damit die zweitgrößte Aufholjagd in der Geschichte der Formel 1 hingelegt. „Fantastisch und so verdient“ sei das gewesen, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff, „du bist unser italienischer Held.“ Als erster Italiener seit 60 Jahren gewann Antonelli in Monza. Einen weiteren Weg vom Startplatz bis zum Sieg hatte in der Formel 1 bislang erst einer hingelegt: 1983 fuhr John Watson in den USA von Rang 22 nach ganz vorne.

Antonelli gewann letztlich vor seinem Teamkollegen George Russell und Max Verstappen im Red Bull. In der WM baute er seinen Vorsprung deutlich aus, 66 Punkte trennen ihn nun bereits von Russell – der Engländer musste zudem die Demütigung ertragen, trotz Startplatz zwei letztlich hinter seinem jungen Teamrivalen zu landen. Lewis Hamilton belegte im Ferrari Platz sechs und hat bereits 76 Zähler Rückstand.

Schwarzer Tag für Ferrari

Es war ein brutaler Absturz für Ferrari, das Team hatte sich einiges vorgenommen, trotz des eher ernüchternden Qualifyings starteten Charles Leclerc und Hamilton von den Plätzen drei und vier. Doch in den wenigen Minuten nach dem Start platzten alle Träume vom Heimsieg. Hamilton attackierte Leclerc schon in der ersten Schikane, dabei geriet der Rekordweltmeister in den Kies und verlor gleich einige Positionen.

„Charles hat mich abgedrängt!“, funkte Hamilton an die Box, doch die Rennleitung prüfte den Vorfall und sah kein Fehlverhalten. Der Engländer lag nun bloß auf Rang zehn, Leclerc machte sich bereit für den Angriff auf die Spitze – doch schon am Ende der zweiten Runde verlor er in der schnellen Parabolica die Kontrolle über den SF-26, schlug hart in die Reifenstapel, das Rennen war gelaufen.

Leclerc stieg aus dem Auto, saß anschließend minutenlang auf der Wiese, wirkte benommen. Das Medical Car holte den Monegassen ab, wenig später lief er aber äußerlich unbeeinträchtigt durch das Fahrerlager.

Gut eine halbe Stunde dauerte es, bis die Barrieren wieder hergestellt waren, das Feld startete stehend – mit Russell an der Spitze, der Mercedes-Pilot war nach dem ersten Start wie erwartet schnell an Pierre Gasly vorbeigekommen. Der Sensations-Pole-Setter wehrte sich, war im Alpine gegen die Großen aber unterlegen.

In all dem Durcheinander war derweil Antonelli schon weit nach vorne gekommen, von Startplatz 19 auf Position zwölf. Als es weiterging, überholte Antonelli einfach immer weiter – in Runde 18 ging er an Russell vorbei.

Beide lieferten sich nun ein enges Duell, Russell setzte sich wieder an die Spitze. Wenig später bremste ein Virtuelles Safety Car das ganze Feld aus, und Antonelli nutzte dies für seinen Stopp – anders als etwa Russell und Hamilton. Damit fiel er zwar zunächst zurück, war aber dann deutlich schneller als die Konkurrenz und schnappte sich seine Gegner. (SID)

Im Überblick

Großer Preis von Italien: 1. Kimi Antonelli (I) Mercedes 1:51:15,281 Stunden, 2. George Russell (GB) Mercedes 3,857 Sekunden zurück, 3. Max Verstappen (NL) Red Bull 14,718, 4. Lando Norris (GB) McLaren 19,056, 5. Oscar Piastri (AUS) McLaren 19,253, 6. Lewis Hamilton (GB) Ferrari 24,655, 7. Pierre Gasly (F) Alpine 27,351, 8. Arvid Lindblad (GB) Racing Bulls 45,136, 9. Franco Colapinto (ARG) Alpine 47,353, 10. Yuki Tsunoda (JPN) Red Bull 58,187, 11. Gabriel Bortoleto (BRA) Audi 1:05,187 Minuten zurück, 12. Nico Hülkenberg (D) Audi 1:06,187, 13. Carlos Sainz (ESP) Williams 1:14,117, 14. Liam Lawson (NZL) Racing Bulls 1:15,609, 15. Oliver Bearman (GB) Haas 1:18,958, eine Runde zurück: 16. Esteban Ocon (F) Haas, 17. Alexander Albon (THA) Williamsk, 18. Sergio Perez (MEX) Cadillac, zwei Runden zurück: 19. Valtteri Bottas (FIN) Cadilla, ausgeschieden: Charles Leclerc (MCO) Ferrari (2. Runde/Unfall), Fernando Alonso (ESP) Aston Martin (23. Runde/Defekt), Lance Stroll (KAN) Aston Martin (26. Runde/Defekt)

WM (Fahrerwertung): 1. Antonelli 267, 2. Russell 201, 3. Hamilton 191, 4. Norris 171, 5. Leclerc 155, 6. Verstappen 127, 7. Piastri 116, 8. Hadjar 71, 9. Lawson 51, 10. Gasly 41, 11. Lindblad 29, 12. Colapinto 21, 13. Bearman 18, 14. Bortoleto 10, 15. Hülkenberg 6, 16. Sainz 6, 17. Albon 5, 18. Ocon 3, 19. Alonso 3, 20. Tsunoda 1

WM (Teamwertung): 1. Mercedes 468, 2. Ferrari 346, 3. McLaren 287, 4. Red Bull 204, 5. Racing Bulls 75, 6. Alpine 62, 7. Haas 21, 8. Audi 16, 9. Williams 11, 10. Aston Martin 3

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Handball

HBK-Wille überrascht sorglosen Meister

Radsport

Astolfi in Tschechien Fünfter, Breser gewinnt 36. Ausgabe der „Charly Gaul“