Portugal

Abschied ohne Krönung: Ronaldo verlässt WM-Bühne für immer

Mit Portugals Niederlage im Achtelfinale endet eine Ära. Cristiano Ronaldo wird nie wieder ein WM-Spiel bestreiten.

Cristiano Ronaldo in Aktion bei einem WM-Spiel, 27 Einsätze in sechs Weltmeisterschaften, Fußball-Legende auf dem Spielfeld

Sichtlich mitgenommen verabschiedete sich Ronaldo – der damit bei Weltmeisterschaften ungekrönt bleibt Foto: dpa/Gareth Patterson

Cristiano Ronaldo stand da mit erhobenem Haupt. Die Haare hatte er frisch frisiert, in seinem linken Ohrläppchen funkelte ein Diamant. „Ich gehe mit reinem Gewissen“, sagte der portugiesische Superstar mit klarer Stimme. Das bittere 0:1 im WM-Achtelfinale gegen Spanien – es war sein letzter Auftritt auf der allergrößten Fußballbühne: „Es war tatsächlich meine letzte Weltmeisterschaft, ja“, sagte Ronaldo. „Ich habe mein Bestes gegeben. Das Leben geht weiter.“

27 WM-Spiele in sechs Turnieren, elf Tore – doch kein Titel. Ronaldo hat fast alles erreicht, bloß bei der WM hat er es nur einmal ins Halbfinale geschafft. „Traurig“ sei er, die Weltmeisterschaft so verlassen zu müssen. „Aber so ist Fußball. So ist das Leben eines Fußballers.“

Die Tränen, die er nach Abpfiff auf dem Rasen vergossen hatte, waren schnell getrocknet. Und ebenso rasch setzte beim 41-Jährigen die Erkenntnis ein, dass auch in seinem durchtrainierten Körper keine weiteren vier Jahre auf höchstem Niveau stecken. Eine Ära geht zu Ende.

Trainer bestätigt Rücktritt

„Er ist ein Beispiel, dem man folgen sollte. Er ist eine Ikone des Fußballs. Es gibt nicht viele Ronaldos auf der Welt“, sagte Roberto Martinez, der kurz nach der von Mikel Merino (90.+1) herbeigeführten Niederlage seinen Rücktritt als Portugals Nationaltrainer bestätigte.

Mit Ronaldo verliert die WM mehr als einen Spieler. „CR7“ ist eine globale Marke – weit über seinen Sport hinaus. Wohl kaum ein anderer Fußballer steht so sehr für Glamour wie der Mann, der in Interviews ganz gerne in dritter Person über sich spricht. „Ich habe mit Portugal drei Titel gewonnen. Vor Cristiano gab es keinen einzigen“, sagte Ronaldo nach dem WM-Aus in Dallas.

Dieser „Cristiano“ ist auf dem Rasen seit über zwei Jahrzehnten eine Institution. 2016 wurde er Europameister, zwei Mal (2019, 2025) führte er Portugal zum Gewinn der Nations League. Fünf Mal gewann er die Champions League, fünf Mal war er Weltfußballer. Mit Lionel Messi verbindet ihn eine legendäre Rivalität. Wer besser ist? Darauf findet jeder seine eigene Antwort.

Aus der Zeit gefallen?

Und war es das nun auch endgültig? Auf Vereinsebene auf keinen Fall. In seiner Wahlheimat Saudi-Arabien wird Ronaldo auch in der kommenden Saison für ein fürstliches Gehalt dem Spitzenklub Al-Nassr zur Verfügung stehen. Und in der Nationalmannschaft? „Es gibt keinen Grund, jetzt schon darüber nachzudenken“, sagte Ronaldo: „Wir werden sehen.“ Er werde sich Zeit nehmen zum Nachdenken.

233 Länderspiele hat Ronaldo absolviert, dabei erzielte er 146 Tore, zumeist zelebriert mit dem ikonischen „SIUUU“-Jubel. Doch schon länger wirkt die Inszenierung, bei der er hoch abspringt, sich in der Luft dreht und mit ausgestreckten Armen landet, wie aus der Zeit gefallen. Ein wenig wie Ronaldo selbst.

Schon seine Nominierung hatte in Portugal eine Debatte ausgelöst. Ob er überhaupt noch das Niveau zur Stammkraft habe und nicht die Entwicklung der Mannschaft blockiere, wurde da gefragt. „Ich weiß, dass ich nicht mehr derselbe Spieler bin wie früher“, erwiderte Ronaldo am Tag vor dem Achtelfinale: „Aber eines hat sich nicht verändert: Ich kann immer noch Tore schießen.“

Nur 19 Ballkontakte

Ein Elfmetertor im Sechzehntelfinale gegen Kroatien (2:1) und einen Doppelpack gegen den krassen Außenseiter Usbekistan (5:0) hat Ronaldo bei der WM 2026 vorzuweisen. „Ich bin zurück!“, tönte er nach den ersten beiden Toren gegen harmlose Usbeken. Gegen gefährliche Spanier war am Montag dann nicht viel zu sehen. Nur 19 Ballkontakte verbuchten die Statistiker – Spaniens Jungstar Lamine Yamal kam auf 61.

Was bleibt also? Ronaldo formulierte es am Tag vor dem Ausscheiden so: „Gott war unglaublich großzügig zu mir. Er hat mir mehr gegeben, als ich je erwartet hätte – sowohl mit der Nationalmannschaft als auch persönlich.“

Mit dem WM-Titel wurde Cristiano Ronaldo nicht gesegnet.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Champions League

Wie Bissen die Gunst der Stunde nutzen will

Conference League

Warum man die Favoritenrolle bei UNA Strassen gerne abgibt